Geschickt kombiniert - Die eigene Mischung wählen
Ungewöhnliche Fondsprodukte sollen neue Anlagegelder gewinnen

Schlechte Zeiten für die Fondsbranche. Durch die Flaute an den Finanzmärkten droht der Strom der Anlagegelder zu versiegen. Dies bestätigen die jüngsten Zahlen des Bundesverbandes Deutscher Investment-Gesellschaften (BVI): Wurden noch im ersten Halbjahr 2000 für annähernd 38 Milliarden Euro Anteile an Aktienfonds verkauft, so waren es in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres lediglich rund sechs Milliarden Euro.

DÜSSELDORF. Findige Marketingstrategen der Banken versuchen, diesem Trend entgegenzusteuern, indem sie Anlegern den Kauf von Fondsanteilen mit einem Zinsbonbon versüßen. Das Prinzip: Wer bereit ist, eine bestimmte Summe in Fonds zu investieren, kann den restlichen Betrag zu einem attraktiven Zinssatz fest anlegen. Die Festgelder bringen bei einer Laufzeit von zwölf Monaten im Schnitt fünf bis sechs Prozent Zinsen, bei kürzeren Zeiträumen können sich die Kunden sogar höhere Konditionen sichern.

Die Mindestanlagesumme bei diesen so genannten Kombi-Produkten beträgt zwischen 10 000 und 30 000 Mark. Dabei fließt in der Regel eine Hälfte des Kapitals in die Fonds, die andere Hälfte in das Festzinsprodukt. Wer mit mehr als 50 Prozent in Fonds einsteigt, wird gegebenenfalls mit einem Zinszuschlag belohnt: So bietet beispielsweise die ABC Privatkunden-Bank bei einer Anlagesumme von 10 000 Mark in der Spitze einen Festzins von elf Prozent - allerdings nur für die Dauer von drei Monaten und nur unter der Voraussetzung, dass mindestens 80 Prozent der Geldanlage in Fonds fließen.

"Den hohen Festzins bezahlen die Anleger mit den Ausgabeaufschlägen für die Fonds", gibt Rainer Metz von der Verbraucher-Zentrale Nordrhein-Westfalen zu bedenken. Das geben die Finanzinstitute auch offen zu: "Wir müssen natürlich auch unser Geld verdienen", heißt es dazu in der Kundenberatung einer Privatbank. Rabatte auf die Ausgabeaufschläge der Fonds räumen die Institute folglich nicht ein. Die Höhe der Einstiegsgebühren liegt je nach Fonds zwischen 2,0 und 6,25 Prozent.

Von hohen Zinsen nicht blenden lassen

Anleger sollten sich darüber im Klaren sein, dass die Zinsen für das Festgeld nicht das Risiko einer Aktienfondsanlage ausgleichen können. Nach Berechnungen des BVI verloren Aktienfonds mit dem Anlageschwerpunkt Deutschland seit Mitte 2000 innerhalb von zwölf Monaten im Schnitt rund 16 Prozent an Wert. Europäische Aktienfonds verbuchten sogar ein Minus von durchschnittlich knapp 22 Prozent. Diese Beispiele zeigen, dass die Wertverluste der Fonds möglicherweise größer ausfallen als die Zinserträge der Festgeldanlage.

Petra Krüll von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz warnt deshalb davor, sich von den hohen Zinsen blenden zu lassen. "Der Anleger sollte sich vielmehr fragen, ob das Kombi-Produkt tatsächlich eine sinnvolle Ergänzung zu seinem Depot darstellt", betont die Finanzexpertin. Keinesfalls sollten sich die Privatanleger auf Kompromisse einlassen. Auch Burkhard Baye, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Investmentberater (BVDI), ist skeptisch: "Die Zinsgarantie schafft eine vermeintliche Sicherheit, die teuer erkauft wird. Der Gewinner ist die Bank."

Einig sind sich die Experten darin, dass Anleger, die sich für ein Kombi-Produkt interessieren, ein genaues Augenmerk auf die Fondsangebote legen sollten: Welche Fonds stehen zur Auswahl? Handelt es sich dabei nur um hauseigene Produkte oder werden Fonds verschiedener Gesellschaften angeboten?

