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Geschlossene Fonds im Urteil der Analysten

Schlechte Noten von Rating- Agenturen wie Moody s und Standard & Poor s kommen Anleihe-Emittenten teuer zu stehen. Die Platzierung muss mit höheren Zinskupons erkauft werden. Anleger können klar erkennen: Je schlechter das Rating, desto höher das Risiko, Geld zu verlieren.

Das Anlegen nach Noten wird künftig auch für Investoren in geschlossene Fonds in Mode kommen. Zurzeit bauen das neugegründete Unternehmen FondScope AG, Berlin, und die ebenfalls noch junge Hanseatische i-Bank AG, Hamburg, Analysesysteme auf bzw. aus. Angebot, Analyseansatz und Firmenpilosophie der Newcomer unterscheiden sich deutlich. Treibende Kraft hinter FondScope ist die Familie Schoeller. Vater Manfred Schoeller, früher Textilmaschinenfabrikant, entwickelte das Analysesystem und leitet die entsprechende Abteilung, Sohn Florian ist Sprecher des Vorstands. Neben weiteren Beteiligungen des Managements ist eine Wagniskapital-Tochter der Bankgesellschaft Berlin beteiligt. Geld verdienen will FondScope (Die Fonds-Noten von FondScope ) mit dem Verkauf der Analysen an Finanzdienstleister, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater per Internet-Abonnement (www.fondscope.de) sowie dem Vertrieb von Fonds, wofür die Berliner zwei bis drei Prozent Provision berechnen wollen.

Für Privatanleger kostenfrei werden Manfred Schoeller zufolge lediglich deutlich abgespeckte, im Internet einsehbare Versionen sein. Als weitere Einnahmequelle sind Beratungshonorare von Initiatoren eingeplant. Ende Juni will FondScope mit Analysen geschlossener In- und Auslands-Immobilienfonds, Windkraft- und Medienfonds starten.

Während das FondScope-Modell auf Geschäfte mit den Profis im Markt der Unternehmensbeteiligungen abzielt, setzt die Hanseatische i-Bank (www.hibank.de) die für Privatpersonen kostenlosen Analysen als "Akquisitionsinstrument" für das eigene Vermögensverwaltungsgeschäft ein. Den Leistungsumfang im Fondsgeschäft beschreibt der dafür zuständige Peter Kastell so: "Vermittlung, Begutachtung, Ranking". Die Analyse des nach Ansicht der Hibank besten Angebots einer Kategorie ist im Internet sofort einsehbar (Die Fonds-Noten der Hanseatischen i-Bank).

Weitere Beurteilungen können per E-Mail als elektronische Datei oder auf Papier angefordert werden. Zurzeit gibt es Analysen zu Schiffs- und Wagniskapitalfonds. Die Analysen nennen die Anbieter nicht. Dies ist deshalb von Bedeutung, weil die Hibank zur Hälfte MPC Münchmeyer, Petersen Capital in Hamburg gehört, die selbst Schiffs- und Venture-Capital-Fonds anbieten. Als nächstes sollen Film- und Auslands-Immobilienfonds beurteilt werden. Die übrigen Hibank-Anteile hält die Hamburger Sparkasse.

Beide Anbieter betonen ihre Neutralität und dass sie Transparenz in den Markt bringen wollen. Doch kann ein Diensleister neutral analysieren, was er gleichzeitig verkauft? Wie verhalten sich die Analysten, wenn ein Emissionshaus nach einem Negativurteil mit der Aufkündigung der Vertriebskooperation droht? Sollten in der Hibank-Hitliste der besten Angebote MPC-Fonds häufig weit vorn stehen, werden MPC-Konkurrenten bald die Unabhängigkeit der Analysten anzweifeln. Ob die positiven Wertungen gerechtfertigt sind, wird dabei kaum eine Rolle spielen. Transparenz ernst zu nehmen würde für beide Analystenhäuser bedeuten, dass sie Vertriebskooperationen veröffentlichen und dass FondScope Beratungsmandate offen legt.

