Geschäftslage nicht verbessert
Dienstleister weiter in der Rezession

Der Abschwung im deutschen Dienstleistungssektor hat sich im April etwas verlangsamt. Mit dem Ende des Irak-Kriegs nahm der Pessimismus in der Branche ab, ihre Geschäfte liefen aber erneut schlechter.

Reuters BERLIN. Der Reuters-Service-Index stieg zwar mit 44,6 Zählern auf den höchsten Stand in diesem Jahr, signalisierte aber nach Angaben der Forschungsgruppe NTC vom Dienstag mit einem Wert von unter 50 Punkten den neunten Monat in Folge eine stark rückläufige Geschäftstätigkeit in der Branche. "Der deutsche Index bestätigt das Bild, dass die deutsche Wirtschaft - milde ausgedrückt - in einer sehr schwierigen Lage ist", sagte Bernd Weidensteiner von der DZ Bank.

Die Branche, die in Deutschland zusammen mit den öffentlichen Dienstleistern etwa 70 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erwirtschaftet, erhielt erneut weniger Aufträge und baute weiter Personal ab. Auch in der Euro-Zone insgesamt liefen die Geschäfte schlechter als im März - der Index für das Währungsgebiet verharrte bei 47,7 Zählern. Damit hinken die europäischen Firmen den US-Dienstleistern hinterher, deren Geschäft sich im April wieder überraschend verbessert hatte. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt einen Anstieg des deutschen Index auf 43,5 von 43,3 Punkten und für die Euro-Zone auf 47,9 Punkte prognostiziert.

Für die schlechteren Geschäfte machten die rund 500 befragten Unternehmen vor allem die schwache deutsche Binnenwirtschaft verantwortlich. Immerhin verlangsamte sich der Geschäftsrückgang erstmals seit einem halben Jahr, die Firmen litten aber weiter unter Überkapazitäten und Druck auf die Gewinnspannen. Auch das Abwärtstempo des Auftragseingangs habe sich im April erstmals seit Dezember 2002 etwas verlangsamt.

Für die kommenden zwölf Monate zeigten sich die Befragten deutlich weniger pessimistisch als zum Jahreswechsel, der Index für die Geschäftsaussichten stieg mit 49,7 Zählern auf den höchsten Wert seit September 2002. "Diejenigen Firmen, die ihre Erwartungen für die kommenden zwölf Monate revidierten, schöpften etwas Hoffnung aus den erwarteten Verbesserungen nach dem Ende des Irak-Kriegs", erläuterte NTC. "Einige Befragte gaben sogar an, solche Verbesserungen bereits ansatzweise wahrzunehmen."

Nach Einschätzungen von Volkswirten könnte sich der Optimismus in den kommenden Monaten weiter verstärken. "Zumindest gibt es einige Hoffnungstendenzen, wenn sich vielleicht Regierung und Opposition auf Reformen verständigen", sagte Weidensteiner. NTC zufolge nahmen die Dienstleister mit Erleichterung auf, dass der sinkende Ölpreis und der starke Euro den Anstieg der Einkaufspreise bremsten.

Auch in den anderen großen Volkswirtschaften der Euro-Zone schwächelte der Dienstleistungssektor. In Spanien beklagte die Branche sogar einen beschleunigten Abschwung. Der Service-Sektor in Italien verzeichnete den ersten Geschäftsrückgang seit 17 Monaten. Lediglich in Frankreich legte die Geschäftsaktivität ein wenig zu. Auch europaweit wuchs der Optimismus: Der Index für die Geschäftserwartungen stieg auf 62,6 Zähler von 59,6 Punkten.

Das US-Pendant zum Reuters-Service-Index, der Index des Institute of Supply Management (ISM), war im April überraschend auf 50,7 von 47,9 Zählern gestiegen. "Das unterstreicht, dass die europäische Wirtschaft weiter hinter der US-Wirtschaft herhinkt", sagte Lothar Hessler von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Analysten werteten den Anstieg als ersten Hinweis für eine allmähliche Erholung der gesamten US-Wirtschaft. In Deutschland suchen die Analysten dagegen bisher vergeblich konkrete Anzeichen für den Aufschwung. "Wenn die Frühindikatoren nicht bald nach oben drehen, kann man den Aufschwung im zweiten Halbjahr vergessen und muss - nach guter Tradition - den Aufschwung ins nächste Jahr verschieben", sagte Weidensteiner.

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