Gespannte Lage in Kandahar
Rumsfeld kündigt gezielte Suche nach bin Laden an

US-Bodentruppen werden nach Aussage von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld in Kürze mit der gezielten Fahndung nach dem moslemischen Extremisten Osama bin Laden beginnen, den die USA für die Anschläge in New York und Washington verantwortlich machen. Die US-Streitkräfte verstärkten am Mittwoch weiter ihren um einen Feldflugplatz südlich von Kandahar eingerichteten Brückenkopf.

Reuters KABUL/KANDAHAR. Mit dem drohenden Angriff der US-Marineinfanteristen auf Kandahar verließen zahlreiche Bewohner die letzte von den Taliban gehaltene große Stadt. Hier richteten sich Taliban- Truppen und ausländische Söldner auf einen Angriff ein. Die Teilnehmer der Bonner Afghanistan-Konferenz setzten ihre Gespräche mit Beratungen über Einzelheiten der geplanten politischen Lösung für das Land fort.

Rumsfeld sagte am Dienstagabend bei einem Besuch der Einsatzzentrale für die US-Truppen im Mittleren Osten, Central Command, in Tampa (Florida), US-Soldaten würden bald am Boden mit der systematischen Suche nach bin Laden und seinen Truppen beginnen, nicht nur aus der Luft sondern auch in Höhlen und Tunneln, sagte Rumsfeld. "Wir werden sie verfolgen, bis sie keine Fluchtmöglichkeit mehr haben." Auch hätten US-Kampfflugzeuge in der Nacht zu Mittwoch im Süden Afghanistans eine Führungszentrale der Taliban und der El-Kaida-Organisation bin Ladens bombardiert. Die Taliban erklärten am Mittwoch, ihr Anführer Mullah Mohammad Omar befinde sich in Sicherheit.

Die Lage in Kandahar zeigte sich gespannt, wie Reporter vor Ort berichteten. Viele Bewohner machten sich auf die Flucht, weil sie befürchten, dass Taliban-Führer Omar bis zum letzten Atemzug kämpfen will. Die letzte Hochburg der Taliban ist voll von Taliban-Kämpfer und ausländischen Söldnern der El Kaida. Gegen die US-Luftangriffe sind sie machtlos, da die US-Luftwaffe seit Beginn der Angriffe am 7. Oktober zunächst gezielt die Flugabwehr bekämpft hatte. Frustrierte Kämpfer schossen mit Gewehren in den Himmel, als ein schwerer Bomber vom Typ B-1 über der Stadt kreiste. "Wir haben bessere Chancen am Boden", sagte ein junger Taliban-Kämpfer. Ein anderer sagte: "Letztlich werden wir etwas haben, auf das wir schießen können." Der 22jährige fuhr fort: "Wir haben gerade in den Himmel geschaut, und wir konnten nichts tun." Die Stadt ist seit Tagen Ziel von US-Luftangriffen.

Ein Ladenbesitzer fürchtete die drohenden Kämpfe. "Wir sind unschuldige Opfer an der Front", sagte er. "Wir werden einfach geopfert." Andere sorgten sich, dass die Amerikaner nicht zwischen Taliban und Zivilisten überscheiden könnten. Andere befürchteten, dass aufgebende Taliban einfach ihren schwarzen Turban wegwerfen und sich unter die Zivilbevölkerung mischen könnten. Und wie zur Bestätigung sagte ein 17-jähriger Taliban seine Kalaschnikow schwingend: "Gut, ich werde dann nach Hause gehen, meine Waffen verstecken und ein Mensch wie alle anderen werden."

Auch am Mittwoch hielten noch Taliban-Einheiten mit Spin Boldak einen wichtigen Ort an der Grenze zu Pakistan. Ein Taliban-Sprecher sagte auf pakistanischer Seite, es gebe keinen Befehl zum Rückzug. Frontkommandeure von Taliban-Gengnern erklärten, man könne die Ortschaft binnen Stunden einnehmen. Man warte aber auf das Ergebnis der Kapitulationsverhandlungen. Offenbar streiten verschiede Stammesführer darum, wer die Ortschaft am Handelsweg zwischen der pakistanischen Stadt Quetta und Kandahar einnehmen darf.

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