Gespräch mit Georg von Waldenfels
Tennis-Hochburg Deutschland wackelt

Die Grundpfeiler der Tennis-Hochburg Deutschland wackeln und wanken - die Uhr zeigt fünf vor zwölf. Der Präsident des Deutschen Tennis Bundes ist besorgt um Deutschlands internationale Tennis-Tourniere.

dpa PARIS. "Die Lage ist sicher sehr ernst. Es steht Spitz auf Knopf im deutschen Tennis, vor allem, was die beiden großen Turniere in Hamburg und Berlin angeht", warnte Georg von Waldenfels, der Präsident des Deutschen Tennis Bundes (DTB), am Mittwoch in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) am Rande der French Open in Paris.

Turniere aufgeben

"Wir können keine Schulden mehr machen und auch nicht alles Geld in die zwei Turniere stecken. Ich möchte vor allem alles vermeiden, was Insolvenz heißt. Dann sind die Turniere weg - und sie kommen nicht mehr wieder", weiß Waldenfels. "Wenn sich die Dinge nicht grundlegend ändern, werden wir die Turniere aufgeben müssen", sagt der Präsident. Und er erwartet Signale - von der Spielervereinigung ATP, vom Hamburger Senat und der Wirtschaft der Hansestadt, von den Sponsoren, den Medien. "Wenn ich bis Ende Juli nicht weiß, was los ist, dann kann ich nur noch sagen: Das war's."

Das Herren-Turnier am Hamburger Rothenbaum steht ohne Hauptsponsor da, und "ich überlege auch, ob wir das Damenturnier in Hamburg verkaufen", verrät von Waldenfels. Aber: "Wir vom DTB wollen alles tun, damit Hamburg Tennis-Spitzenstandort bleibt." Und das Produkt Tennis endlich wieder ins kleine Schaufenster kommt: "Wenigstens im 3. Fernsehprogramm wollen wir zu sehen sein."

Rettungsanker Wirtschaft

Den Rettungsanker soll die Hamburger Wirtschaft werfen. "Das müssen die Hamburger hinkriegen! Dort gibt es doch Firmen, denen tut das nicht weh. Da ist doch Geld. Und dazu kommt die Olympia-Bewerbung für 2012", erklärt der DTB-Boss, und "eigentlich geht es doch nur um lächerliche Beträge." Doch die sind immerhin siebenstellig. "Rund drei Millionen Dollar mit Nebenkosten, diese Summe brauche ich in etwa für 2003", meint von Waldenfels, der auch die Landesverbände "einbinden", in die Pflicht nehmen will.

"Wir müssen die zwei Top-Turniere behalten", fordert von Waldenfels, das Herren-Masters in Hamburg und die German Open der Damen in Berlin. Die Spieler hätten den Ernst der Lage überhaupt noch nicht begriffen. "Die merken gar nicht, dass wir alle in einem Boot sitzen, eine Gemeinschaft sind. Jeder geht doch seinen eigenen Weg, hat seine eigene Agentur, seinen Manager." Doch diese Sicherheit sei trügerisch, betont der Präsident: "Wenn Hamburg wegfällt, dann erwischt es auch Rom, dann geht auch Monte Carlo den Bach runter."

Hoffnungsschimmer

Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos. "Es gibt noch einen Tennismarkt in Deutschland, es gibt Interessenten, wir führen Gespräche - es geht eigentlich nur ums Geld", erklärt der DTB-Chef, der in Paris auch mit Thomas Haas sprechen wollte. Doch als von Waldenfels im Stade Roland Garros ankam, war der einstige Daviscup- Rebell schon längst ausgeschieden.

Das Reizthema Daviscup ist angesichts der existenziellen Sorgen des 100 Jahre alten DTB ohnehin in den Hintergrund gerückt. Von Waldenfels winkt ab: "Das Team stellt der Stich auf. Und unter diesen Bedingungen wird gespielt oder nicht gespielt." Punktum.

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