Geschäftsklima in Frankreich sinkt weiter
Die konjunkturelle Unsicherheit in Europa wächst

Mit großer Spannung hatten die Märkte die ersten Konjunkturindikatoren für die Zeit nach den Terroranschlägen in den USA erwartet. Nun zeigt sich für Europa ebenso wie für die Vereinigten Staaten: Die direkt nach dem 11. September erhobenen Stimmungsdaten sind nur wenig schlechter als die aus der ersten Septemberhälfte.

abo/dc PARIS/DÜSSELDORF. Nur kann dieser Befund kaum beruhigen - denn ebenso wie in den USA hatte sich das Klima auch in wichtigen europäischen Staaten bereits zuvor deutlich eingetrübt. Die Unsicherheit über den Zeitpunkt der ersehnten Erholung dauert an.

Das gilt auch für Frankreich. Nachdem das Statistikinstitut Insee zu Wochenbeginn noch unerwartet positive Daten zum privaten Konsum im Juli und August veröffentlicht hatte, trübte sich das Geschäftsklima nun mit der September-Umfrage erneut deutlich ein (Grafik links). Die Unternehmen erwarten mehrheitlich in den nächsten Monaten eine zunehmend gebremste Industrieproduktion. Der Index fiel auf 94 Punkte, den niedrigsten Wert seit 1996. Im Juli lag er noch bei 99.

Die Terroranschläge hatten dabei nur geringen Einfluss: Ein Großteil der Antworten zur aktuellen Umfrage lag laut Insee vor den Anschlägen vor. Die später eingetroffenen Daten zogen den Indexwert nur unwesentlich weiter nach unten. In der Tat sieht man in Frankreich bisher kaum einen Zusammenhang zwischen Anschlägen und Wirtschaftsentwicklung. "Die allgemeinen Auswirkungen werden nicht so dramatisch sein", sagt der Vorstandschef der Großbank Crédit Lyonnais, Jean Peyrelevade. "Viele Kommentare zur Lage malen nach meiner Ansicht in ökonomischer Hinsicht ein wenig zu schwarz."

Solche Urteile scheinen beim südlichen Nachbarn Italien ihre Bestätigung in den gestern veröffentlichten Daten zum Verbrauchervertrauen zu finden: Der vom ISAE-Institut ermittelte Index stieg gegenüber August sogar leicht an, was Analysten überraschte (Grafik rechts). Auch hier gilt: Die nach den Terroranschlägen eingegangenen Daten unterscheiden sich wenig von den anderen. Dies ist aber wohl noch kein Grund zur Entwarnung. Nicht nur, dass auch die ISAE-Einzeldaten bereits zunehmend pessimistische Erwartungen über die wirtschaftlichen Perspektiven signalisieren. Obendrein zeigen die ebenfalls gestern veröffentlichten Daten zum Auftragseingang in der Industrie schon für Juli gegenüber Juni einen unerwartet starken Rückgang um saisonbereinigt 5,4 % an. Dabei entwickelten sich die Neuaufträge aus dem Ausland günstiger als aus dem Inland.

Hoffnung auf robuste Binnennachfrage

Frankreichs Regierung setzt einstweilen alle Hoffnung auf die bisher überraschend robuste Binnennachfrage. Finanzminister Laurent Fabius will eine positive Wechselwirkung von privatem Verbrauch und Arbeitsmarkt erreichen. Es gehe um die "Mobilisierung aller, zu Gunsten einer positiven Entwicklung von Verbrauch, Wachstum und Arbeitsplätzen."

Dennoch räumte er nach einer Sitzung der nationalen Wirtschaftskommission die große Ungewissheit ein, der auf dem Wirtschaftsklima laste. "Dies", so Fabius, "drückt sich in der Volatilität und dem Auseinanderklaffen der Wachstumsprognosen der Konjunkturforscher aus." Diese schwankten für 2002 immerhin zwischen 1,2 und 2,7 %. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Frankreich- Prognose soeben um einen halben Punkt auf 2,1 % korrigiert. Fabius rechnete bisher mit 2,3 % in diesem und 2,5 % im nächsten Jahr, ließ aber schon erkennen, dass beide Werte womöglich um rund 0,2 Punkte zu senken seien.

Während für Italien neben Regierung und Arbeitgeberverband Confindustria auch der IWF für 2001 wie 2002 ein Wachstum um 2 % erwartet, wird der Unterschied zwischen Realität und ursprünglicher Erwartung in Deutschland voraussichtlich besonders groß sein. Diese Einschätzung stützt der deutsche "Leading Index" des US-Instituts Conference Board, ein Aggregat diverser Indikatoren: Der Index ging im August zum sechsten Mal in Folge zurück und fiel damit auf de niedrigsten Wert seit einem Jahr.

Mit dem Befund, dass sich die Terroranschläge bisher nicht eindeutig negativ auf einschlägige Stimmungsindikatoren ausgewirkt haben, lassen sich aber einstweilen auch Hoffnungen verknüpfen - der Ifo-Geschäftsklimaindex hatte vor einer Woche noch recht positive Signale gegeben. Das Bundesfinanzministerium wertet in seinem neuen Monatsbericht das Konjunkturbild als "durchaus differenziert" - und hebt ebenfalls auf den Unsicherheitsfaktor ab: Mitentscheidend für den weiteren Konjunkturverlauf werde die Bewältigung der wirtschaftlichen Auswirkungen der Terroranschläge sein - diese seien aber "noch nicht absehbar".

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