Geschäftsmodelle werden hinterfragt
Für Kapitalgeber ist die Expansionstrategie nicht das wichtigste

Die Zeiten haben sich gewandelt. Christian Bachem von der Berliner Venturepark Incubator AG hat am Mittwoch soeben seinen Vortrag über neue Geschäftsmodelle auf der Internet Commerce Expo in Düsseldorf beendet, da bildet sich bereits eine Schlange von Jungunternehmern, die ihre Visitenkarten loswerden wollen. Startups haben es mittlerweile zunehmend schwer, an Geld zu kommen.

DÜSSELDORF. Mittlerweile hinterfragen die Kapitalgeber die Geschäftsmodelle von Startups weitaus kritischer als noch vor einem halben Jahr. Was kostet es, neue Kunden zu gewinnen? Lässt sich der angebotene Inhalt überhaupt verkaufen? Klassische Erfolgsfaktoren in der New Economy - Tempo bei der Umsetzung neuer Geschäftsideen und Internationalisierung - sind nicht mehr so wichtig. "Geschwindigkeit ist schön", sagt Bachem, "aber eben nicht alles." Gleiches gilt für die Internationalisierung. Zeitgleich zur Messe in Düsseldorf gibt die Multimedia-Agentur Pixelpark in Berlin einen weiteren Expansionsschritt bekannt, dieses Mal in die Türkei. Die Bertelsmann-Tochter ist stolz auf ihre internationale Ausrichtung. Für Risikokapitalgeber Bachem ist das nicht das wichtigste. "Wer zum Beispiel in 14 Ländern aktiv ist, muss das auch handhaben können", sagt er - meint damit aber nicht Pixelpark.

Eine blutige Nase geholt

Dem kann Jürgen Richter, Vorstand der Reengineering Software Design AG (RS AG), nur zustimmen. Sein Software-Unternehmen, vor zehn Jahren in Potsdam gegründet, hat sich bei einem Expansions-Versuch nach Russland eine blutige Nase geholt. In Deutschland ist das Unternehmen mit seinem Warenwirtschaftssystem erfolgreich. Einige Firmen, zum Beispiel die Münchner Großbäckerei Hofpfisterei, wickeln über das Programm ihre Aufträge ab.

Den Erfolg wollte Richter exportieren. Er ließ den Markt in Russland untersuchen und eröffnete ein Büro in Moskau. Doch die Ernüchterung folgte auf den Fuß. "Die Firmen in Russland haben doch lieber in neue Maschinen investiert, als in unser Warenwirtschaftssystem", sagt Richter, "insgesamt setzten wir rund 250 000 DM in den Sand, obwohl wir noch vorsichtig rangegangen sind." Von dem Büro wird sich Richter zum Jahresende trennen. Es wird zwar nicht ganz geschlossen, aber von einem russischen Partner geführt, der die Kosten trägt.

Zweites Standbein durch M-Commerce

Diese Schlappe war für Richter eine Lehre, obwohl er weiter über Expansion nachdenkt. Vor zwei Jahren hat seine Firma ein zweites Standbein durch Mobil Commerce über WAP-Handys aufgebaut. Der Warenwirtschaftsverkehr soll künftig auch über WAP-Handys möglich sein, und eventuell auch im Ausland. Geld wäre vorhanden für eine Expansion. Die als kleine AG geführte Firma hat im vergangenen Jahr 2,5 Mill. DM Wagniskapital von der Kapitalbeteiligungsgesellschaft des Landes Brandenburg und von der Bonner Technologiebeteiligungsgesellschaft (TBG) erhalten, eine zweite Finanzierungsrunde über weitere 5 Mill. DM für die nächsten drei Jahre soll folgen. Vor dem Hintergrund liebäugelt Richter vor allem mit dem Markt in Großbritannien. "Aber ich will das nicht über das Knie brechen", sagt er, "da kann man sich schnell die Finger verbrennen."

Auch Oliver Stahl, Geschäftsführer der Projects IT GmbH, -Projektbörse ist bei seiner Expansionsstrategie vorsichtig. Die Firma die auf ihrer Internet-Plattform freiberufliche IT-Spezialisten vermittelt, will nicht "irgendwo hingehen und ein Büro gründen". Stahls Expansionsstrategie: "Wir steigen bei anderen Firmen ein, die ähnliche Projekte machen, und übernehmen mindestens 51 Prozent." Das nötige Riskio-Kapital hat er allerdings noch nicht unter Dach und Fach. Das ist heutzutage eben nicht mehr so einfach.



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