Gespräch mit dem Londoner Top-Banker über seine neue Gesellschaft Terra Firma
Guy Hands muss noch auf den Erfolg warten

Von den geplanten 3 Mrd. Euro für seinen neuen Fonds Terra Firma hat er nicht einmal die Hälfte zusammen. Die Zeit drängt, und die Zukunft sieht nicht eben rosig aus.

FRANKFURT/M. Dass ein guter Name allein noch keinen Erfolg garantiert, merkt auch Guy Hands in diesen Tagen. Zwar gilt der Londoner Banker in der Beteiligungsbranche als Mann mit dem goldenen Händchen, weil er mit seinen Zu- und Verkäufen seinem Ex-Arbeitgeber Nomura im Schnitt Renditen von fast 60 % einbrachte. Doch in seiner neuen Funktion als selbstständiger Geschäftsführer des Wagnisfinanzierers Terra Firma Capital Partners muss selbst ein Guy Hands Schwierigkeiten einräumen - und das, obwohl er zu den bekanntesten Gesichtern der Londoner City gehört.

3 Mrd. Euro will Hands bei institutionellen Investoren einsammeln, doch "derzeit liegen uns nur Zusagen über 1,2 Mrd. Euro vor". Gegenüber früheren Plänen sei man "vier bis sechs Monate in Verzug", räumt Hands gegenüber dem Handelsblatt ein. Er hofft, dass er bis Juni 2003 das Geld zusammen hat.

Hands Sprung in die Selbständigkeit kommt zu einer schlechten Zeit, nicht nur, weil er im September 2001 zu sammeln anfing. Das Umfeld ist hart: Investoren, die Geld verloren haben, wollen diese Erfahrung nicht wiederholen. Sie setzen deshalb im Beteiligungs-Geschäft auf etablierte Namen, die sie schon kennen. Dazu gehören etwa Firmen wie Doughty Hanson oder BC Partners. Trotz eines Mannes wie Guy Hands an der Spitze bleibt Terra Firma ein Neuling: "Bei anderen Firmen steht eher ein Team im Vordergrund, hier ist es vor allem ein Name", sagt ein skeptischer Kenner der Szene. Und die Beteiligungs-Gesellschaften müssen umdenken, der Renditekampf verschärft sich. Einer Studie der Gesellschaft Alt. Assets zufolge haben 70 % aller Buyout-Firmen härteren Wettbewerb festgestellt. Kein Wunder also, dass viele ihre Renditevorstellungen drastisch nach unten korrigieren. Auch der Ausstieg aus den Beteiligungen wird für die Gesellschaften schwieriger. Das "Centre for Management Buy-Out Research" ermittelte kürzlich, dass die Zahl der gescheiterten "Exits" seit Jahren stetig zunimmt.

Hands ficht solcher Pessimismus nicht an. Er sieht sich weiterhin auf gutem Wege, die drei Mrd. Euro zu erreichen. Hands und seine Mitarbeiter haben als Zeichen ihres Optimismus rund 100 Mill. Euro eigenes Geld in den Fonds gesteckt. Zusammen mit Fremdfinanzierungsanteilen könnte Terra Firma somit am Ende ein Transaktionsvolumen von knapp 10 Mrd. Euro bewegen. Ungefähr die Hälfte davon, verspricht Hands, wird er in Deutschland investieren. Hier stehen für ihn Immobilien, Flughäfen, Teile der Bahn und die 970 Stadtwerke im Fokus. Für solche Deals gibt es nach seiner Ansicht kaum Konkurrenz am Markt: "Wir nehmen uns nur die schweren Brocken vor". Das sind Unternehmen mit einem hohen Cash-flow, die nicht effizient gemanagt werden. Bei der Übernahme von 64 000 Eisenbahnerwohnungen habe er zudem unter Beweis gestellt, dass er soziale Fragen ernst nehme. "Das ist unsere Eintrittskarte für die nächsten Privatisierungen in Deutschland", meint Hands. Dass er dafür auch eine Art "deutsches Premium" in die Preiskalkulation einbezieht, sagt er ganz offen.

Welche Transaktionen er in den nächsten Monaten in Betracht zieht, sagt Hands nicht. Branchenbeobachter gehen aber davon aus, dass sich Terra Firma außer an Stadtwerken und kommunalen Wohnungsbeständen auch an der Auktion von Viterra beteiligen wird, der Immobilientochter des Versorgers Eon. Jedoch wird hier ein hartes Bietergefecht erwartet, da auch andere Finanzinvestoren ihr Interesse signalisiert haben, darunter etwa BC Partners.

Zur Frankfurter Beteiligungsgesellschaft WCM, deren Chef Roland Flach sich künftig selbst als Übernahmekandidat bezeichnete, sagte Hands: "Wir schauen uns die Firma nicht an." Einige Immobilien aus dem Portfolio könnten zwar interessant werden, aber "derzeit nicht". In den kommenden zwölf Monaten seien lediglich ein bis zwei Abschlüsse zu erwarten, wobei das Renditeziel für den Fonds bei rund 30 % liegt. Die Untergrenze für die Eigenkapitalbeteiligungen bei den Investitionen sehe Terra Firma pro Deal bei 300 bis 400 Mill. Euro, unter Berücksichtigung der Fremdfinanzierungsanteile entspreche dies einem Unternehmenswert von rund 1 Mrd. Euro.

Wie Terra Firma sich auch entwickelt: Für Hands persönlich ist die Firma ein Erfolg, er erlebt eine "emotionale Wiederbelebung". Der Weggang von Nomura habe ihn und sein 70-köpfiges Team "hungrig gemacht".

Quelle: Handelsblatt

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