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Geschichten-Erzähler

Von Albrecht Prinz Croy Der deutsche Fernsehzuschauer liebt historische Geschichten. Anders ist nicht zu erklären, warum Bundeskanzler Schröder aus dem TV-Duell als Sieger hervorgegangen ist. Was war jetzt seine angeblich souveräne Leistung?

Von Albrecht Prinz Croy

Der deutsche Fernsehzuschauer liebt historische Geschichten. Anders ist nicht zu erklären, warum Bundeskanzler Schröder aus dem TV-Duell als Sieger hervorgegangen ist.

Was war jetzt seine angeblich souveräne Leistung? Im Flirt mit der Kamera noch mal erzählt zu haben, was er in den vergangenen sieben Jahren alles angestellt hat? Sich den 21 Millionen Deutschen, die das Spektakel verfolgten, als glänzender Fast-Ex-Kanzler präsentiert zu haben?

Die Gerd-Show war rückwärts gewandt. Schröder präsentierte keine Konzepte, weil er keine hat, und weil er auch keine mehr braucht. In vielen Momenten wirkte der Kanzler lustlos bei seiner Geschichtsstunde.

Wie also kann es sein, dass er einmütig, mit großem Abstand, zum Sieger dieses Abends gekürt wurde? Bedienen sich die Meinungsinstitute in den Ted-Umfragen ganzer SPD-Ortsvereine? Kollektives Schröder-Drücken?

In Wahrheit zeigt sich an dieser Reaktion mal wieder der eigentlich unpolitische deutsche Wähler. Das Alte, das Bewährte, wird geliebt, das Neue, das Unwägbare mit Verachtung gestraft.

Angela Merkel, die an diesem Abend überraschend präsent und munter war, und das Spiel mit den Kameras nur wenig schlechter als der Amtsinhaber spielte, hatte keine Chance in der Bewertung durch die Zuschauer. Sie ist neu, sie ist unbequem, sie ist Veränderung.

Angela Merkel hat einen neuen Stil geprägt: die Sachlichkeit, wenig rhetorische Schnörkel und hart am Thema. Nach vorne gerichtet und Ausflüchte nicht zulassend. Diesen Stil haben die Profis vor Ort und an den Bildschirmen sehr wohl vermerkt, wie Statements und die Leitartikel der Morgenzeitungen zeigen.

Sie hat gewonnen, weil sie nicht verloren hat. Weil sie dem Fernsehstar Schröder in seinem Medium Paroli geboten hat.

Es wird sich vieles ändern in diesem Land. Irgendwann auch die Bewertung von Fernsehauftritten und ihrer Inhalte. Irgendwann wird es auch das Wort vom Medienkanzler nicht mehr geben. Das werden schöne Zeiten!

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