Zahlreiche Institute bieten nur eine Handvoll Fonds an

Die Unterschiede sind groß: Während die meisten Banken weniger als zehn Fonds im Rahmen des Kombi-Produktes offerieren, kann man bei anderen unter Hunderten auswählen - wie bei der Bank Kreiss, der Citibank und der Südwestbank. Die Bank Kreiss bietet alle Fonds an, die in Deutschland zum Vertrieb zugelassen sind - vorausgesetzt, der Ausgabeaufschlag beträgt mindestens vier Prozent. Die Citibank hat rund 750 Fonds (mindestens drei Prozent Ausgabeaufschlag) von 24 Kapitalanlagegesellschaften im Programm. Die Südwestbank wiederum hat mehr als 200 Fonds von Union Investment, der Fondsgesellschaft der Genossenschaftsbanken, im Angebot - der Ausgabeaufschlag beträgt mindestens drei Prozent.

"Bei den meisten Instituten ist die Fondsauswahl jedoch stark eingeschränkt. Deshalb ist vor einem Kauf genau zu prüfen, wie die Fonds im Vergleich zur Konkurrenz abschneiden", warnt Verbraucherschützer Rainer Metz. Wer sich dabei nicht auf das Urteil der Banken verlassen will, kann sich bei unabhängigen Fondsvermittlern informieren. Orientierungshilfe liefert auch das Internet.

Im Übrigen lohnt ein Vergleich der Depotkosten: Während etwa bei der ABC Privatkunden-Bank das Depot mindestens 50 Mark pro Jahr kostet, ist die Fondsverwaltung bei der Citibank und der National-Bank kostenlos.

Auch Dachfonds kommen infrage

Anleger mit geringer Risikobereitschaft sollten sich fragen, ob für sie ein klassischer Aktienfonds überhaupt das richtige Produkt ist. Möglichweise passt ein breit streuender Dachfonds besser zum Risikoprofil. Wer nicht auf Aktien, sondern auf Sachwerte setzen will, kann die Festzinsanlage bei einigen Instituten auch mit offenen Immobilienfonds koppeln. Diese Fonds investieren das Kapital breit gestreut am Gewerbeimmobilienmarkt und zeichnen sich durch eine stetige Wertentwicklung aus.

In jedem Fall eignet sich ein Engagement in Aktien- oder Immobilienfonds nur als mittel- oder langfristiges Investment. Nach Ansicht von Experten ist ein Anlagehorizont von mindestens fünf Jahren ratsam. Keinesfalls sollte der Anleger zu einem bestimmten Zeitpunkt auf das Geld angewiesen sein. Vielmehr sollte er in der Lage sein, eine Börsenflaute aussitzen zu können.

Bleibt die Frage, ob es nicht sinnvoller ist, sein eigenes Kombi-Produkt zusammenzustellen. Die Vorteile: Für das Festgeld lässt sich der Anlagezeitraum selbst bestimmen. Bei den Fonds haben Anleger die freie Auswahl der Investmentprodukte. Zudem steht die Möglichkeit offen, bei Direktbanken Rabatte auf Ausgabeaufschläge auszunutzen. Die beste Anlagestrategie könnte dabei so lauten: Ruhe bewahren, Geld parken und erst dann einsteigen, wenn die Börsen wieder einen klaren Trend nach oben zeigen.

ALTERNATIVEN

Anleger sollten prüfen, ob es nicht günstiger ist, das Kombinationsprodukt selbst zusammenzustellen. Das eröffnet nicht nur die freie Auswahl der Investmentprodukte, sondern bringt möglicherweise Kostenvorteile. So gewähren Direktbanken und einige unabhängige Fondsvermittler Rabatte auf Ausgabeaufschläge. Einige Fonds werden sogar aufgeldfrei verkauft - eine aktuelle Auswahl von drei Direktbanken ist unten aufgelistet. Häufig sind darunter richtige Perlen zu finden wie der Value-Fonds von Nordea, der zu den Spitzenreitern seiner Klasse zählt.

Dieser Mischfonds investiert überwiegend in nordamerikanische Nebenwerte und erzielte in den vergangenen drei Jahren einen Wertzuwachs von rund 183 Prozent. Zu weiteren Favoriten der Fondsexperten zählen der internationale Aktienfonds Activest TopWelt sowie der europäische Aktienfonds Gartmore CSF Continental Europe Fund. Wer aufgeldfreie Fonds kauft, sollte jedoch die Höhe der Managementgebühren beachten. Denn einige Fondsgesellschaften haben diese in jüngster Zeit schleichend angehoben. Wer Geld parken will, kassiert für Festgeld derzeit bis zu fünf Prozent und fährt damit nicht unbedingt schlechter als bei einigen Anbietern der Kombi-Produkte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%