Geschlossene Gesellschaft
Fern vom Parkett: Private haben ihre Chancen

Längst nicht alle Firmen haben sich von der Börseneuphorie anstecken lassen. Großunternehmen sowie viele Mittelständler bleiben dem Parkett fern. Ihr Nachteil: Ihnen fehlt ein wichtiger Zugang zum Kapitalmarkt ( >>Tabelle ) .

"Solange die Innenfinanzierung stimmt, ist das kein Problem", meint Volker Brühl, Mitglied der Geschäftsleitung der Unternehmensberatung Roland Berger. "Unternehmen wie Bosch sind groß genug, um privat bestehen zu können", stimmt Thomas Dünkelsbühler, Partner der Beratungsfirma Arthur Andersen, zu.

Firmen, die nicht vom Auf und Ab der Aktien abhängig seien, könnten viel leichter eine langfristig orientierte Unternehmenspolitik verfolgen, betont Brühl. Dennoch: Der fehlende Kapitalmarktzugang drückt die Privatunternehmen. "Die Möglichkeiten bei Fusionen und Übernahmen sind viel geringer", ist der Roland-Berger-Manager überzeugt.

Deshalb denken viele Privatfirmen über Auswege nach: Der Spezialglashersteller Schott - als Stiftungsunternehmen kommt ein Börsengang der Gruppe derzeit nicht in Frage - prüft beispielsweise die Emission der Aktien von Tochtergesellschaften. "Wir beobachten den Trend hin zur Akquisitionswährung Aktie ganz genau", schätzt Schott-Chef Leopold von Heimendahl die Möglichkeiten, welche Aktien bei Übernahmen bieten, hoch ein. Einen anderen Weg ging der Anlagenbauer Voith. Die Schwaben finanzierten eine Übernahme mit einer Anleihe.

Kapitalbeschaffung ohne die Börse

Die fehlende Finanzierung über die Aktienbörse ist nicht der einzige Nachteil: Mit Aktienoptionen binden viele börsennotierte Firmen Mitarbeiter an sich. Doch auch hier, glaubt Dünkelsbühler, haben Private Möglichkeiten, den Vorteil der notierten Unternehmen auszugleichen: durch Einführung so genannter "PhantomStocks". Dabei würden virtuelle Aktien eingeführt. Die Bewertung erfolge durch den Vergleich mit börsennotierten Wettbewerbern. Erfolg am Markt sei vielfach keine Frage der Börsennotierung, sondern von Produkt und Strategie. Vor allem in wenig kapitalintensiven Branchen, so Brühl, könnten Privatunternehmen gut überleben.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%