Gespräch mit Markus Kerber, Finanzvorstand der GFT Technologies AG: „Mobile Banking wird etwas für Besserverdienende“

Gespräch mit Markus Kerber, Finanzvorstand der GFT Technologies AG
„Mobile Banking wird etwas für Besserverdienende“

Mobile Banking - das Schlagwort ist in der Finanzwelt in aller Munde. Es werde die Finanzwelt revolutionieren, heißt es. Und glaubt man den überzeugten Mobile-Jüngern, wird schon in den nächsten Jahren niemand mehr in die Bank gehen, um eine Überweisung zu tätigen, Wertpapiere zu kaufen oder einen Kredit aufzunehmen. Markus Kerber, Finanzvorstand des IT-Dienstleisters GFT Technologies AG, sieht das jedoch deutlich zurückhaltender. Im Gespräch mit Handelsblatt.com tritt er auf die Euphoriebremse.

FRANKFURT. Markus Kerber ist das Paradebeispiel für Kunden, die ihre Bankgeschäfte von unterwegs erledigen wollen. Nicht um trendy zu sein. Sondern weil es häufig eine Notwendigkeit für ihn ist, wenn er gerade wieder irgendwo zwischen London, New York, Zürich und Frankfurt hin und her jettet. Da muss der Finanzvorstand des am Neuen Markt notierten IT-Dienstleisters GFT Technologies AG auch schon einmal kurzfristig wissen, wie es auf den Devisenkonten des Unternehmens aussieht, ob der Scheck in England rechtzeitig den Adressaten erreicht hat oder welche Möglichkeiten er hat, kurzfristige Ausgaben zu finanzieren.

Bis zum attraktiven M-Banking ist es noch ein weiter Weg

Und er muss reagieren können. "Ich muss dann per Wap oder E-Mail, mit meinem Palm oder auch mit einem Telefonanruf nicht nur eine einfache Transaktion ausführen, sondern auch individuelle Probleme lösen können." Dazu zählt der GFT-Vorstand zum Beispiel den kurzfristigen Austausch von Dokumenten auf jedem nur erdenklichen Weg. "Und das geht in der Regel nur, wenn ich direkt bei meinem Firmenkundenbetreuer oder zumindest einem begrenzten, eingeweihten Personenkreis lande, der mich und meine Bankgeschäfte kennt." Kurz gesagt: Der Erfolg des M-Banking ist entscheidend davon abhängig, das es personalisierbar wird; auch sehr individuelle Problemlösungen müssen schnell und ortsunabhängig realisierbar sein.

Die Realität ist jedenfalls noch weit von Kerbers Vorstellung von qualitativ hochwertigem Mobile Banking entfernt, wie er selbst feststellt. Die Branche befinde sich noch in der Trial-and-Error-Phase und werde noch viele Millionen versenken, bevor sie wirklich wisse, was der Kunde im Detail erwarte. Das Schlagwort Mobile Banking wecke zudem heute Erwartungen, die die Banken aufgrund ihrer internen Aufstellung nicht erfüllen könnten. "Den heutigen Call-Centern fehlt zum Beispiel fast immer die notwendige Knowledge-Management-Unterfütterung, das heißt die Mitarbeiter kennen weder den Kunden noch verstehen sie seine Probleme", sagt der Manager. Unzufriedenheit bei den Kunden sei die Folge. Zwar seien die Banken mit dem Multi-Channel-Ansatz strategisch auf dem richtigen Weg. "Aber entscheidend ist, das Back-End richtig in diesen Ansatz zu integrieren." Davon sei man aber noch Jahre entfernt.

Mobile Banking erfordert anderes Kosten-Denken beim Kunden

Doch Kerber sieht neben der Back-End-Integration eine weitere Voraussetzung, damit M-Banking sich durchsetzen und funktionieren kann: Ein Umdenken auch auf der Seite des Kunden. "Genauso wie jemand bereit ist, für ein Business-Ticket im Flugzeug wegen des damit verbundenen besseren Service deutlich mehr zu zahlen als für einen Platz in der Economy-Class, müssen Bankkunden bereit sein, für die aufwändigen M-Banking-Dienstleistungen entsprechend zu zahlen. Da kostet die Transaktion eben nicht mehr 25 Pfennig, sondern 5 oder 10 DM." Folgerichtig glaubt der GFT-Manager, dass M-Banking sich in absehbarer Zukunft nicht als Applikation für die breite Masse der Bevölkerung etablieren wird. "Es wird etwas für die Besserverdienenden, die bereit sind, auch 1 000 oder 2 000 DM Kontoführungsgebühren pro Jahr zu zahlen", glaubt er. Das Kundenpotenzial schätzt er auf 15 bis 20 Millionen europaweit. "Die Bäume wachsen auch im M-Banking nicht in den Himmel."

Attraktives M-Banking zeichnet sich Kerbers Ansicht nach aber auch dadurch aus, dass es ansprechend präsentiert wird. Die Wap-Technologie könne das heute noch nicht leisten. Besserung von dieser Seite verspreche erst der UMTS-Standard. Mindestens noch bis zur Cebit 2002, glaubt Kerber, wird es dauern, bis UMTS-Endgeräte vorgestellt werden, mit denen M-Banking, wie er es versteht, Realität werden kann. Er sagt aber auch: "Ob die Services dann in der Breite so weit sind, ist wieder eine andere Frage."

Auf Dauer sieht Kerber die Etablierten der Branche vorn

Ein passendes Angebot traut er bis dahin höchstens den ganz großen Privatbanken der Branche zu. "Die stehen zwar auch noch am Anfang, wissen aber grundsätzlich wo sie hin wollen und hin müssen. Sie werden ihre Entwicklungsabteilungen ausgliedern und von denen dann sehr schnell Lösungen erarbeiten lassen." Das Modell Deutsche Bank / Emagine lässt grüßen. Schwarz sieht er dagegen noch für die Volks- und Raiffeisenbanken und die Sparkassen. "Da wird noch zu wenig an einem Strang gezogen, das Kompetenzgerangel ist zu groß."

Auch wenn derzeit immer mehr Non-Banks mit eigenen Angeboten in die Finanz-Szene einbrechen und damit für Schlagzeilen sorgen, sieht er auf Dauer die Etablierten der Branche vorn. "Die notwendigen Investitionen für ein umfassendes Mobile-Banking-Angebot können nur wirklich große Banken aufbringen, weil die Risiken nur durch entsprechende Bilanzen und Finanzkraft abgedeckt werden können."

Marc Renner  Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Marc Renner
Handelsblatt / Chef vom Dienst
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