Gespräch mit DIT-Stratege Markus Rieß
Fondsmanager erwartet weiteres schwieriges Jahr

Der Investmentbranche steht nach Einschätzung des Sprechers der Geschäftsführung des DIT Deutscher Investment-Trust, Markus Rieß, erneut ein schwieriges Jahr bevor. Gleichwohl geht der Anlagestratege auf Grund einer erwarteten Erholung an den Aktienmärkten für 2003 von einem Anstieg der Nettozuflüsse für dit-Publikumsfonds aus. Von einem möglichen Irak-Krieg erwartet Rieß keine tiefgreifenden Erschütterungen an den Aktienmärkten.

Reuters HAMBURG. "Die Investmentbranche in Deutschland steht erneut vor einem nicht einfachen Jahr", sagte Rieß in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. Rieß bildet seit Kurzem zusammen mit Johann Goldbrunner die Doppelspitze der Allianz-Dresdner Asset Management (Adam) Deutschland, die aus der Fusion der Vermögensverwaltungssparten des Münchener Versicherungskonzerns mit der Dresdner Bank entstanden ist. Mit einem verwalteten Fondsvolumen von 44 Milliarden Euro bei den Publikumfonds nimmt der DIT hinter der Deutsche-Bank-Tochter DWS, Deka und Union Investment Rang vier unter den deutschen Fondsgesellschaften ein.

Rieß: Rekorde der Vergangenheit sobald nicht wieder in Sicht

Rieß wies darauf hin, dass die Branche trotz schlechter Verfassung der Kapitalmärkte im auslaufenden Jahr Mittelzuflüsse von fast 20 Milliarden Euro verzeichnen werde. Das zeige, dass die Menschen hohes Interesse an einer Anlage in Fonds hätten. Er rechne damit, dass derzeit noch in Geldmarktfonds geparkte Gelder bald wieder in Aktienfonds flößen. Dies werde allerdings bei weitem nicht in dem Ausmaß wie Ende der 80er Jahre geschehen, als der Fondsbranche Mittel in doppelter Höhe zuflossen. "Die Rekordwerte der Vergangenheit werden wir wohl so bald nicht wieder sehen", sagte Rieß. Er sei aber zuversichtlich, dass Adam 2003 deutlich höhere Netto-Mittelzuflüsse als 2002 verbuchen werde.

Rieß zeigte sich vorsichtig optimistisch, dass die Aktienkurse im nächsten Jahr steigen werden. "Wir werden in eine Bandbreite von fünf bis sieben Prozent Plus zurückkehren." Damit äußerte sich Rieß etwas zurückhaltender als Klaus Kaldemorgen von der Deutschen-Bank-Tochter DWS. Kaldemorgen hatte in einem Reuters-Interview gesagt, er rechne 2003 im Durchschnitt an den Aktienmärkten mit Kurszuwächsen von zehn bis 15 Prozent. Wie Kaldemorgen sieht auch Rieß Risiken, dass sich ein möglicher Irak-Krieg negativ auf die Märkte auswirken könnte. "Das ist ein politischer Belastungsfaktor, den man nicht unterschätzen darf. Wie er sich auswirkt, hängt vom Verlauf eines möglichen Krieges ab", sagte der DIT-Manager. Ein Krieg müsse aber nicht zwingend negativ für die Kapitalmärkte sein, fügte er hinzu. Die Irak-Krise sei ohnehin bereits seit langem zu einem guten Teil in den Kursen berücksichtigt.

Weitere Zinssenkung der EZB erwartet

Von der Europäischen Zentralbank (EZB) erwartet Rieß, dass die Notenbank Mitte nächsten Jahres die Leitzinsen ein weiteres Mal senkt. Die EZB hatte den Schlüsselzins Anfang Dezember um einen halben Prozentpunkt auf 2,75 Prozent gesenkt, um das Vertrauen in die Wirtschaft zu stärken. "Wir sehen kein Inflationsrisiko, dem entsprechend sehen wir auch durchaus Spielraum für die EZB, die Leitzinsen im nächsten Jahr etwas zu senken", sagte Rieß. Das würde der Konjunktur helfen, sagte der Marktexperte.

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