Geschäftsmodell unklar
Helaba setzt auf Nähe zu Sparkassen

Die Landesbank Hessen-Thüringen will die Zusammenarbeit mit den Sparkassen verstärken. Über das Geschäftsmodell nach dem Wegfall der Staatsgarantien gibt es noch keine Klarheit. Gleichzeitig streben die Frankfurter dominante Marktpositionen in Nischen wie Corporate Finance an. Die Helaba will in Spanien im Immobiliengeschäft starten.

FRANKFURT/M. In einer "stärkeren Verzahnung mit den Sparkassen" sieht der Vorstandsvorsitzende der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), Günter Merl, einen zentralen Baustein der Helaba-Strategie. Mit der stärkeren Profilierung als Partner der Sparkassen will die die Helaba ihre Existenzberechtigung als Bank untermaueren.

Von einer "intensiveren Partnerschaft mit den hessischen und thüringischen Sparkassen" erwartet Merl zudem Vorteile bei der Neueinstufung der Bank durch die Ratingagenturen. Schließlich bewerteten Analysten die Vertriebsstärke der Sparkassen hoch. Je stärker eine Landesbank mit Sparkassen verbunden sei, desto mehr könne sie davon beim Rating profitieren. Zudem könne die Helaba nur dann in - für Sparkassen interessante - Geschäftsfelder wie strukturierten Kredifinanzierungen investieren, wenn im Gegenzug der Absatzkanal über die Sparkassen gewährleistet werde. "Wir brauchen einen anderen Grad an Sicherheit", fordert Merl.

Deshalb will der seit Juli amtierende Helaba-Chef die "Zusammenarbeit im Verbund auf eine neue Basis stellen". Sympathien zeigt er für den österreichischen Weg. Dort haben Sparkassen und Zentralinstitute Bereiche gemeinsam ausgelagert und agieren in konzernähnlichen Strukturen. Merl bestätigt Gespräche mit den Sparkassen, Ergebnisse sollen nächstes Jahr erreicht werden.

Merl bleibt bis Mitte 2005 Zeit für die Umsetzung seiner Ideen: Dann entfallen die Staatsgarantien für die zwölf Landesbanken in Deutschland. Noch sichern ihnen die öffentlichen Haftungszusagen Spitzenbewertungen von "AAA" bei der Bonität durch die Ratingagenturen und damit günstige Refinanzierungsmöglichkeiten auf dem Kapitalmarkt. "Wir streben für unser Geschäftsmodell ein AA-Rating" an, macht Merl deutlich. "Zwar bedeutet Rating nicht alles, aber es liegen Welten zwischen den Strategien von Banken, deren Bonität mit "BBB" oder mit "AA" bewertet wird. Rutschen wir in die BBB-Kategorie ab, müssen wir ein völlig neues Geschäftsmodell entwerfen."

Initiativen wie die der G 8 gefährdeten dagegen ein stärkeres Zusammenrücken von Landesbanken mit Sparkassen, sagt Merl, der sich als "Verbundpapst" bezeichnet. Als G 8 wird die Gruppe von acht Großsparkassen bezeichnet, die über eine Bündelung ihrer Kräfte und die Einrichtung von Kompetenzzentren bei einzelnen Großsparkassen berät. Darunter sind mit der Wiesbadener Naspa und der Frankfurter Sparkasse gleich zwei Großkunden der Helaba.

Positionierungs-Konzept steht noch aus

Das genaue Konzept, wie sich die Helaba nach Wegfall der Staatsgrantien positionieren wird, steht allerdings noch immer aus. Die Eigentümer - der Sparkassenverband (85 %), die Länder Hessen (10 %) und Thüringen (5 %) - verhandeln zurzeit noch.

Gute Fortschritte mache die Zusammenarbeit mit der Bayerischen Landesbank bei der Anfang August gebildeten Wertpapier-Abwicklungsbank. Nach der Migration der Helaba und der Bayern LB auf das neue System werde die Bank 2003 Kunden offen stehen, sagte Merl. Bereits jetzt "gibt es viele Interessenten". Und wenn erst eine dritte Landesbank ihre Abwicklung auf den Abwickler verlagere, bestünden gute Chancen, den Preis je Transaktion von derzeit 17 DM auf unter zehn DM zu drücken.

Kaum einen Beitrag liefert das Sparkassengeschäft für die Profitabilität der Helaba. "Die Effizienzgewinne werden größtenteils weitergeben", so Merl. Die anvisierten 15 bis 20 % Eigenkapitalrentabilität könne die Bank daher nur durch den Ausbau ihrer Geschäftsbankenaktivtäten erreichen. Hier will sich die Bank stärker fokussieren.

Merl betont, "wir sind von der Nische überzeugt". In Segmenten wie Corporate Finance oder Global Finance streben die Frankfurter die Marktführerschaft an. Gute Chancen sieht Merl im Kreditgeschäft mit strukturierten Finanzierungen, sprich dem Ankauf, der Verbriefung und dem anschließenden Verkauf von Kreditforderungen am Kapitalmarkt; ein Geschäft, welches vor allem die großen Hypothekenbanken betreiben. Das Geschäft werde für Sparkassen immer wichtiger. Sie könnten so eine Aufteilung ihrer "Klumpenrisiken" im Kreditgeschäft erreichen, die gerade bei Sparkassen wegen ihres regional beschränkten Geschäftsgebietes entstehen.

"Aus eigener Kraft ausbaubar" sei der Immobilienbereich, in dem bereits mehr als die Hälfte des Neugeschäftes im Ausland erzielt werde. Die Bank konzentrierte sich auf ausgewählte Ballungsgebiete. Nur so könne eine Bank mit der Größe der Helaba punktuell eine dominante Marktposition erreichen, etwa wie in Frankfurt. Merl verkündete, "dass zur Zeit überlegt werde, neue Aktivitäten in Spanien auzubauen".

"Wachstumsgrenzen aus eigener Kraft" sieht der Helaba-Chef dagegen im Asset Management (Vermögensverwaltung). Hier konzentriert sich die Bank auf den Inlandsmarkt und setzt für Wachstum und die Erweiterung der Produktpalette auf Kooperationen, wie im Bereich der Corporate Bonds auf die Zusammenarbeit mit Northern Trust.

Über die notwendige Eigenkapitalbasis für die Ausweitung der Geschäfte verfüge die Bank, sagte Merl: "Unsere Eigenkapitalbasis bietet für die nächsten fünf Jahre die notwendigen Wachstumsspielräume."

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