Geschäftsklima in Deutschland und Italien verbessert
Stimmung in der französischen Wirtschaft schlechter

Die Stimmung in der französischen Wirtschaft hat sich im Juni überraschend verschlechtert und ihren niedrigsten Stand seit November 2001 erreicht. Da sich in Deutschland und Italien das Geschäftsklima verbessert hatte, sprachen Volkswirte von einer Besorgnis erregenden Entwicklung.

Reuters PARIS. Der auf einer Befragung von 4500 Managern beruhende Geschäftsklima-Index sei auf 90 Punkte von 92 Punkten im Mai gesunken, teilte das nationale Statistikamt INSEE am Donnerstag in Paris mit. Volkswirte hatten indes mit einem Anstieg auf 94 Punkte gerechnet. "Die Antworten der Firmenchefs zeigen, dass die Geschäfte noch sehr schleppend verlaufen", erklärte INSEE. Olivier Eluere, Analyst bei Credit Lyonnais, sprach von einer "schlimmen Überraschung". Möglicherweise müsse die Regierung nun ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr nach unten revidieren.

Starker Euro belastet Auslandsgeschäft

Vor allem der zum Dollar stark gestiegene Euro machte den Befragten Sorgen. Der Teilindex zu den Auftragseingängen aus dem Ausland fiel auf minus 37 Punkte nach minus 28 Punkten im Mai. Hinzu kommt nach den Worten Elueres, dass die Schwäche der anderen europäischen Volkswirtschaften dem Auslandsgeschäft schade. Jean Louis Mourier von Aurel Leven sagte, nun komme es vor allem darauf an, wie sich die Wirtschaft in den USA und Asien und damit die Nachfrage aus dem Ausland entwickele.

Aber auch hausgemachte Probleme trübten nach Einschätzung der Analysten das französische Geschäftsklima ein. Der Schlüssel für die Belebung der Wirtschaft sei das Verbrauchervertrauen, dass von der hohen Arbeitslosigkeit und dem Streit über die Rentenreform belastet sei, wie der scharfe Rückgang des privaten Konsums im Mai gezeigt hatte. Der Teilindex der INSEE-Umfrage zu den Geschäftserwartungen verharrte demzufolge im Juni bei minus 32 Punkten, nachdem er im April mit minus 58 Punkten ein Allzeittief in der seit 1976 laufenden Umfrage markiert hatte.

Stimmung in Deutschland und Italien im Juni besser

In den beiden anderen großen europäischen Volkswirtschaften Italien und Deutschland hat sich die Stimmung dagegen etwas aufgehellt. Der vom Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) ermittelte Ifo-Geschäftsklimaindex war im Juni überraschend deutlich auf 88,8 von 87,7 Zählern im Mai angestiegen. In Italien kletterte das vom Forschungsinstitut ISAE ermittelte Stimmungsbarometer auf 91,6 Punkte nach einem 16-Monats-Tief von 90,3 Stellen im Mai.

Für Frankreich dagegen sei eine echte wirtschaftliche Erholung noch in weiter Ferne, sagte Mourier. Er schränkte aber ein: "Wir werden auch keinen ökonomischen Zusammenbruch erleben." Credit Lyonnais-Analyst Eluere sagte, möglicherweise müsse die französische Regierung ihr Wachstumsziel von 1,3 Prozent in diesem Jahr überdenken und sich der INSEE-Prognose von 0,8 Prozent annäheren. "Das zweite Quartal sieht nicht gut aus", sagte Eluere. Frankreichs Finanzminister Francis Mer hatte diese Woche in einem Parlamentsausschuss gesagt, es sei noch immer Zeit, ein schwächeres Wachstumsszenario zu prüfen.

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