Beide Newcomer treten an gegen die G.U.B. GmbH, die "älteste unabhängige Rating-Agentur für geschlossene Fonds", so die Eigenwerbung (Die Fonds-Noten der G.U.B.). Die Unabhängigkeit der Hamburger wird allerdings in Zweifel gezogen. Der Unternehmensberater Heinz Gerlach titelte in seinem Info-Blatt "Direkter Anlegerschutz": "G.U.B.-Analysen kann man kaufen". Dass Gerlach damit keine Werbung für die je nach Umfang 25 bis 53 DM teuren Analysen machen wollte, weiß auch G.U.B.-Geschäftsführer Stefan Löwer und kontert: "Der Eindruck, Initiatoren könnten sich ein günstiges Urteil ,erkaufen , ist in keinem einzigen Fall auch nur ansatzweise belegt. Er ist schlicht falsch und aus der Luft gegriffen." Fallen die Analysen gut aus, bekommen die Anleger sie häufig kostenlos. Sie liegen dann oft gleich dem Prospekt bei.

Über die Urteilskraft der G.U.B. lässt sich allerdings streiten. Mehrere Fonds des vor allem wegen gegebener Mietgarantien Pleite gegangenen Initiators WGS wurden mit "++" (gut) bewertet. WGS-Geschäftsführer Klaus Neuschwander, dessen WGS die G.U.B. eine "herausragende Performance auf dem Gebiet geschlossener Immobilienfonds" attestierte, wurde wegen Untreue und Betrugs vom Landgericht Stuttgart zu sechs Jahren und neun Monaten Haft verurteilt (Az.: 164 Js 73923/97). Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Neuschwander beim Verkauf von Anteilen an fünf Immobilienfonds einen Schaden von fast 100 Millionen DM angerichtet hat. Nicht der einzige Fehlgriff der zur cash.medien AG gehörenden G.U.B., wie " ++" für Fonds der in Konkurs gegangenen HAT Hanseatische Anlage Treuhand und drei Pluszeichen für den Sanierungsfall DLF 94/17 der Kapital GmbH-Consult belegen.

Dass ein Fondsanbieter im Prospekt den Mund zu voll genommen hat, wird manchem Zeichner erst klar, wenn er versucht, seine Anteile vorzeitig zu verkaufen. Preise, die ihm Vermittler für diesen Fall nannten, erweisen sich vielfach als vollkommen unrealistisch. Bisher vermittelten Initiatoren Käufer oder kauften Anteile für eigene Zweitmarkt-Fonds. Der Markt war wenig transparent, was sich mit dem ersten Versuch, Anteile börsenmäßig zu handeln, nicht wesentlich änderte. Nur selten fanden Käufer und Verkäufer zusammen.

Diese Situation will die DAI Zweitmarkt GmbH, Hamburg, ändern. Sie kann auf Erfahrungen ihrer dänischen Mutter DAI AS im Handel mit Beteiligungen verweisen. Der wichtigste Unterschied zum vom Hamburger Broker HWAG Hanseatisches Wertpapierhandelshaus AG initiierten Internet-Handel: Die DAI will als Market-Maker selbst verbindliche Preise stellen und im Internet veröffentlichen (www.dai-zweitmarkt.de). "Für Initiatoren kann ein offener Zweitmarkt nur von Vorteil sein, weil er gleichzeitig den Erfolg seiner Angebote misst", sagt DAI-Geschäftsführer Mark W. Hülk. Der Erfolg sollte auch künftige Anleger interessieren. Denn solange die Fonds-Analysten nicht so unabhängig sind wie S & P und Moody s, kann Fonds-Interessenten jede Information recht sein. Kommen mehrere Analysten zu ähnlichen Ergebnissen, schließt das noch keinen Misserfolg aus, es reduziert aber das Risiko eines Fehlgriffs.

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