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Gescheiterter Energie-Deal drückt Wall Street weiter ins Minus

Der Dow Jones hat den zweiten Tag in Folge dreistellig verloren, die Nasdaq steht mit einem Minus von 47 Punkten auch nicht besser da. Die US-Märkte schlossen am Mittwoch tief im roten Bereich.

Beim Klang der Schlussglocke hatte das Standardbarometer der dreißig US-Industriewerte 160 Punkte oder 1,6 Prozent verloren, der Dow ging bei 9711 Punkten aus dem Handel und ist damit nun schon zweimal knapp vor der 10.000-Grenze eingebrochen. Sollte der Index weiter abprallen, droht die psychologisch interessante Grenze zur technischen Barriere zu werden. Die Technologiebörse gibt 47 Punkte oder 2,5 Prozent nach und schloss bei 1888 Zählern.

Am New Yorker Nachmittag wurde die Federal Reserve das "Beige Book" veröffentlichen. Was die Notenbank zu vermelden hatte, überraschte nicht wirklich: Die US-Wirtschaft sei weiter schwach, ein Aufschwung fern. Stephen Wieding, Analyst bei Salomon Smith Barney liest das "Beige Book" wie einen Vorsatz zur nächsten Zinssenkung. "Die Ökonomie hat sich noch lange nicht erholt, die Notenbank sollte keine Risiken eingehen", sagt er und tippt auf eine Zinssenkung um 25 Basispunkte in der nächsten Notenbanksitzung am 11. Dezember.

Die gescheiterte Übernahme des Energiekonzerns Enron durch Dynegy war Thema des Tages auf dem New Yorker Börsenparkett. Jedes achte Papier, das am Mittwoch in New York gehandelt wurde, war eine Enron-Aktie. Nachdem sich Dynegy aus dem Deal zurückgezogen hat, gibt es für den einstigen Branchenriesen Enron wohl keine Chance mehr. Die Aktie verlor 84 Prozent bevor sie bei einem Stand von 63 Cents vom Handel ausgesetzt wurde. Vor einem Jahr hatte die Enron-Aktie 85 Dollar gekostet. Papiere von Dynegy gaben 13 Prozent nach.

Auf den Dow Jones Index drückten derweil die Aktien von JP Morgan Chase und Citigroup , die jeweils mehr als fünf Prozent abgeben. Beide Banken gehören zu den Gläubigern von Enron und Händler rechnen damit, dass die Häuser ihre Millionenkredite in den Wind schreiben müssen.

Nach einem Downgrade von JP Morgan gaben auch die Aktien von Boeing und General Electric nach. Die Analysten korrigieren die Aussichten für General Electric für 2002 und 2003. Vor allem im Energiegeschäft könnten die Ergebnisse enttäuschen, vermuten sie. Die Aktie gibt 2,2 Prozent nach. Boeing wird bei der Investmentbank nur noch als Market Performer geführt. Das Unternehmen solle die kommerzielle Luftfahrt intern abwerten, empfehlen die Analysten, und sich wieder mehr als Rüstungskonzern profilieren. Die Aktie verliert 3,7 Prozent.

Ein Downgrade der Analysten von Prudential Securities kostete die Aktien der Modekette The Gap ("Banana Republic", "Old Navy") 5,5 Prozent. Die Experten raten Anlegern zu "verkaufen" - Gründe gebe es viele: das schwache Weihnachtsgeschäft, steigende Konkurrenz, Discounts, die auf die Gewinnmargen drückten und die Tatsache, dass die einst schicke Werbung des Unternehmens laut Umfragen nicht mehr ankomme. Auch andere Modeketten stehen unter Druck. Papiere von Ralph Lauren gaben sechs Prozent ab, Tommy Hilfiger verloren 4,2 Prozent.

Chipgigant Intel gab bei hohem Volumen zwei Prozent ab und belastete den Chipsektor. Nach Firmenangaben könnte es Anfang 2002 zu Versorgungsengpässen beim Pentium 4 kommen. Das Unternehmen rechnet offenbar mit einem signifikanten Anstieg der PC-Nachfrage im kommenden Jahr. Dies stärkte wiederum die Computerbauer. Gateway gewann mehr als 11 Prozent. Papiere von Compaq legten fünf Prozent zu.

Für den Hardware-Hersteller Sun Microsystems kamen gute Nachrichten von der Technologiekonferenz in Arizona zu spät. Die Aktie verlor 1,5 Prozent und legte erst nach der Schlussglocke zu, nachdem das Unternehmen angekündigt hatte, die Quartalsschätzungen anheben zu wollen.

Bewegung war zur Wochenmitte im Medizin und Biotech-Sektor. Das Papier von Nexell Therapeutics legte 170 Prozent zu. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat einem Medikament des Unternehmens den Orphan-Status zuerkannt. Üblicherweise ist dies der letzte Schritt vor der Marktzulassung und bringt finanzielle Hilfe mit sich.

Der Medizingeräte-Hersteller Diametrics Medical hat die Zulassung für einen Glukose-Test erhalten. Die Aktie hatte zeitweise mit zwölf Prozent in der Gewinnzone notiert, schloss aber zum Mittag eingebrochen. Das Medizin-Service-Unternehmen SRI/Surgical Express, das Arztpraxen und Krankenhäuser mit wiederverwertbaren Instrumenten sowie Handtüchern und Schürzen beliefert, verliert 50 Prozent, nachdem das Management die Gewinnerwartungen um die Hälfte nach unten revidiert hat.

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