Gesetz soll Aufsicht Ermächtigung zum Verbot geben
Kritik an Einschränkung von Aktien-Leerverkauf

Die Diskussion über Leerverkäufe von Aktien hat sich verstärkt. Der Grund: Die Bundesregierung hat den Entwurf des 4. Finanzmarktförderungsgesetzes um einen Paragrafen ergänzt, mit dem Leerverkäufe verboten werden können.

FRANKFURT/M. Danach soll die Aufsichtsbehörde ermächtigt werden, bei drohenden erheblichen Marktstörungen Leerverkäufe zu untersagen. "Dies dient der Stabilität der Finanzmärkte und des internationalen Finanzsystems", heißt es im Entwurf.

"Diese Einstellung ist grundlegend falsch", sagt Stephan Kunze von ABN Amro, der darin eine weitere "Verbiegung" des ohnehin negativen regulierten Kapitalmarktumfeldes in Deutschland sieht. Das Beispiel Japan mache deutlich, dass stark regulierte Kapitalmärkte wenig funktionsfähig seien. Man solle sich eher am positiven US-Kapitalmarktrecht orientieren. Der Boom des wenig transparenten Warrant- und Zertifikatemarktes in Deutschland sei Auswuchs des negativen regulativen Umfeldes.

Nach den Terror-Attacken vom 11. September wurde institutionellen Anlegern (vor allem Hedge Funds) vorgeworfen, die steile Kurstalfahrt durch massive Leerverkäufe verstärkt zu haben. Diese Kritik sei falsch, sagt Alexander Ineichen von UBS Warburg, der Leerverkäufe als sinnvolle Ergänzung des Kapitalmarkt-Instrumentariums sieht. "Eine Kapitalvernichtung erlebten nur jene Kapitalsammelstellen, die auf steigende Aktienkurse setzten", sagt Ineichen. Hedge Funds, die auf Hausse und - per Leerverkauf - auf Baisse spekulierten, wiesen deutlich bessere Ergebnisse auf. "Leerverkäufe sind für funktionierende Finanzmärkte wichtig. Sie erhöhen die Liquidität und die Preiseffizienz", wehrt sich auch Ineichen gegen starke Markteingriffe des Staates. Auch der Zentrale Kreditausschuss der Bankenverbände ist gegen die Regierungspläne: Das "vorgesehene Verbot von Wertpapier-Leerverkäufen als nationale Insellösung ist untauglich." Es führe zu einem Ausweichen auf ausländische Märkte.

Leerverkäufe tätigen in Deutschland bisher vor allem institutionelle Anleger. Privatinvestoren wird die Möglichkeit nur indirekt über strukturierte Produkte und Kombinations-Strategien geboten. Im Ausland sieht man darin eine Schwäche des Finanzplatzes Deutschland. "Das negative regulative Umfeld und die fehlende Infrastruktur des deutschen Finanzwesens machen es für Privatanleger praktisch unmöglich, das Instrumentarium Leerverkauf zu nutzen", kritisiert Kunze.

"Wir erkennen bei privaten Anlegern derzeit jedoch auch kein großes Interesse", sagt Wolfgang Stolz, Vorstand von UBS Warburg. Die weltgrößte Terminbörse Eurex sieht - im Gegensatz zu ihrer US-Konkurrenz - keine Notwendigkeit, Futures (standardisierten Terminkontrakte) auf einzelne Aktien einzuführen. Hiermit sind die gleichen Resultate wie mit einem Leerverkauf zu erreichen. Bekanntlich sehen US-Terminbörsen für diese Produkte ein großes Potenzial. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sowohl das regulative Umfeld in den USA für das so genannte "Short-Selling" als auch das Wissen der amerikanischen Anleger über diese Strategien besser ist als in Deutschland. Mit Aktien-Futures - in den USA als "Single Stock Futures" bezeichnet - können Anleger sowohl auf steigende als auch auf sinkende Aktienkurse setzen.

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