Gesellschaft legt für 2000 bestes Ergebnis seit Jahr vor – Gebührenerhöhung sorgt für Ärger
Flughafen Düsseldorf hat den Turn-around geschafft

Auf dem Flughafen Düsseldorf ist die Zeit der Provisorien weitgehend beendet. Geblieben sind Ärger mit Fluggesellschaften über Gebührenerhöhungen und Kapazitäts-Engpässe.

Handelsblatt DÜSSELDORF. Der Düsseldorfer Flughafen, mit 16 Mill. Passagieren drittgrößter deutscher Airport nach Frankfurt und München, hält die massiven wirtschaftlichen Folgen der Brandkatastrophe von 1996 für weitgehend überwunden. Vor fünf Jahren waren 17 Menschen ums Leben gekommen und große Teile des Abfertigungsgebäudes zerstört worden. Mit der Inbetriebnahme des neuen zentralen Terminals für 22 Mill. Passagiere Anfang des Monats ging die Phase der provisorischen Abfertigung weitgehend zu Ende. Noch im Juli will die Flughafen Düsseldorf GmbH das Ergebnis für 2000 präsentieren - das beste seit Jahren.

Bei einem Umsatz von knapp 600 Mill. DM habe die Flughafen-Gesellschaft trotz eines nur moderaten Wachstums von 3 % den Gewinn "in der Größenordnung von 50 Mill. DM" nahezu verdoppelt, sagte der kaufmännische Geschäftsführer Matthias C. Tümpel dem Handelsblatt. "Wir haben den Turn-around geschafft." Allerdings schiebt der Flughafen noch einen Verlust von 206 Mill. DM aus den Jahren 1996 und 1997 vor sich her.

Gleichwohl gibt sich auch die Eigentümer-Seite moderat. Reinhard Kalenda, Geschäftsführer der Hochtief Airport GmbH: "Wir liegen voll im Plan. Uns war von Anfang an klar, dass wir erst im Jahr 2004 mit Dividende rechnen können." Der zum RWE-Imperium gehörende Essener Baukonzern hatte 1998 die 50-Prozent-Beteiligung des Landes an der Flughafen-Gesellschaft gemeinsam mit dem irischen Flughafen-Betreiber Aer Rianta übernommen. Die andere Hälfte liegt bei der Stadt Düsseldorf.

Geschäftsführer Tümpel will 2001 das gute Ergebnis von 2000 wiederholen. Denn mit der Fertigstellung des 665 Mill. DM teuren Terminalgebäudes sei künftig ein "gewaltiger Zinsaufwand" zu bedienen. Hinzu kommt, dass in den vergangenen fünf Jahren rund 2 Mrd. DM investiert und ausschließlich über den Kapitalmarkt finanziert worden seien. Eine weitere Drittelmilliarde wird noch bis 2003 für den restlichen Ausbau der Terminal-Infrastruktur fällig.

Deshalb erhöhte die Flughafen-GmbH bereits im Vorjahr die Start- und Landegebühren um etwa 7 % - und handelte sich Ärger ein. Der Barig (Board of Airline Representives in Germany), Vereinigung der rund 100 in und nach Deutschland fliegenden Luftverkehrsgesellschaften, spricht von einer "unverhältnismäßig hohen Verteuerung". Er wirft dem Flughafen vor, bei seinem Milliardenprojekt eine Nummer zu groß gebaut zu haben. Barig-Geschäftsführer Martin Gaebges: "Wir brauchen keine Baudenkmäler, wir brauchen Design to Cost."

Zwölf der 80 nach Düsseldorf fliegenden Gesellschaften weigern sich, die erhöhten Gebühren zu überweisen. Der Airport verklagte daraufhin die Ferienfluggesellschaft Hapag-Lloyd und die Lufthansa. In der ersten Instanz wurde die Preussag-Tochter zur Zahlung verurteilt, das Verfahren geht aber in die zweite Runde. Die Verhandlung gegen Lufthansa ist erst im September. Das erste Urteil habe "überrascht und enttäuscht", heißt es bei der Lufthansa. Die Airlines sehen das Problem vor dem Hintergrund der Teilprivatisierung. Der Barig-Sprecher: Es liege der Verdacht nahe, "dass in Düsseldorf private Investoren überproportionale Renditen verlangen."

Flughafenchef Hans-Joachim Peters versteht den Vorwurf der Preistreiberei nicht: "Wir wollen nicht mehr als eine angemessene Verzinsung des eingesetzten Kapitals". Er vermisst die "Solidarität unter Branchenbeteiligten": Als es der Lufthansa schlecht ging, habe man sich mit dem Carrier in einem Boot gefühlt und nicht an der Gebührenschraube gedreht. Mehr Geld verdienen will der Flughafen mit dem Kürzel DUS vor allem im Vermietungs- und Verpachtungsgeschäft. Ein deutlich erweitertes Einzelhandels-, Gastronomie- und Dienstleistungsangebot rund um die neue Shopping-Meile "Airport Arkaden" soll bis zu 40 % zum Umsatz beitragen.

"Düsseldorf International" sei, so Peters, auf die Erlöse aus dem Handel stärker angewiesen als andere Airports. Denn nach wie vor habe der Flughafen keine Möglichkeit, nachfragegerecht zu wachsen. Die derzeitige Betriebsgenehmigung gestattet - nicht zuletzt aus Lärmschutzgründen - nur 38 Starts und Landungen pro Stunde. "An den fünf werktäglichen Verkehrsspitzen ist die Nachfrage deutlich höher", klagt Peters.

Bis zu 20 % mehr Bewegungen könnte "DUS" nach Peters Einschätzung verkraften, wenn die Genehmigungsbehörde mehr Flexibilität gestatte. Ein entsprechender Antrag ist gestellt, frühestens 2003 könnte sich etwas ändern. In den Sternen steht auch noch eine Verlängerung der Startbahn für Interkontinentalflüge mit vollbeladenen Großraumjets. Im nordrhein-westfälischen Landtag gibt es eine breite Koalition für das Vorhaben, doch der Airport rechnet mit einer groß angelegten Protest- und Prozesswelle - und einer Premiere nicht vor 2007.

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