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Geschäftsmodell gesucht

Die Jahre, in denen das Geld auf der Straße lag, sind vorbei. Heute braucht ein Venture-Capitalist ein glaubwürdiges Geschäftsmodell, wenn er von Investoren wie Pensionsfonds und Versicherungen frisches Kapital für einen neuen Fonds haben will.

Die Wagnisfinanzierer müssen das vorweisen, was sie bisher immer von den jungen Unternehmen verlangt haben, in die sie investierten: einen Vorsprung vor der Konkurrenz oder ein Alleinstellungsmerkmal.

Was ist ein erfolgreiches Geschäftsmodell für den Wagniskapitalmarkt? Eines ist offenbar Größe und Diversifizierung. In der Krise wächst der Vorsprung der großen Finanzinvestoren mit ihren Multi-Milliarden-Fonds, weil diese die Flaute beim Venture-Capital mit einem verstärkten Engagement bei großen Deals mit reifen Unternehmen, also Management-Buyouts, abfedern können. So lange die Renditen dabei hoch bleiben, sind die Geldgeber zufrieden. Am Ende der Entwicklung steht der Private-Equity-Konzern, der alle Formen des privaten Beteiligungskapitals von der Startfinanzierung für junge Technologiefirmen bis zur Übernahme von Konzernen mit Milliardenumsätzen beherrscht und der international tätig ist und darum auch regionale Konjunkturunterschiede ausgleichen kann.

Auch in der Nische gibt es viele erfolgreiche und hoch profitable Wagniskapitalanbieter. Sie bewegen oft keine Milliardenfonds, aber schon dreistellige Millionenbeträge und sie konzentrieren sich auf eine bestimmte Branche oder Region. Auch das kann funktionieren - so beschränken sich einige der Top-Adressen des Silicon Valley ganz und gar auf diese Gegend und fahren damit sehr gut.

Doch was ist die Lösung für viele Dutzend neu gegründeter Wagniskapitalfirmen in Deutschland, die sich entweder keinen klaren Schwerpunkt gesetzt haben oder kurzsichtig auf ein Modethema wie Internet aufgesprungen sind und jetzt einen ersten Fonds in zweistelliger Millionenhöhe investiert haben? Viele von ihnen suchen offenbar händeringend nach einem Käufer für ihr Portfolio, wie aus der Branche immer wieder zu hören ist. Auch gesündere Neulinge versuchen derzeit, sich mit anderen Venture-Capital-Gesellschaften zu größeren, krisensichereren Einheiten zusammenzuschließen.

Solche Zusammenschlüsse allein sind aber noch kein Geschäftsmodell. Die Wagnisfinanzierer müssen sich entscheiden, ob sie zu einem großen, möglichst internationalen Finanzinvestor mit diversifiziertem Portfolio wachsen wollen oder ob sie sich auf ein klar umrissenes Kompetenzfeld kaprizieren, in dem sie den Portfolio-Unternehmen wirklichen Mehrwert bieten. Eins ist klar: Für ein relativ unerfahrenes Team mit einem Fonds von vielleicht 20 Millionen Euro macht es keinen Sinn, nach Flops im Internet-Geschäft jetzt mit dem Einstieg in Biotech- oder Nanotechnologie-Investitionen das Risiko streuen zu wollen.

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