Gesellschafterversammlung berät über die Abberufung des Ufa-Geschäftsführers
Kinokette Ufa steht vorm Abgrund

Die angeschlagene Ufa steht auf der Kippe. Der Grund: Die Gesellschafter sind über einen Rettungsplan des Ufa-Chefs heillos zerstritten. Kommt es zu keiner Einigung, droht der Kinokette das Aus.

lip HAMBURG. Die Existenz der finanziell angeschlagenen Kinokette Ufa GmbH-Theater & Co. KG, Hamburg, steht auf wackligen Beinen. Auf der Gesellschafterversammlung am Mittwoch wird über einen von Ufa-Geschäftsführers Stefan Lehmann ausgearbeiteten Rettungsplan beraten. Er soll die angespannte Liquiditätslage sichern, um Deutschlands führende Kinokette vor dem drohenden Aus zu bewahren.

Doch im Kreis der Gesellschafter ist über den Finanzplan der Ufa ein heftiger Streit entbrannt. Zwar stehen die Fonds Apax Partners und Pricoa, die zusammen rund 45 % an der Kino-Betreibergesellschaft besitzen, hinter den Plänen des Ufa-Chefs. Doch der Kinoimmobilien-Vermieter Volker Riech, der indirekt ebenfalls rund 45 % an der Kinokette hält, will nicht mitziehen und den Geschäftsführer feuern. Kein Wunder. Denn der Plan des Ufa-Chefs sieht unter anderem vor, dass die Gruppe vorübergehend die Mietzahlungen für ihre rund 42 Kinos entweder komplett einstellt oder deutlich reduziert zahlt. Damit will die Gesellschaft das akute Finanzloch von mehr als 4 Mill. Euro stopfen, bis sich die Lage am derzeit schwierigen deutschen Kinomarkt wieder erholt hat. Dies geht aus firmeninternen Schreiben der Ufa-Gruppe hervor, die dem Handelsblatt vorliegen. Riech und Ufa lehnten hierzu auf Anfrage einen Kommentar ab.

Die Filmtheater-Kette mit ihren 1 000 Mitarbeitern war vor einigen Monaten ins Schlingern geraten. So weigerte sich die Münchener Hypovereinsbank, der Gesellschaft einen Betriebsmittelkredit zu gewähren, um das traditionell flaue Sommergeschäft zu überbrücken. Zudem brachen bei der Ufa durch die Insolvenz des größten deutschen Vermarkters von Kinowerbung, der RMB Deutschland, erhebliche Werbeeinnahmen weg.

Inzwischen soll der Ufa-Geschäftsführer bereits die Mietzahlungen an Riech teilweise eingestellt haben, der 15 Häuser an die Ufa vermietet hat. Er stützt sich bei seinem Vorgehen auf die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH). Danach darf die Ufa ihrem Gesellschafter die Mietzahlungen verweigern, wenn hierdurch eine akute Finanzkrise abgewendet werden kann. Ansonsten würde sich der Geschäftsführer "wegen Untreue strafbar" machen, heißt es in einem Rechtsanwaltschreiben.

Die Gesellschaft erhält hierdurch quasi ein eigenkapitalersetzendes Darlehen. Im Gegenzug gehen Riech aber selber Geldeinnahmen verloren, weshalb er bereits auf Räumung der betroffenen Ufa-Kinos klagt. "Es sind gegen einige Ufa-Häuser Räumungsklagen ergangen", bestätigte Riech gegenüber dem Handelsblatt.

Wie der Machtkampf im Gesellschafterkreis der Ufa ausgeht, ist hingegen offen. Denn das Zünglein an der Waage ist die H. J. Flebbe Filmtheater GmbH & Co, die mit 10 % an der Ufa beteiligt ist. Dahinter steht der Großaktionär der Hamburger Cinemaxx-Gruppe, Hans-Joachim Flebbe. Die Absichten des Kinomagnaten sind aber unklar. Denn der Manager hatte sich bereits vor zwei Jahren von einer strategischen Allianz mit der Ufa zurückgezogen, weil ihn das Unternehmen über die finanzielle Lage nur unzureichend aufgeklärt hatte.

Anderseits dürfte Flebbe eine Insolvenz der Ufa wenig genehm sein, da dies die Cinemaxx selbst in Bedrängnis bringt. Dem Anbieter von Multiplex-Kinos würde hierdurch womöglich ein Abschreibungsbedarf in Millionenhöhe entstehen, der das Ergebnis im laufenden Geschäftsjahr belasten dürfte.

Cinemaxx geht allerdings auf Tauchstation und hat ihre Bilanzpressekonferenz abgesagt. Sie wolle in den nächsten Tagen den Geschäftsbericht für 2001 versenden, sagte ein Sprecher. Offenbar hat der Wirtschaftsprüfer dem Kinobetreiber nur ein eingeschränktes Testat erteilt. Grund hierfür sei die unsichere Entwicklung bei der Ufa, heißt es in firmeninternen Kreisen der Cinemaxx AG.

Quelle: Handelsblatt

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