Gesellschaften wiegen ihre Top-Leute in Gold auf
Star-Kult um Vermögensverwalter

Fondsanbieter glauben, ein Mittel gegen die Unlust verschreckter Anleger gefunden zu haben. Sie inszenieren ihre erfahrensten und besten Manager in der Öffentlichkeit als Markenartikel und zahlen ihnen Traumgehälter. Aber mit dieser Bindung an bestimmte Personen lassen sich die Gesellschaften auf ein riskantes Spiel ein.

FRANKFURT/M. Fondsgesellschaften kämpfen mit einer neuen Waffe um die Gelder von Anlegern: Sie personalisieren ihre Produkte, indem sie erfolgreiche Geldverwalter ans Licht der Öffentlichkeit zerren und sie zu Markenbegriffen aufbauen. Das ist jedoch nicht ungefährlich, denn Top-Kräfte können abwandern oder in ihren Leistungen nachlassen.

Dass immer öfter einzelne "Köpfe" ins Rennen geschickt und nicht mehr routinemäßig in "Teams" versteckt werden, begründen Experten mit Psychologie und Emotionen. "Man kann dem Kunden sagen: Hier ist der Mann, der sich um Ihr Geld kümmert", erklärt Rüdiger Sälzle, Geschäftsführer von FondsConsult Research, München.

Drei der profiliertesten Manager machen jetzt in Deutschland Schlagzeilen: Bill Gross von der zur Allianz gehörenden Pimco, der Fidelity-Guru Anthony Bolton und das DWS-Aushängeschild Klaus Kaldemorgen. Die schillerndste Figur der jüngsten Zeit ist Gross, der unbestrittene "Mr. Bond" in Übersee. Er managt den Total Return Fund, der mit knapp 65 Mrd. Dollar Volumen der größte Rentenfonds in den Vereinigten Staaten ist. Das Mega-Produkt wirft über 800 Mill. Dollar an jährlichen Einnahmen aus den Mangementgebühren ab (Kasten). Die gute langfristige Performance ist unumstritten. "Gross ist ein ganz außergewöhnlicher Manager", sagt beispielsweise Eric Jacobson, Analyst bei dem unabhängigen Fondsbeobachter Morningstar aus Chicago.

Die Allianz verleibte sich den Anleihe-Spezialisten Pimco im Jahr 2000 für satte 3,3 Mrd. Dollar ein. Gleichzeitig erhielt die Gesellschaft die Zuständigkeit über das gesamte Anleihemanagement von Allianz und Dresdner zugesprochen, eine ungewöhnliche Machtkonzentration aus Sicht des Käufers. Gross strich eine märchenhafte Bleibe-Prämie ein. Sein Fünfjahresvertrag sieht eine Zahlung von 200 Mill. Dollar plus regulären Gehaltes sowie weiterer Boni vor - ein ganz und gar ungewöhnlicher Deal.

Gross, der erst vor wenigen Wochen auf Deutschland-Tour war, ist finanziell unabhängig. Er kann es sich leisten, eher simpel anmutende Ziele in die Öffentlichkeit zu posaunen. "Ich will nur noch gewinnen, für immer gewinnen", sagt er. Der zur Allianz gehörende DIT profitierte von Gross? Star-Nimbus durch die Auflage eines Pendants zum Total Return Fund für deutsche Anleger. Seit dem Frühjahr sammelte er schon 1,4 Milliarden Euro ein. Der Versicherer wird sich bald die Frage nach einer möglichen Verlängerung des Vertrages mit Gross stellen müssen - und nach den Konditionen.

"Mit dem, was Stars im angelsächsischen Raum verdienen, kann leicht ein ganzes Managagementteam bezahlt werden", sagt Jens Kleine, München. Der Partner bei Mercer Management Consulting, München, ruft die Gefahren eines Guru-Kultues in Erinnerung: "Verlässt der Star die Firma, kann es passieren, dass er den von der Geselschaft teuer bezahlten Imagewert mitnimmt." Aber auch wenn sich die Performance verschlechtere, leide der Ruf des Stars und die Investmentgesellschaft gerate unter Druck.

