Geschäftslösungen übernehmen Vorreiterrolle im M-Business
UMTS macht die Multimedia-Kommunikation mobil

Große Erwartungen hatte das Wireless Applikation Protokoll (WAP) geweckt, mit der Verfügbarkeit der Technologie trat jedoch recht bald Ernüchterung ein: "Zu teuer, zu langsam, zu umständlich" kritisieren die Nutzer den häufig unter dem Begriff "mobiles Internet" vermarkteten Standard. Jetzt setzt die Branche ihre Hoffnungen auf GPRS (General Packet Radio Service) und UMTS (Universal Mobile Telecommunications System).

Wenn Service-Techniker die Konstruktionspläne einer zu reparierenden Maschine über ihr mobiles Endgerät abrufen, chronisch Kranke ihre medizinischen Daten per Handy aufzeichnen und an den Hausarzt übermitteln oder Urlauber sich via mobilem Städteführer über das aktuelle kulturelle Angebot ihres Reiseziels informieren, steht fest: Im Zeitalter mobiler Kommunikation gestaltet sich das Leben zunehmend flexibler. Auch Mobilfunk-Experte Thorsten Heins weiß: "Die strenge Trennung zwischen Privat- und Berufsleben verwischt mehr und mehr. Das ist eine enorme Triebkraft für die Nachfrage nach Mobilfunkanwendungen der Zukunft." Dass der Leiter Mobile Solutions bei Siemens mobile mit dieser Einschätzung durchaus richtig liegt, belegt auch eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Booz Allen & Hamilton: Demnach existieren allein in Europa derzeit mehr als 3000 Anwendungsentwickler, die sich ein Stück vom Mobile-Business-Kuchen sichern wollen.

Die gesamte Mobile-Branche ist auf der Suche nach der Killerapplikation. "Die dabei konstruierten Visionen versperren jedoch den Blick auf Anwendungen, die bereits möglich sind", warnt Nicole Dufft, Analystin beim Berliner Marktforschungsinstitut Berlecon Research. Schließlich sorgen mobile Geschäftsanwendungen schon heute in vielen Unternehmen für nachhaltige Effizienzsteigerungen. "Der Markt verspricht, zu einem der wichtigsten Wachstumssegmente im Mobile Business zu werden", unterstreicht Dufft. Und bekommt Rückendeckung von der Unternehmensberatung Diebold, die den mobilen B2B-Märkten der USA, Japans und Westeuropas eine Wachstumsexplosion von rund 30 Milliarden US-Dollar im Jahr 2001 auf etwa 170 Milliarden US-Dollar im Jahr 2005 prognostiziert.

Kein Wunder also, dass sich die Anbieter zunehmend auf die Entwicklung mobiler Geschäftslösungen im Bereich des B2B (Business-to-Business) und B2E (Business-to-Employee) konzentrieren. So wollen etwa die Forscher des Fraunhofer Instituts für Software und Systemtechnik (ISST) mit ihrer Internet-Inside-Technologie endlich das alte Versprechen vom "Internet in der Westentasche" erfüllen und den mobilen Helfer zur Außenstelle der Unternehmens-DV machen. "Die neue Anwendungsplattform berücksichtigt all die Einschränkungen der mobilen Endgeräte und vereinfacht die Entwicklung mobiler Anwendungen", verspricht ISST-Abteilungsleiter Kurt Sandkuhl. Die Münchener SMAC GmbH will die Entwicklung sinnvoller Mobilfunk-Applikationen auf einem ganz anderen Weg beschleunigen: Sie fördert Start-Ups aus dem Mobile Business - von der Kapitalspritze bis zur Vermarktung der Services. So soll der Geschäftswelt schnellstmöglich eine breite Palette von nutzerorientierten Dienstleistungen zur Verfügung gestellt werden.

Neben standortbezogenen Diensten, den so genannten Location Based Services (LBS), und mobilen Zahlverfahren zählt zukünftig der Multimedia Messaging Service (MMS) zu den wichtigsten Schlüsselfaktoren für den M-Business-Erfolg. "Vergleichbar mit dem Übergang vom Radio zum Fernsehen, markiert die Entwicklung von reinen Text- zu Multimedia-Mitteilungen ein neues Zeitalter der mobilen Kommunikation", vermutet Nokia-Vorstandsvorsitzender Jorma Ollila. Schließlich ermöglicht dieser Dienst, dass nicht nur einfache Texte, kurze Melodien und kleine Bilder als Nachricht ins Handy verschickt werden können, sondern auch komplexe Grafiken und beliebige multimediale Sequenzen. Besonders im Marketingbereich könnte dieser Dienst ganz neue Kommunikationskulturen hervorbringen: So könnten Unternehmen beispielsweise ihre Werbebotschaften mit digitalen Grafiken unterstreichen und sie per Multimedia Messaging Service auf die mobilen Endgeräte ihrer Kunden schicken.

Doch trotz des Potenzials, das mobile Lösungen im Rahmen der zweiten und dritten Mobilfunkgeneration sowohl im Geschäftsalltag als auch im Privatleben bieten können, "bleibt eine Menge Arbeit zu leisten, um aufzuzeigen, dass das mobile Internet mit UMTS etwas Neues und Innovatives ist", weiß Wolfgang Best, Director Telecoms&IT beim Marktforschungsinstitut TNS Emnid. Deshalb hängt der Erfolg von GPRS und UMTS und den zugehörigen Services in erster Linie davon ab, wie gut das Zusammenspiel der Anwendungsentwickler, Netzbetreiber und Service Provider in diesem Bereich ist. Dass die mobilen Anwendungen mittel- und langfristig zweifelsohne ihren Platz in den Unternehmen finden werden, steht für Dr. Wolfgang Karrlein, Leiter Strategisches Marketing bei Siemens Business Services in München, außer Frage: "Ähnlich wie die Electronic-Business-Revolution die Geschäftswelt von heute verändert hat, wird auch das Mobile Business eine vergleichbare Dynamik auslösen."

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