Geschäftstätigkeit und Personalführung
Welche Fallstricke in der Ukraine lauern

Deutsche Unternehmen sehen sich bei Engagements in der Ukraine mannigfaltigen Herausforderungen gegenüber. Die Suche nach geeigneten Mitarbeitern ist mühsam und oft bleiben diese dem Unternehmen nicht lange erhalten. Fachkräftemangel und geringe Personalbindung erfordern ein gut durchdachtes Personalmanagement. Auch Probleme im Zusammenhang mit Korruption sind allgegenwärtig. In Fragen gesetzeskonformen Verhaltens unterscheiden sich die Unternehmenskulturen bei deutschen und ukrainischen Unternehmen.

KIEW. Schon seit längerem herrscht in der Ukraine ein eklatanter Fach- und Führungskräftemangel. Die Folge waren und sind erhebliche Lohnsteigerungen sowie verbreitete Praktiken der Abwerbung. Ein weiteres Problem stellt das Lohngefälle zwischen "Zentrum" (Kiew) und "Peripherie" (den Regionen) dar. Erwerben ukrainische Mitarbeiter durch Fortbildungsmaßnahmen zusätzliche Zertifikat-Qualifikationen (zum Beispiel ein Schweißer-Zertifikat nach DVS oder TÜV), so steigt regelmäßig die Gefahr des Abwanderns oder Abgeworben-Werdens. Es sind Fälle bekannt, dass ganze Gruppen von Fachkräften, die gerade erst Qualifizierungsmaßnahmen durchlaufen hatten, nach wenigen Monaten auf einen Bruchteil der ursprünglichen Zahl dezimiert waren. Gelernte Schweißer (um bei dem Beispiel zu bleiben) werden in Kiew höher bezahlt als in den Regionen und in Moskau noch besser entlohnt als in Kiew.

Ähnliches gilt für Manager. Erhält eine Führungskraft des mittleren Managements "irgendwo in der West-Ukraine" ein Brutto-Gehalt von 2 000 Dollar, so bekäme der oder die Betreffende in Kiew ein Mehrfaches dieser Summe. Es hat sich an den peripheren Standorten jedoch herumgesprochen, dass auch die Lebenshaltungskosten in den Metropolen, allen voran die Mieten, sehr hoch sind, und die Attraktivität Kiews für Zuwanderer hat auch wegen Überfüllung und Über-Agglomeration, messbar etwa an den katastrophalen Straßenverkehrsverhältnissen, zuletzt abgenommen.

Viele deutsche Unternehmen bieten ihren ukrainischen Mitarbeitern private Zusatz-Gesundheitsversicherungen an. In vielen Fällen wird auch Unfall-Versicherungsschutz offeriert. Größere Fertigungsniederlassungen deutscher Investoren unterhalten Werkskantinen oder/und Busdienste für verstreut im ländlichen Raum lebende Arbeitskräfte. Hier gibt es mitunter Probleme mit den ukrainischen Steuerbehörden, die den geldwerten Vorteil eines freien Kantinenessens oder einer kostenlosen Beförderung besteuert wissen wollen.

Für viele ukrainische Arbeitnehmer, darunter nicht zuletzt auch Fachkräfte und solche des mittleren Management, ist das Vorhandensein eines attraktiven Sozialpakets ein wichtiger Grund für die Wahl des Arbeitgebers. Deutsche Unternehmen befinden sich hier oft im Vorteil gegenüber ukrainischen Betrieben.

Die technische Berufsausbildung in der Ukraine ist theorielastig und befindet sich pädagogisch-didaktisch auf dem Stand der 90er Jahre. Ein duales System existiert nicht. Das Berufsschulwesen befindet sich in der Krise, staatliche Einrichtungen werden geschlossen, berufsnahe Ausbildungszentren fehlen fast völlig. Ukrainische Verwaltungsstellen versuchen bisweilen sogar mit Einwänden wie: "Es gibt hier keine guten Lehrer" deutsche Investoren von Initiativen zum Aufbau eines lokalen Berufsschulwesens abzuhalten. Deutsch-ukrainische Projekte der beruflichen Bildung (Fleischzentrum, Molkereizentrum) waren wenig bisher erfolgreich.

Nur wenige Investoren unterhalten eigene Ausbildungszentren in der Ukraine. Deutsche Großunternehmen aus Industrie und Handel lassen ukrainische Hoch- und Fachschulabsolventen, darunter zum Beispiel junge Ingenieure, in ihren Stammhäusern Praktika oder Maßnahmen zur beruflichen Fortbildung absolvieren, bevor sie in den ukrainischen Niederlassungen beschäftigt werden. Durch Maßnahmen dieser Art will man auch die Herausbildung einer "Corporate Identity" bei den ausländischen Mitarbeitern fördern.

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