Geschlagener Schumacher: „Chaotisches Rennen“
„Sternstunde“ für Mercedes

Der Grundstein für eine spannende Formel-1-Saison ist gelegt: Mit einer "Sternstunde" hat McLaren-Mercedes die phänomenale Erfolgsserie von Weltmeister Michael Schumacher und Ferrari beendet und ist am Sonntag mit seinem "Gebrauchtwagen" auch dem funkelnagelneuen Williams-BMW davongefahren. Während die "Roten" beim ersten Grand Prix nach neuen Regeln erstmals seit dem 29. August 1999 den Sprung auf das Podium nicht schafften, drehten die "Silberpfeile" beim turbulenten Eröffnungsrennen in Melbourne auf und beendeten die Langeweile in der Königsklasse.

HB/dpa MELBOURNE. "Ich glaube, dass die Formel-1-Welt aufatmet, weil nicht immer nur Rot gewinnt", freute sich Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug nach der Siegesfahrt des Schotten David Coulthard mit einer halben Sekunde Vorsprung vor Juan-Pablo Montoya (Kolumbien) im Willimas-BMW und Kimi Raikkönen (Finnland) im zweiten McLaren. "Es kann nicht immer so perfekt laufen, wie es im letzten Jahr gelaufen ist", entgegnete der fünfmalige Weltmeister Schumacher, der erstmals seit dem 16. September 2001 nicht unter die Top Drei gefahren war.

Für Heinz-Harald Frentzen wurde der Große Preis von Australien zu einer sauberen Sache. "Das ist ein Super-Resultat", jubelte der Mönchengladbacher nach Rang sechs und seinen ersten WM-Punkten. Sein Teamkollege Nick Heidfeld dagegen musste den Sauber-Petronas nach einem Unfall in der 21. Runde abstellen. Ralf Schumacher im zweiten Williams-BMW holte als Achter zwar noch einen Punkt, doch zufrieden war er nicht, "weil wir gegen einen alten Mercedes verloren haben und Glück hatten, dass es bei Ferrari so schief gelaufen ist." Schumachers Teamkollege Rubens Barrichello (Brasilien) schied aus.

"Die Saison ist lang, und es sind fünf wichtige Punkte, das ist das Positive. Deshalb kann auch ich ganz zufrieden sein", sagte der besiegte Champion Schumacher. Trotzdem schloss der 34-Jährige, der wie die silberne Konkurrenz ebenfalls im modifizierten Vorjahresmodell unterwegs gewesen war, den Einsatz des neuen Ferraris schon beim zweiten der 16 Saison-Rennen in Malaysia am 23. März nahezu aus: "Unser neues Auto kommt definitiv erst dann, wenn es auch zuverlässig ist."

Angesichts der Witterungsumstände sei es ein "chaotisches Rennen" gewesen, befand Schumacher. Während die Michelin-Konkurrenz McLaren - Mercedes und Williams-BMW die 58 Runden auf Trockenreifen in Angriff nahm, bauten die mit Bridgestone bereiften Ferraris zunächst auf Regenreifen. "Im Nachhinein muss man vielleicht sogar sagen, die Wahl war falsch", gab Schumacher zu. Schon in der siebten Runde kam der von der 51. Pole-Position der Karriere gestartete Favorit zum Reifen wechseln, doch als er zwölf Runden vor Schluss noch einmal Nachtanken und damit zum dritten Mal an die Box musste, waren die Würfel gefallen.

Coulthard, der von Startplatz elf ins Rennen gegangen war, profitierte in einem der spannendsten Rennen der letzten Jahre bei seinem 13. Karriere-Sieg von den Fehlern der Rivalen. Teamkollege Raikkönen verschenkte seinen ersten Grand-Prix-Erfolg, weil er mit überhöhter Geschwindigkeit zum Tanken kam und später zur Strafe langsam durch die Boxengasse rollen musste. Teamchef Ron Dennis entschuldigte sich bei seinem Piloten, denn ein Softwarefehler war schuld an dem Dilemma.

Zwei Mal bremste das Safety Car Heißsporn Montoya ein, trotzdem war der Kolumbianer nach dem zweiten Boxenstopp vorne, ehe er vom Gaspedal rutschte und sein Auto sich drehte: "Es war allein meine Schuld." Die Gunst der Stunde nutzte Coulthard: "Ohne die Safety-Cars wären wir weiter hinten gewesen."

"Ich will mal stark behaupten, dass es mit dem neuen Reglement aber nichts zu tun hat", sagte Schumacher, der sich den 120 000 Zuschauern im Albert Park als fairer Verlierer präsentierte. Das mit vielen Überholmanövern gespickte Rennen hatte eigentlich schon am Samstag mit dem Einzelzeitfahren begonnen. Da nach der Qualifikation nicht nachgetankt werden durfte, waren die Strategen gefragt.

"Das Einzel-Zeitfahren an sich ist ein absoluter Gewinn, das Nachtankverbot führt jedoch zu einem verzerrten Bild", kritisierte nicht nur BMW-Motorsport-Direktor Mario Theissen diesen Teil des neuen Reglements. Schon jetzt ist klar, dass sich der Weltverband FIA und die Teams vor dem Europa-Auftakt am 20. April in Imola zusammensetzen werden, um über die Reform der Reform zu beratschlagen.

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