Geschäftszahlen weniger wichtig
Dax-Ausblick: Börsianer warten auf EZB-Entscheid

Die Debatte über den Bericht der Uno-Waffeninspekteure im Sicherheitsrat am Freitag und der Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag werden in der kommenden Woche im Blickpunkt der Kapitalmärkte stehen.

Reuters FRANKFURT/M. Die Bedeutung der Geschäftszahlen von Eon, Henkel, Deutsche Post und MAN für den Gesamtmarkt dürfte nach Einschätzung von Händlern eher dahinter zurückfallen.

"Wir werden erst auf die EZB-Entscheidung warten, dann auf die Sicherheitsratssitzung und erst wenn sich ein Ende der Irak-Krise abzeichnet, wird der Markt sich nachhaltig bewegen", sagte ein Frankfurter Aktienhändler. "Ein militärischer Konflikt mit einer raschen Lösung ist am wahrscheinlichsten", schreiben die Strategen von Sal. Oppenheim in ihrer jüngsten Studie.

Die USA drohen Irak seit langem mit einem Angriff, sollte das Land nicht wie gefordert abrüsten. Dabei schließen sie auch einen Alleingang nicht aus, da eine ganze Reihe von Mitgliedern im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (Uno) verstärkt auf eine friedliche Lösung drängt. Der jüngste Bericht von Chefinspektor Hans Blix zum Stand der Abrüstung wird am nächsten Freitag in dem Gremium erörtert. Für die Zinsberatungen der EZB am Donnerstag sagt die Mehrheit der Beobachter eine Zinssenkung um ein halbes Prozent auf 2,25 Prozent voraus.

EZB-Entscheid vor allem für Banken wichtig

"Die EZB-Entscheidung wird wohl erstmal vom Warten auf die Sicherheitsratssitzung überschattet, aber für die Bankenwerte könnte es sofort wichtig werden", sagte Rolf Elgeti, Stratege bei Commerzbank Securities in London. Schließlich würde durch die Senkung der Zinsen die Refinanzierung der Institute günstiger, fügte er hinzu. Vor allem die deutschen Banken leiden derzeit an einer Ertragskrise, so dass ihnen jede Entspannung der Lage helfen würde. Die EZB hatte erst im September den Leitzins um 50 Basispunkte auf 2,75 Prozent gesenkt. 23 von Reuters befragte Experten erwarten für Donnerstag eine erneute Senkung um 50 Basispunkte, 14 gehen von einer Reduzierung um ein Viertel Prozent aus. Allgemein gilt eine Zinssenkung als positiv für die Aktienkurse, da sie die Finanzierung der Unternehmen erleichtert und damit langfristig Gewinne steigen lässt.

Irak bleibt Thema - Jüngste Dax-Erholung ermutigend

Vor der für Freitag erwarteten Debatte über den Blix-Bericht wird von Börsianern mit einem nervösen Handelsgeschehen gerechnet. Derzeit konzentriert sich die Diskussion auf grundsätzliche Bereitschaft Iraks, bestimmte Raketen zu zerstören. Börsianer zeigten sich ratlos auf die Frage, wie der Markt auf eine tatsächlich Zerstörung der Waffen reagieren würde. "Die Anleger sind so verunsichert, dass eine Kursreaktion nicht vorhersehbar ist", sagte ein Händler. US-Präsident George Bush hatte zu den jüngsten Äußerungen aus Bagdad gesagt, wenn Iraks Präsident Saddam Hussein je die Absicht gehabt habe, abzurüsten, dann würde er es längst getan haben. Saddam bleibe eine Bedrohung, er müsse daher gewaltsam entwaffnet werden. Der französische Außenminister Dominque de Villepin sagte hingegen: "Es gibt keinen Grund, die friedliche Entwaffnung Iraks nicht fortzusetzen."

Auch auf Grund der Unsicherheit über das weltpolitische Geschehen warnten Analysten davor, die jünsgste Erholung des Deutschen Aktienindex (Dax) überzubewerten. "Wir haben zuletzt so viele kurze Erholungen gesehen, die dann wieder in sich zusammengebrochen sind. Da sollte man jetzt vorsichtig sein", sagte Holger Galuschke, Analyst bei SEB. Der Dax hatte am Freitagnachmittag - beflügelt von günstigen Aussichten für die US-Konjunktur - die wichtige Marke von 2519 Punkten überwunden.

Dieser Stand gilt seit Oktober 2002 als wichtig, weil der damalige Dax-Kursrutsch dort zum Stehen kam. Als der Dax zuletzt darunter fiel, war befürchtet worden, er werde so bald nicht wieder darüber steigen. "Immerhin steigt jetzt die Chance, dass sich der Dax oberhalb von 2500 Punkten halten kann", sagte Galuschke.

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