Geschäftsmodell auf dem Prüfstand
Verlagshäuser drängen dpa zum Umbau

Die Gesellschafter machen Druck: Deutschlands führende Nachrichtenagentur braucht neue Preismodelle und Konzepte, um dem Druck standzuhalten.

HAMBURG. Die schwerste Medienkrise in der Nachkriegsgeschichte und die schlechte wirtschaftliche Lage zwingen die Deutsche Presseagentur (dpa) zu einer Neuausrichtung. "Unser Geschäftskonzept steht auf dem Prüfstand", erklärte Walter Richtberg, Sprecher der dpa-Geschäftsführung.

Derzeit arbeite Deutschlands führende Nachrichtenagentur an Modellen, um auf den Druck der Verlage nach Preisnachlässen vor allem für Wortberichte zu reagieren. Wie diese allerdings aussehen sollen, will Richtberg nicht sagen. Sie sollen auf einer außerordentlichen Gesellschafterversammlung vorgestellt werden, die in den nächsten Monaten erwartet wird.

An der 1949 gegründeten Nachrichtenagentur sind 196 Verlage und Rundfunkanstalten beteiligt. Seit Monaten drängen viele Printhäuser die dpa-Geschäftsführung darauf, die Preise für die Nachrichtendienste zu senken. Dazu gehören auch das "Handelsblatt" sowie die "Rheinische Post".

Erst am Mittwoch hatten die "Westfälischen Nachrichten" im Verbund mit zwölf Regionalzeitungen auf dpa-Meldungen verzichtet, um dem Wunsch nach Neuverhandlungen der Verträge Nachdruck zu verleihen. "Wir wollen durch diesen Druck helfen, dass dpa reagiert und endlich ein Reformprojekt anschiebt", meint Norbert Tiemann, Chefredakteur der "Westfälischen Nachrichten", gegenüber dem Handelsblatt.

Wie es in Unternehmenskreisen von dpa heißt, sind verschiedene Konzepte im Gespräch. Dazu gehöre unter anderem, dass die Regionalverlage künftig nur den Landesdienst beziehen können sollen ohne gleichzeitig den Basisdienst abzunehmen. Dies ist bislang nicht möglich, da die Nachrichtenagentur mit Gewinnen beim Basisdienst Verluste bei den Landesdiensten ausgleicht. Landesdienste umfasst lediglich die Nachrichten einzelner Regionen. Im Basisdienst sind hingegen ausgewählte Nachrichten aus aller Welt enthalten.

Sollte sich dpa zu diesem Angebot entschließen, müsste die Agentur die Preise für Landesdienste wohl kräftig anheben, um nicht in Bedrängnis zu geraten. Dann aber sei es wieder fraglich, ob die Verlage die Preise akzeptieren werden, heißt es. Sie könnten möglicherweise versuchen, durch Kooperationen unter den Zeitungen kostengünstiger ein eigenes Netz für die Beschaffung von Regionalnachrichten aufzubauen.

Trotz des zunehmenden Drucks von Seiten der Gesellschafter will dpa-Geschäftsführer Richtberg vorerst hart bleiben. Der Manager kontert vor allem damit, dass die Nachrichtenagentur bereits in der Vergangenheit erhebliche Kosteneinschnitte vorgenommen habe. Dadurch habe man die Bezugskosten für den Basisdienst in den vergangenen zehn Jahren konstant halten können. "Es sind auch für 2003 keine Preiserhöhungen vorgesehen - weder beim Nachrichtendienst noch beim Bildfunk", betonte Richtberg.

Um die Ertragslage zu verbessern, drückt dpa weiter auf die Kostenbremse. Mit den rund 1 200 dpa-Mitarbeiter sei vereinbart worden, von April 2002 bis Ende November 2003 keine Gehaltserhöhungen vorzunehmen. Erst ab Dezember gebe es Zuwächse von 2,1 %. Vor diesem Hintergrund rechnet Richtberg für das laufende Geschäftsjahr mit einem "ausgeglichen Ergebnis".

Im Geschäftsjahr 2002 erwirtschaftete dpa bei einem Umsatz von rund 106,2 (106,6) Mill. Euro einen Jahresüberschuss von rund 2,22 (2,7) Mill. Euro. Prognosen, wie das Ergebnis in 2004 aussehen werde, will Richtberg nicht wagen. Es dürfte aber nicht zuletzt durch die Kosten für die Berichterstattung über zwei großen Sport-Ereignisse zusätzlich belastet werden.

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