Gespannte Situation
Schwere Unruhen in Elfenbeinküste

Nach der Entdeckung eines ermordeten Oppositionsanhängers in der Regierungsstadt der Elfenbeinküste, Abidjan, haben sich wütende Demonstranten dort am Sonntag heftige Kämpfe mit der Polizei geliefert. Aufgebrachte Regierungsgegner warfen Steine und errichteten brennende Straßenblockaden. Die Polizei antwortete mit Tränengas und Schüssen in die Luft.

HB/dpa NAIROBI/ABIDJAN. Rund 100 000 Regierungsanhänger hatten am Tag zuvor an der größten antifranzösischen Demonstration seit Verabschiedung des umstrittenen Friedensplans vor einer Woche in Paris teilgenommen. Eine Delegation westafrikanischer Staatschefs scheiterte mit ihrem Rettungsversuch für das jüngste Friedensabkommen für das Konfliktland.

Die Situation in und um Abidjan sei so angespannt wie noch nie, sagte eine Augenzeugin. Der Tod des im Stadtteil Adjame aufgefundenen Anhängers der Oppositionspartei "Versammlung der Republikaner" (RDR) habe erstmals seit Beginn der Krise vor vier Monaten die Regierungsgegner auf die Straßen der Metropole gebracht. Sie machten Sicherheitskräfte der Regierung für den Mord verantwortlich. Die meisten der aufgebrachten Jugendlichen stammten vom Volk der Dioula aus dem moslemischen Norden des Landes. Die Polizei berichtete von zahlreichen Festnahmen.

Ergebnislos hatten sechs Vermittler der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (Ecowas) am Samstag das Krisenland nach Gesprächen mit Präsident Laurent Gbagbo verlassen. Die afrikanischen Staatschefs versuchten den umstrittenen Präsidenten vergeblich davon zu überzeugen, das Friedensabkommen einzuhalten. Die darin vorgesehene Regierungsbeteiligung der Rebellen hat tagelange wütende Proteste von Gbagbos Anhängern ausgelöst. Die Armee sowie mehrere Kabinettsmitglieder lehnten den Vertrag ab.

Er sieht vor, dass der ehemalige Ministerpräsident Seydou Diarra abermals Regierungschef wird. Der Politiker, der wie die meisten Rebellen aus dem moslemischen Norden des Landes stammt, musste seine bereits für Freitag geplante Rückkehr nach Abidjan verschieben. Tausende Gegner hatten den Flughafen umstellt und dort auch abreisende französische Staatsbürger bedrängt.

"Wir wollen keine Rebellen in unserer Regierung. Das wäre, als würden wir Banditen unser Haus überlassen", erklärte ein Studentenführer im staatlichen Fernsehen. Mit Nationalflaggen und antifranzösischen Gesängen waren mehr als 100 000 Demonstranten am Samstag durch Abidjan gezogen. Sie trugen nach Augenzeugenberichten einen weißen Sarg durch die Stadt, auf den der Name des französischen Präsidenten geschrieben stand.

Rund 16 000 Franzosen leben in Abidjan. Das Außenministerium in Paris hatte am Freitag allen französischen Bürgern, die nicht unbedingt dort bleiben müssen, zur Ausreise geraten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%