Druck spürt Fidelity noch nicht. Der europäische Ableger der größten amerikanischen Investmentgesellschaft macht derzeit durch eine Werbekampagne auf dem Kontinent auf sich aufmerksam. In den Medien zieht ein Foto von Anthony Bolton die Aufmerksamkeit auf sich. Der Star-Manager betreut das Fidelity-Flaggschiff European Growth Fund. Boltons Anlageerfolge überzeugen die Investoren. In diesem und im vergangenen Jahr flossen netto rund 3 Mrd. Dollar an frischen Geldern in den Fonds.

Was die Anzeigen verheimlichen: Bolton wird zum Jahresende das Fondsmanagement an seinen Kollegen Graham Clapp übergeben. Paul Kafka, Executive Director in Fidelitys Londoner Europa-Zentrale, sieht darin nichts Ungewöhnliches. Der Wechsel sei bereits bekannt gegeben worden - was stimmt. Sälzle von FondsConsult aber wundert sich dennoch. "Vor einigen Monaten hat Fidelity eine große Anzeigenkampagne gefahren, um von Bolton abzulenken, weil man sich nach den starken Mittelzuflüssen nicht so stark von einem einzelnen Produkt abhängig machen wollte", merkt er an. Kai Wiecking, Analyst in der deutschen Morningstar-Dependance, meint: "Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die aktuelle Werbekampagne vom Managerwechsel ablenken soll."

Für die DWS wird Klaus Kaldemorgen immer wichtiger. Der Stratege ist seit wenigen Monaten nicht mehr nur für internationale Aktien, sondern auch für das gesamte Aktienfondsmanagement zuständig. Sein Flaggschff ist das Aktienprodukt DWS Vermögensbildungsfonds I. Dank seiner Anlageerfolge zog Kaldemorgen in diesem Jahr schon 1,8 Milliarden Euro an neuen Geldern an - ein außergewöhnliches Ergebnis.

Kaldemorgen steht dem Trend zum Personenkult durchaus zwiespältig gegenüber. "Das hat einen starken Marketingeffekt, aber man sollte die Kirche im Dorf lassen", sagt er. Den Star-Kult müsse man grundsätzlich kritisch sehen: "Manche haben diesem Druck nicht standgehalten." Er erinnert an die Fälle Peter Young oder Kurt Ochner. Young hatte vor Jahren spektakuläre Anlageerfolge innerhalb der Deutsch-Bank-Gruppe erzielt - aber nur indem er gegen die Vorschriften der Börsenaufsicht verstieß.

Kaldemorgen erklärt zwar, dass er trotz seiner zusätzlichen Aufgaben "weit gehend befreit ist von zu vielen administrativen Aufgaben". Für Joachim Meyer, Geschäftsführer der FondsConsult Holding, ist allerdings fraglich, ob die für das Portfoliomanagement eingesetzte Zeit nicht doch gesunken ist. Bei Morningstar wurde der Fonds jedenfalls im Rating um eine Note auf die zweitbeste Bewertung zurückgestuft.

Im europaweiten Vergleich dürfte der Trend zum Star-Kult um Manager in Großbritannien am weitesten fortgeschritten sein. David Turner von der Fondsresearchfirma Citywire in London registriert auf dem britischen Fondsmarkt sogar "eine ganz klare Tendenz zur Vermarktung der Besten". John Duffield, Gründer der zur Commerzbank gehörenden Jupiter Asset Management, ist ein Beispiel von vielen. Er verabschiedete sich im vergangenen Jahr und gründete seine eigene Firma New Star Asset Management, die ganz ausdrücklich mit ihren Fondsmanager-Köpfen wirbt. Bereits im ersten Jahr sammmelte er 800 Mill. Pfund von Privatkunden ein.

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