Geschäftspartner offenbar erfunden
Comroad-Bilanzen seit 1998 gefälscht

Der Bilanzskandal bei dem Telematik-Anbieter Comroad im Jahr 2001 war wohl nur die Spitze des Eisberges. Auch in den Jahren 1998 bis 2000 hatte das Unternehmen einen Großteil seiner Umsätze vermutlich frei erfunden.

WiWo/ap/dpa/rtr MÜNCHEN. Im Skandal um offenbar gefälschte Comroad-Bilanzen hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KMPG die Bestätigung der Jahresabschlüsse 1998, 1999 und 2000 für das frühere Neue-Markt-Unternehmen widerrufen. Bei Untersuchungen in Hongkong habe sich bestätigt, dass der angebliche Geschäftspartner VT Electronics in diesen Jahren nicht registriert und damit auch nicht existent gewesen sei, teilten die Wirtschaftsprüfer am Dienstag in Berlin mit. Zudem seien Umsätze mit bestehenden Partnern im überhöhten Umfang vorgetäuscht worden.

Im Geschäftsjahr 1998 seien nach Erkenntnissen von Rödl & Partner 2,86 Millionen Mark der im Jahresabschluss ausgewiesenen Umsätze von 4,56 Millionen Mark über die VT Electronics abgewickelt worden. Im darauf folgenden Jahr 1999 seien dies 17,18 Millionen Mark der ausgewiesenen Umsätze von rund 20 Millionen Mark gewesen. Im Jahr 2000 seien über VT Electronics dann 83 Millionen Mark des Gesamtumsatzes von 85,8 Millionen Mark abgewickelt worden.

Der KPMG seien im Rahmen der Abschlussprüfung in den Jahren 1998 bis 2000 gefälschte Belege über Geschäftsbeziehungen vorlegt worden, hieß es weiter. Mit deren Hilfe sei teilweise die Existenz Dritter vorgetäuscht worden. Zu den Belegen gehören den Angaben zufolge unter anderem Auftragsbestätigungen und Empfangsbestätigungen für gelieferte Comroad-Produkte. Die KPMG hatte im Februar bereits den Auftrag zur Prüfung des Jahresabschlusses 2001 fristlos gekündigt, nachdem sie an der Existenz des angeblichen Geschäftspartners in Hongkong zweifelte.

Die Deutsche Börse hatte Comroad vergangene Woche vom Neuen Markt ausgeschlossen. Das Unternehmen hatte eingeräumt, dass gerade einmal 1,4 Prozent des angeblichen Unternehmensumsatzes von 93,6 Millionen Euro belegbar seien. Der ehemalige Firmenchef Bodo Schnabel sitzt seit Ende März in Untersuchungshaft.

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