Gespanntes Warten auf das TV-Duell
Stoiber macht gegenüber Schröder Punkte gut

In den Umfragen hat Schwarz-Gelb weiterhin eine Mehrheit. Nun kann aber auch der Kanzlerkandidat der Union, Edmund Stoiber, seinen persönlichen Abstand zum Amtsinhaber Gerhard Schröder deutlich verringern. Trotzdem sind die Wahlforscher überzeugt: Die Wahl ist noch lange nicht gelaufen, die SPD hat durchaus noch Chancen.

bag BERLIN. "90 Sekunden - da hat doch Stoiber gerade erst dreimal ääh gesagt", sagt ein Journalist in der 3. Reihe bissig. Er meint das Drehbuch für das TV-Duell von Kanzler Gerhard Schröder (SPD) und Kandidat Edmund Stoiber (CSU) am 8. September, das die Chefredakteure von ARD und ZDF, Hartmann von der Tann und Nikolaus Brender, am Mittwoch in Berlin den Journalisten erläutern.

Jeder Kandidat bekommt anderthalb Minuten, um auf die Fragen von Sabine Christiansen (ARD) und Maybrit Illner (ZDF) zu antworten, der Gegner ebenso lange für die Replik - haben die sitzenden Damen Nachfragen an die stehenden Herren, bekommt jeder nochmal 60 Sekunden. Die öffentlich-rechtlichen Sender haben die Polit-Duellanten jedoch erst als zweite vor der Kamera, die Premiere findet am 25. August bei den Privaten RTL und Sat 1 statt, im gleichen Berliner Studio. Zum Ausgleich hoffen ARD und ZDF auf größeres Interesse "kurz vor dem Finale", so Christiansen. Die "journalistische Sendung" mit "Eventcharakter" soll laut Hartmann mindestens zehn Millionen Zuschauer vor die Bildschirme locken - etwa so viele, wie ein Sender allein bei einem "guten Fußballspiel" oder einem "Tatort" erreicht.

Das Spektakel rund um die historisch bislang in Deutschland einmaligen Duelle soll der "Speck" sein, um auch "Mäuse - also politisch weniger interessierte Bürger - anzulocken an die Info", so Hartmann. "Wahlentscheidend" werde das Duell aber nicht sein, gibt sich Brender bescheiden. Wenn jedoch einer der beiden Kontrahenten einen "dicken Fehler macht, wird ihm das natürlich schaden".

Die TV-Duelle werden den Wahlkampf für 75 Minuten ganz auf den Vergleich von Mann zu Mann reduzieren, und damit auf das Feld, auf dem Stoiber bislang weit hinter dem Amtsinhaber liegt. In der jüngsten Forsa-Umfrage holt er allerdings kräftig auf, der Abstand schrumpft von 13 auf sieben Prozentpunkte. Schröder ist um vier Punkte zurückgefallen und fährt mit 38 Prozent den schlechtesten Wert seit Jahresbeginn ein.

Unverändert sind die Daten bei der Sonntagsfrage: 42 Prozent für die Union und neun Prozent für die FDP, so dass Schwarz-Gelb weiter eine Mehrheit von 51 Prozent hat. Die SPD kommt erneut auf 35 Prozent , Grüne und PDS auf sechs und fünf Prozent.

Trotzdem: Die Wahl ist noch lange nicht gelaufen - darüber waren sich zumindest die Geschäftsführer von Infratest/dimap, Forschungsgruppe Wahlen und Forsa bei einer Veranstaltung in Frankfurt einig. Hauptgrund dafür sei, dass eben die Umfragenwerte der Parteien nicht zu denen der beiden Spitzen-Politiker passten.

Die SPD könne durchaus noch hoffen, so die Wahlforscher, denn der Opposition werde, anders als vor vier Jahren, nicht eindeutig zugetraut, eine besserer Politik zu machen. Alles hänge nun davon ab, ob die SPD noch ihre Wähler mobilisieren könne - unter den 25 bis 30 Prozent Unentschlossenen seien die SPD-Wähler von 1998 jedenfalls in der Mehrheit, sagte Manfred Güllner von Forsa.

Thomas Roth von der Forschungsgruppe Wahlen wies darauf hin, dass der Abstand zwischen Union und SPD bei der Sonntagfrage zwar groß sei, bei der Frage nach der Rangordnung betrage er aber nur vier Prozent und bei der Identifizierung mit den Parteien lediglich ein Prozent.

Für den Fall, dass Kanzler Schröder aber doch aus dem Kanzleramt ausziehen muss, hat ihm der Unternehmensberater Roland Berger bereits eine Zusammenarbeit angeboten. Als sein Partner "hätte er sicher national und international große Erfolge", sagte er dem "Stern". Zugleich ging Berger mit beiden Kandidaten hart ins Gericht: sowohl Stoiber als auch Schröder seien "nicht offen und zu zaghaft". Offenbar erfordere es das politische System, vor der Wahl schmerzhafte Reformen zu verschweigen, und die Bürger nach der Wahl dann zu betrügen.

Quelle: Handelsblatt

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