Geschäftsklima ist "merklich eingetrübt"
Mittelstand und BDI dämpfen Konjunkturerwartungen

In Deutschland verliert der Konjunkturauftrieb an Fahrt. Die Industrie spricht von "Wolken am Konjunkturhimmel". Allerdings wäre es verfrüht, von einer sich anbahnenden Trendwende zu sprechen, so der Bundesverband der Deutschen Industrie.

ap BERLIN. Der Konjunkturaufschwung in Deutschland verliert nach Angaben der Wirtschaft an Fahrt. "Allerdings wäre es verfrüht, von einer sich anbahnenden Trendwende zu sprechen", erklärte der Bundesverband der Deutschen Industrie am Sonntag in Berlin in seinem neusten Konjunkturreport. Der Mittelstand korrigierte seine Erwartungen nach unten. Gesunkene Investitionsbereitschaft, verhaltene Prognosen zur Umsatz- und Ertragsentwicklung sowie steigende Insolvenzen belasten das Klima, wie die Herbstumfrage der Creditreform in Neuss ergab.

Der BDI sprach von "Wolken am Konjunkturhimmel". Das Geschäftsklima habe sich merklich eingetrübt. Die positive Entwicklung dürfte im weiteren Verlauf dieses Jahres und 2001 etwas abflachen. Die deutsche Wirtschaft sei zwar unverändert auf Expansionskurs, meinte der BDI. Jedoch hätten die "weltweiten und hausgemachten Konjunkturrisiken" zugenommen. Die Auftragslage der Industrie sei weiter robust. Der starke Zuwachs insbesondere beim Export lasse bis hinein in des kommende Jahr einen Aufschwung erwarten. Der Verband bezeichnete die gestiegenen Ölpreise und die Unsicherheit über die künftigen Belastungen aus der Ökosteuer als Hemmschuh für den Aufschwung. Auch die Entwicklung des Finanzmarktes werde nicht spurlos an der deutschen Industrie vorbeigehen vor allem dann nicht, wenn weitere Zinserhöhungen ins Haus stünden. Um dem Wachstum neue Impulse zu geben, seien nachhaltige Strukturreformen vor allem der sozialen Sicherungssysteme und am Arbeitsmarkt notwendig. Hier kämen aber entmutigende Signale von der Bundesregierung.

Ostdeutscher Mittelstand im Stimmungstief

Vor allem in Ostdeutschland verschlechterte sich die Stimmung laut Herbstumfrage der Creditreform deutlich. Während im vergangenen Herbst 37,9 % der befragten 4 710 Unternehmen mit steigenden Umsätzen rechneten, waren es in diesem Jahr noch 36,5 %. Die Zahl der Pessimisten stieg von 13,4 auf 15,3 %. Positive Umsatzentwicklungen stellten in den vergangenen sechs Monaten den Angaben zufolge 40,4 % der Mittelständler bundesweit fest. Die Einschätzung blieb damit gegenüber dem Vorjahr unverändert. Zwar bewerteten 41,6 % der Befragten die Auftragslage als sehr gut oder gut, im Vorjahr waren es erst 40,3 %. Zugleich stieg den Angaben zufolge aber auch der Anteil derjenigen, die die Ordersituation als mangelhaft oder ungenügend bezeichneten, von acht auf 11,3 %. Dabei vertiefte sich die Kluft zwischen Ost und West deutlich. Während der Mittelstand Westdeutschlands zu 45,5 % gute Noten verteilte, waren es in Ostdeutschland nur 30,6 % nach 40,1 % im Vorjahr.

Zugleich zeigten sich die deutschen Mittelständler deutlich weniger investitionsbereit als vor einem Jahr: 52,1 % der Befragten wollen laut Umfrage im nächsten halben Jahr investieren, im Herbst 1999 waren es noch 64,5 %. Im Osten sackte die Investitionsbereitschaft sogar von 60,3 auf 37,9 % ab. Trotz der gedämpfteren Erwartungen dürfte sich die Erholung am Arbeitsmarkt fortsetzen, hieß es weiter. Die Zahl der Firmen, die weitere Arbeitsplätze schaffen wollen, stieg leicht von 14,9 auf 15,2 %. Zugleich wollen deutlich weniger Betriebe, ihre Personaldecke verkleinern.

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