Gespräch mit Thorsten Grenz
Mobilcom-Chef Grenz: Entschuldung bleibt wichtig

Das Mobilfunkunternehmen Mobilcom hat seine Lizenz für den neuen Mobilfunk-Standard UMTS und die Investitionen in ein neues Mobilfunknetz vollständig abgeschrieben.

HB/dpa BÜDELSDORF. Das führt im dritten Quartal dieses Jahres zu einem Verlust vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 2,9 Milliarden Euro, teilte Mobilcom am Donnerstag in Büdelsdorf mit. "Wir glauben nicht, diesen Wert wieder zu bekommen", sagte Mobilcom-Chef Thorsten Grenz. Damit seien alle Risiken aus dem Bereich UMTS bilanziell verarbeitet. Die neue Mobilcom gehe ohne Lasten an den Start und könne bereits im ersten Halbjahr 2003 wieder schwarze Zahlen schreiben.

Mobilcom hat für das UMTS-Engagement 9,9 Milliarden Euro abgeschrieben und Ansprüche gegen France Télécom von 7,1 Milliarden Euro dagegen gerechnet. Die mehr als acht Milliarden Euro teure UMTS- Lizenz ist unter den geltenden Regeln kaum zu verkaufen. "Wir haben dafür keinen konkreten Interessenten", sagte Grenz. "Wenn es nach den Buchstaben des Gesetzes geht, wird die Lizenz Ende nächsten Jahres eingezogen." Anders sehe es bei den bislang gebauten UMTS-Sende- und Netzanlagen aus, die sowohl für E-Plus als auch für O2 und T-Mobile interessant seien. Ein eventueller Verkaufserlös käme zu 90 Prozent France Télécom zugute, die letztlich die Anlagen bezahlt hat. Für die ersten neun Monate weist Mobilcom wegen der Abschreibung einen Vorsteuer-Verlust von 3,2 Milliarden Euro aus, gegenüber 161 Millionen Euro im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der Umsatz reduzierte sich von 2,0 auf 1,5 Milliarden Euro.

Dennoch hat sich die Lage im Mobilcom-Stammgeschäft Mobilfunk stabilisiert. Der Verlust lag im dritten Quartal mit 40,6 Millionen Euro deutlich unter dem Quartal zuvor, als er noch 135,7 Millionen Euro betragen hatte. "Das operative Geschäft ist weniger schlecht", stellte Grenz fest. Dazu hätten gesunkene Kosten für die Kundengewinnung und ein verbessertes Kostenmanagement beigetragen.

Die Zahl der Mobilfunk-Kunden blieb mit 4,9 Millionen stabil. Der Festnetzbereich, der bislang noch Gewinne schrieb, rutschte im dritten Quartal ebenfalls mit 18,5 Millionen Euro in die roten Zahlen. Auch darin sei jedoch eine Abschreibung von 13 Millionen Euro enthalten, weil ein Teil des Festnetzes nicht mehr wie geplant für UMTS genutzt werden könne. Die Festnetz-Aktivitäten sollen nun stärker mit dem Internet-Bereich zusammengeführt werden, wobei ein Verkauf der Sparte an die Internet-Tochter freenet.de die wahrscheinlichste Variante sei. In einem zweiten Schritt könne sich Mobilcom von freenet-Anteilen trennen, um damit Schulden zurückzuführen. Der Restrukturierungs-Kredit über 162 Millionen Euro sei für ein Unternehmen vom Zuschnitt Mobilcoms zu hoch, sagte Grenz. "Die Entschuldung bleibt deshalb ein wichtiges Thema."

Mit einem weiteren Personalabbau über die bislang vereinbarten rund 2 000 Arbeitsplätze hinaus rechnet der Vorstandschef nicht. Falls die Festnetz-Sparte mit 400 bis 500 Arbeitsplätzen verkauft werden sollte, hätte Mobilcom noch rund 2 500 Mitarbeiter. Das sei angemessen, auch wenn sich das stürmische Wachstum der Vergangenheit nicht wieder einstellen werde.

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