Geschmack der Anleger wird nicht getroffen
Aktie unter der Lupe: Gap

Die Modelle auf amerikanischen Modeplakaten schauen derzeit eher düster aus der Wäsche. Auch in den Finanzabteilung des weltweit präsenten amerikanischen Bekleidungskonzerns Gap Stores Inc ist man derzeit wenig optimistisch.

dek NEW YORK. Der Grund: Die GAP-Aktien sind stark unter Druck geraten. Enttäuschende Verkaufszahlen und ein enormer Schuldenberg ließen die Titel seit dem vergangenen Sommer um über 50 % einbrechen. "Für eine Weile waren wir in berauschender Stimmung - nun sind wir wieder nüchtern", schildert Vizevorsitzender John Lillie die letzten Jahre der starken Expansion gefolgt vom jähen Fall.

Mit über 4 000 Läden beherrscht der in San Francisco beheimatete Konzern weite Segmente der amerikanischen Modebranche. Die Flaggschiffe von Gap sind die drei etablierten Marken Old Navy, Banana Republic und The Gap. Während The Gap und vor allem Old Navy auf die unteren Preisklassen ausgerichtet sind, setzt Banana Republic auf die lukrative Nische der urbanen Mittelklasse. Hier sind Trend und Qualität der Ware wichtiger als der Preis. Das Problem von The Gap: Die Marke versuchte sich zuletzt in trendigen Kollektionen. Die meisten Amerikaner erwarten von dem Label aber nach wie vor den klassischen T-Shirt-Khaki-Look.

Der steile Aufstieg von Gap begann, als sich die Bekleidungskultur in den amerikanischen Unternehmen etwas lockerte. In den Augen mancher Analysten ist das Unternehmen aber ein Opfer des eigenen Erfolgs geworden. Nachdem der Konzern in vielen Großstädten an fast jeder Straßenecke eine Filiale eröffnet hatte, begann die trendbewusste Kundschaft abzuwandern. Laut Mike Porter von Morningstar, einem Analystenunternehmen in Chicago, geht das Konzept von Gap im Grunde nicht auf. "Gap ist einfach zu groß, um ein modischer Trendsetter zu sein. Diejenigen, die Wert auf Mode legen, geben sich nicht mit Ware zufrieden, die wie ein Big Mac überall erhältlich ist".

Gap finanzierte seine Expansion hauptsächlich mit Bonds. Die Zinsverpflichtungen lasten nun schwer auf der Erfolgsrechnung. So hat denn auch die Rating-Agentur Standard & Poors die Anleihen von Gap auf "CreditWatch". Damit droht der Firma eine Abstufung von derzeit "BBB+". "Mit gut 40 % Fremdfinanzierung ist Gap relativ hoch verschuldet", sagen die Analysten Robert Ohmes und Vera Van Ert von Morgan Stanley. Um den Mittelzufluss in den nächsten Monaten zu verbessern, müssen bei Gap erst einmal wieder die Kassen klingen. Experten halten dies durchaus für möglich: "Wir erwarten in der zweiten Jahreshälfte einen Anstieg der Verkaufszahlen, was unter anderem auf ein stärkeres Sortiment zurückzuführen ist", meint Analyst Mark Friedman von Merrill Lynch.

Sollte es Gap gelingen, wieder den Geschmack der amerikanischen Jugendlichen zu treffen, dürfte die Aktie auch an der Wall Street Kreisen wieder in Mode kommen. Zur Zeit lautet die Empfehlung der meisten Analysten jedoch "Halten".

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