Gesellschaftspolitische Relevanz
NOK stellt Bedingungen für Fusion

Die angestrebte Fusion mit dem DSB läuft auf einen Konfrontationskurs hinaus. Das NOK will seine Vorstellungen unbedingt durchdrücken.

HB BERLIN.

In der Debatte um eine Fusion zwischendem Nationalen Olympischen Komitee (NOK) und dem Deutschen Sportbund (DSB) hat das NOK seine Vorstellungen offengelegt. Präsident Klaus Steinbach forderte unter dem möglichen neuen Dach des Sports «die alleinige Entscheidungskompetenz in allen olympischen Fragen durch die olympischen Fachverbände, das alleinige Nutzungsrecht der olympischen Symbole, die Entsendung der Olympia-Mannschaft sowie die alleinige Verwendung der durch die Olympia-Vermarktung erwirtschafteten Mittel» Unterstützung bekam Steinbach bei seiner ungewohnt klaren Positionierung durch NOK-Präsidiumsmitglied Thomas Bach. Der Leiter der juristischen Kommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) wies bei seiner Wortmeldung auf die unabdingbare Notwendigkeit einer Einheit des deutschen Sports hin. «Als die jetzige Struktur entstand, war Sport in Deutschland eine nette Freizeitbeschäftigung, mittlerweile ist es eine gesellschaftspolitische Kraft, die sich starken Partnern in Politik und Wirtschaft stellen muss», sagte der Fecht-Olympiasieger von Montreal.

Wiederholt wies Bach auf die gesellschaftspolitische Bedeutung des Sports hin, der sich demzufolge auch gesellschaftspolitisch positionieren müsse. «Die jetzige Struktur ist nicht mehr angemessen und vor allem der immens gestiegenen Bedeutung des Sports nicht mehr gewachsen», führte Bach weiter aus. Beim Thema Fusion, so Bach weiter, gehe es allerdings keineswegs um eine feindliche Übernahme, wie sie in der Wirtschaft alltäglich ist: «Es geht um die Schaffung eines neuen Dachs des Sports, und es ist die ureigene Sache des Sports, dieses Problem zu lösen.»

Mehrfach verwies der Jurist aus Tauberbischofsheim auf die Autonomie des Sports in dieser Angelegenheit und sprach sich gegen jeglichen Druck von außen aus: «Diese Diskussion kann nur im und aus dem Sport geführt werden, nicht von außen.» Vor allem DSB-Präsident Manfred von Richthofen hatte in den letzten Wochen immer wieder betont, dass man auf dem Weg zur Fusion eben wegen des Drucks von Politik und Wirtschaft nicht mehr umkehren könne.

Dieser Position widersprach mit großem Nachdruck auch NOK-Ehrenpräsident Walther Tröger, der die erste Fusionsdebatte mit Richthofens DSB im Jahr 1996 mit seinem energischen Veto beendet hatte. Ergebnisoffen, so Tröger, gehe das NOK in die anstehenden Gespräche der Strukturreform-Kommission, die am 16. November in Frankfurt/Main beginnen. «Am Ende dieser Gespräche steht vielleicht die Fusion des Sports, aber das ist nicht das zwingende Resultat», sagte der 75-Jährige. Ordentlich und mit anständigen Argumenten müssten die Gespräche geführt werden: «Dann mache ich alles mit, aber die Fusion ist für mich kein Dogma.» Ebenso wenig wieder angestrebte Zeitpunkt Anfang 2006.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%