Geschäftsreisen stark eingebrochen
Anhaltende Konjunkturschwäche trifft US-Fluggesellschaften hart

Für die großen US-Fluggesellschaften ist der Mai dieses Jahres der bisher schlechteste Monat seit mindestens zwei Jahrzehnten gewesen. Das zeigt eine Studie des Branchenverbandes Air transport Association.

NEW YORK. Der Inlandsumsatz der US-Fluggesellschaften ist im Mai um 11,8 % gesunken. Luftfahrt-Analyst Sam Buttrick von der Investmentbank UBS Warburg sagte, dies sei der stärkste Rückgang, seit sein Haus im Jahr 1980 die Statistik begonnen hätte. Die Einbußen seien höher als während des Golfkrieges und der Rezession Anfang der 90er Jahre. "Einige sagen, die Branche ist weniger zyklisch geworden", sagt Buttrick. "Ich glaube, das Gegenteil ist der Fall." Glenn Engel, Analyst beim Investmenthaus Goldman Sachs, gibt zu Bedenken: "Dies ist normalerweise das beste Quartal für die Branche in den USA, aber die Firmen verlieren Geld."

Hohe Treibstoffkosten und vor allem der Einbruch bei den Geschäftsreisen hat die Fluggesellschaften schwer getroffen. Viele Businessreisende kaufen billigere Tickets oder verzichten ganz auf das Reisen.



Die Folge: hohe Verluste im zweiten Quartal. So erwartet die AMR Corp., Muttergesellschaft von American Airlines und TWA, einen Verlust von mehr als 100 Mill. $ - Analysten hatten laut einer Umfrage des Finanzinformationsdienstes First Call/Thomson Financial bisher mit rund 63 Mill. $ gerechnet. Der Konzern werde alte Flugzeuge früher aus dem Verkehr ziehen als geplant, um Kosten zu sparen. "Wir sehen keine Erholung in naher Zukunft", sagte AMR-Finanzchef Thomas Horton. AMR hat traditionell die meisten Geschäftskunden.



Delta Air Lines Inc. kündigte gar einen Verlust von 140 bis 160 Mill. $ an - fast doppelt soviel wie bisher erwartet. Anfang Juni hatte bereits die Continental Airlines Inc. gemeldet, dass der Umsatz gemessen an der Gesamtkapazität um mehr als 9 % gesunken sei. Auch die UAL Corp., der Betreiber von United Airlines, verkündet trübe Daten: Zweistellig werde der Umsatzrückgang bei United im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ausfallen. "Die Umsätze haben sich - verglichen mit unseren Prognosen vom April - weiter verschlechtert", sagt UAL-Chef James Goodwin.



Genauere Angaben könne der Konzern für das zweite Quartal nicht machen wegen der ungelösten Arbeitskonflikte mit Mechanikern und Flugbegleitern. Analysten kritisieren zudem , das United-Management verheddere sich in Randgeschäften. So versucht der Konzern, in die Vermietung von Firmenjets einzusteigen. "In Zeiten wie diesen sollten sie sich darauf konzentrieren, die Fluggesellschaft zu betreiben", sagt Michael Boyd von der Beratungsgesellscahft Boyd Group.



Die Northwest Airline Corp. erwartet einen Verlust von 50 bis 75 Mill. $ im zweiten Quartal. Analysten hatten bisher mit nur 17 Mill. $ Verlust gerechnet. Im ersten Quartal hatte der Fehlbetrag - ohne einmalige Sonderposten - noch 123 Mill. $ betragen. Hohe Buchungszahlen im April und Mai hätten die Verbesserung gebracht, und auch für die Urlaubssaison im dritten Quartal seien die Flieger der Gesellschaft gut ausgelastet. Für das vierte Quartal erwartet Northwest-Finanzchef Mickey Foret dagegen "weitere Herausforderungen", da die Zurückhaltung der Geschäftsreisenden anhalten werde.

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