Gespräch mit Berthold Leibinger
Familienfremde Gesellschafter sind kein Nachteil

Das personengeführte Unternehmen ist eine optimale Unternehmensform. Allerdings müssen auch die Erben Führung und Erhalt des Unternehmens als Lebensaufgabe betrachten.

DITZINGEN. Mittelständische Unternehmen sollten ab einer bestimmten Größenordnung einen von außen besetzten Beirat oder Verwaltungsrat haben, "der sich in seinen Vollmachten am Aktiengesetz orientiert". Davon ist Berthold Leibinger überzeugt. Er selbst hat bereits 1978, als er Geschäftsführender Gesellschafter der Trumpf GmbH + Co. KG, Ditzingen, wurde, einen Verwaltungsrat berufen. Damals lag der Umsatz des Maschinenbauers unter 100 Mill. DM; heute sind es 1,2 Mrd. Euro.

"Es ist einfach gut, wenn man gezwungen wird, sich gegenüber einem solchen Gremium darzustellen", sagt Leibinger im Gespräch mit dem Handelsblatt. "Man ordnet die Gedanken, macht sich die Dinge klar, wenn man sie vorzutragen oder schriftlich zu begründen hat."

Dies ändere nichts daran, dass der Unternehmer "die treibende Kraft und die entscheidende Figur sein muss". Aber nicht als ein allmächtiger Herr im Haus, der keinen Widerspruch duldet.

Leibinger hält es auch für durchaus sinnvoll, familienfremde Gesellschafter aufzunehmen. An Trumpf ist neben seiner Familie, die 88,6 % der Anteile hält, die BWK-Maschinenbau-Beteiligungsgesellschaft mbH mit 11,4 % beteiligt. Die Beteiligung sei Anfang der 90er-Jahre zu Stande gekommen, als sich der gesamte deutsche Maschinenbau - und mit ihm Trumpf - in einer tiefen Krise befand. Zwischenzeitlich wäre man durchaus in der Lage gewesen, die Anteile wieder zu übernehmen, hebt Leibinger hervor.

Jeder Unternehmer sollten sich einem Mitgesellschafter stellen

Der Trumpf-Chef hat dies nicht getan: "Weil ich es für unsere Unternehmensart und-größe für richtig halte, einen Mitgesellschafter zu haben, dem sich eine Familie stellen muss. Dem sie begründen muss, warum sie etwas tut oder nicht tut." Aber es kommt etwas hinzu: BWK-Chef Norbert Loos hält, so zitiert ihn Leibinger, "das personengeführte Unternehmen für die optimale Unternehmensform". Deren Nachteil, den fehlenden Zugang zum Kapitalmarkt, könne die BWK durch das Einbringen von Beteiligungen ausgleichen.

Dass sie hierfür "eine deutliche Verzinsung" verlange, sei richtig. Denn diese Verzinsung mache dem Unternehmer bewusst, dass - was mancher Mittelständler vergesse - "das eingesetzte Kapital gut verzinst werden muss". Außerdem stelle die BWK in zyklischen Abschwungphasen gegebenenfalls Kapital zur Verfügung und gleiche so die Eigenkapitalschwäche aus.

Doch so schwierig Finanzierungsfragen auch sind: Die größten Probleme der Familienunternehmen liegen nach Leibingers Meinung in der Familie selbst: "Wenn es nicht gelingt, innerhalb einer Familie die Strukturen so zu legen, dass die Erben die Philosophie und die Ethik des Unternehmens akzeptieren und dessen Führung und Erhalt als Lebensaufgabe betrachten, dann ist das Familienunternehmen als solches gefährdet."

Um diese Gefahr bei Trumpf zu bannen, wurde ein "Familienkodex" verfasst. Dieser beschreibt unter anderem, was die Familie mit dem Unternehmen erreichen will, welche Anliegen sie für die Mitarbeiter hat und auch, welche Position sie für Trumpf in der Gesellschaft sieht. Außerdem regelt der Kodex die Weitergabe von Firmenanteilen. An dem Papier haben alle Kinder und deren Ehegatten mitgearbeitet und "wir haben gemeinsam unterschrieben", betont Leibinger.

Ein Familienkodex soll die Unabhängigkeit sichern

Nicht zuletzt soll der Kodex die Unabhängigkeit des Unternehmens sichern, die dem Geschäftsführenden Gesellschafter sehr am Herzen liegt. In absehbarer Zeit wird Leibinger, der im November das 72. Lebensjahr vollendet, die Geschäftsführung an die nächste Generation weitergeben. Vorarbeiten sind erfolgt: Vor zwei Jahren wurde eine Management-Holding geschaffen, als Lenkungsgremium für die vier Geschäftsbereiche Laser für die Metallbearbeitung; Werkzeugmaschinen für die Blechbearbeitung; Elektronik/Medizintechnik und Elektrowerkzeuge.

In deren Geschäftsleitung sind neben Berthold Leibinger auch sein Sohn Peter, sein Schwiegersohn Mathias Kammüller - beide sind wie der Senior Ingenieure. Der Vierte im Bunde ist ein Familienfremder, der Ökonom Harald Völker. Eine der beiden Leibinger-Töchter, die Architektin Regine Leibinger, vertritt die Familie gemeinsam mit der Mutter Doris im Verwaltungsrat, der nun im mittlerweile mitbestimmten Aufsichtsrat die Anteilseignerbank bildet. Ihm gehören noch vier externe Mitglieder an. Die zweite Leibinger-Tochter, Nicola Leibinger-Kammüller, führt die Berthold die sich Kultur, Kirche, Sozialem und vor allem der Wissenschaft widmet.

In der dadurch geschaffenen neuen Struktur sieht Leibinger die Möglichkeit, auch von der Führungskapazität her weiteres Wachstum zu verkraften. Grenzen des Wachstums fürchtet er für Trumpf vorerst nicht. Der besondere Charakter eines Familienunternehmens schwinde aber, "wenn man 3 bis 4 Mrd. Euro überschreitet. Dann wird man ein Großunternehmen mit anderen Gegebenheiten." Bis dahin sei es aber möglich, den Vorteil des Familienunternehmens zu erhalten, der "ganz wesentlich darin liegt, dass die prägende Kraft weniger Menschen sichtbar ist, die dem Unternehmen mit Haut und Haaren verbunden sind".

Quelle. Handelsblatt

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