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Gescheiterte Abu-Dhabi-Beteiligung überschattet VW-Tarif-Auftakt

Die Nachricht über das gescheiterte Geschäft mit den Scheichs überschattete den Tarif-Auftakt: Kurz vor Beginn der konfliktträchtigen Tarifverhandlungen bei Volkswagen wurde am Mittwoch völlig überraschend bekannt, dass das Wüsten-Emirat Abu Dhabi sich nun doch nicht an dem Autobauer beteiligt. Die ohnehin schon schwierigen Tarif-Gespräche für die rund 103 000 Beschäftigten der sechs westdeutschen Werke, bei denen es um grundlegende Weichenstellungen für die VW-Zukunft geht, dürften nach dem geplatzten Deal mit Abu Dhabi nicht einfacher werden.

dpa-afx HANNOVER. Die Nachricht über das gescheiterte Geschäft mit den Scheichs überschattete den Tarif-Auftakt: Kurz vor Beginn der konfliktträchtigen Tarifverhandlungen bei Volkswagen wurde am Mittwoch völlig überraschend bekannt, dass das Wüsten-Emirat Abu Dhabi sich nun doch nicht an dem Autobauer beteiligt. Die ohnehin schon schwierigen Tarif-Gespräche für die rund 103 000 Beschäftigten der sechs westdeutschen Werke, bei denen es um grundlegende Weichenstellungen für die VW-Zukunft geht, dürften nach dem geplatzten Deal mit Abu Dhabi nicht einfacher werden.

VW muss den Kaufpreis von einer Milliarde Euro für den Einstieg beim Flottenmanagement-Unternehmen Leaseplan nun aus dem laufenden Geschäft berappen - und nicht wie geplant mit einem Aktienverkauf an Abu Dhabi. "Das macht die Situation für das Unternehmen nicht komfortabler", hieß es dazu am Mittwoch in Hannover aus Tarif- Verhandlungskreisen. VW-Verhandlungsführer Josef-Fidelis Senn dagegen gab sich kurz vor Beginn der Gespräche wortkarg: "Abu Dhabi - ich weiß nicht mal, wie man das schreibt."

Kostensenkungen Nötig

Sehr genau umschrieb Senn aber die zentrale Forderung von VW in der Tarifrunde: nicht nur die 103 000 Jobs in den westdeutschen Werken, sondern die insgesamt 176 000 Konzern-Arbeitsplätze in Deutschland könnten nur gehalten werden, wenn es zu Kostensenkungen kommt. Ein Sparziel von insgesamt zwei Mrd. ? an Arbeitskosten strebt VW angesichts der schwierigen Lage des Unternehmens an. So will die VW-Führung eine zweijährige Nullrunde bei Löhnen und Gehältern durchsetzen. Der Haustarifvertrag, der rund 20 % über dem Flächentarif liegt, soll ab 2005 auslaufen. Außerdem will VW mehr Flexibilität und eine größere Konkurrenz der Standorte untereinander. Senn: "Das ist in der Tat eine besondere Tarifrunde."

Wie selten zuvor war es bereits im Vorfeld der Tarifverhandlungen zu öffentlich ausgetragenen Scharmützeln zwischen den Tarifparteien gekommen. Denn die Positionen von VW und IG Metall liegen meilenweit auseinander. Die Gewerkschaft lehnt eine Nullrunde strikt ab, fordert stattdessen im Kern vier Prozent mehr Geld und zehnjährige Beschäftigungsgarantien mit konkreten Produktionsentscheidungen.

Sei die IG Metall nicht zu weit reichenden Zugeständnissen bereit, könne es zum Abbau von 30 000 Arbeitsplätzen kommen, warnte VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch. IG Metall-Bezirkschef und Verhandlungsführer Hartmut Meine konterte: Nullrunden werde es mit der IG Metall nicht geben - und er signalisierte Kampfbereitschaft: 97 % der VW-Arbeiter seien IG Metall-Mitglieder, die Gewerkschaft verhandle aus einer "Position der Stärke". Wenn VW den Konflikt suche, sei die IG Metall bereit, ihre Forderungen mit Protestaktionen und Warnstreiks durchzusetzen.

"Das Wort Streik nehmen wir aber noch nicht in den Mund", heißt es im Gewerkschaftslager. Ende Oktober läuft die Friedenspflicht bei VW aus - ein Streik wäre der erste reine VW-Streik in der Geschichte der westdeutschen Werke.

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