Gespräch mit Venture-Capitalist Vinod Khosla
Mache viele Fehler

Mit Investitionen in Starfirmen wie Juniper verdiente der Venture-Capitalist Vinod Khosla Milliarden. Netzwert sprach mit dem erfahrenen Geldgeber über Techniken der Zukunft.

HANDELSBLATT, 10.6.2002. Mit Investitionen in Starfirmen wie Juniper knackte der Venture-Capitalist Vinod Khosla den Jackpot und verdiente Milliarden. Netzwert sprach mit dem erfahrenen Geldgeber über die Lage der Branche und Techniken der Zukunft.

Vinod Khosla ist ein Optimist: "In fünf Jahren wird das Silicon Valley lebendiger und gesünder sein denn je", verkündet er. Vielleicht hat er Recht - denn Naivität lässt sich dem 47-Jährigen, der trotz seiner ruhigen und gewählten Worte eine starke Energie ausstrahlt, kaum vorwerfen.

Khosla gilt im Valley als graue Eminenz. Schon als 27-Jähriger hat er 1982 mit seinen Studienkollegen Bill Joy, Andy Bechtolsheim und Scott McNealy den Netzwerkausrüster Sun Microsystems gegründet, den er anfangs leitete. Doch wirklichen Ruhm erlangte der sportliche und schlanke Offizierssohn, der in Indien aufgewachsen ist, erst in den späten 90er-Jahren. Als Partner der Wagniskapitalgesellschaft Kleiner Perkins Caufield & Byers, des wohl bekanntesten Risikokapitalgebers in den USA, knackte er den Jackpot.

Seine Investitionen in Netzwerkausrüster wie Juniper Networks und Siara Systems brachten enorme Renditen. Er verkaufte eine ganze Reihe von Firmen 1999 für insgesamt 11,2 Mrd. $ - lange bevor die Netzwerkausrüster in die Krise stürzten. Seither gilt Khosla als Genie. Oft reicht es schon, wenn er Interesse an einer Firma zeigt, um weitere Millionen von anderen Kapitalgesellschaften anzuziehen.

Das US-Wirtschaftsmagazin "Forbes" nannte ihn nach diesen Erfolgen prompt "den Mann mit den goldenen Händen". Das Fachblatt "Red Herring" betitelte ihn als "Nummer eins unter den Wagniskapitalgebern".

Natürlich war das vor dem Absturz der Technologiebranche. Doch Khosla, der sich gerne lässig, aber elegant kleidet, ist kein Schönwettermann - er sah die Krise der Telekommunikationsunternehmen bereits vor zwei Jahren voraus und kündigte diese auch an. Jetzt warnt er davor, dass das gestiegene Interesse an der Nanotechnologie, die auf molekulare Strukturen setzt, zur nächsten Spekulationsblase führen könnte.

Trotz der Flaute auf dem Wagniskapitalmarkt und den Pleiten von Startups beharrt Khosla darauf, dass die meisten seiner Investitionen Gewinn bringen. Aktuell sitzt der begeisterte Taucher und Skifahrer, dessen Bürowände Fotos seiner vier Kinder schmücken, im Aufsichtsrat von sieben Unternehmen, die er mitgegründet hat: Juniper, Zambeel, Asera, Zaplet, Centrata, Kovio, Infinera.

Anil Nori, Technikchef bei der Software-Firma Asera, glaubt, dass Khosla im Grunde ein Ingenieur ist. "Er entwickelt neue Ideen und Szenarien." Mit den Worten: "Wäre es ein einfaches Problem, könnte es jeder lösen", konfrontiert Khosla die Techniker mit immer neuen Herausforderungen.

Nicht jeder kann damit gut leben: Nach Presseberichten musste der ehemalige Asera-Chef Warren Weiss gehen, weil er und Khosla sich nicht auf eine Strategie einigen konnten. Khosla sieht es anders: "Der Aufsichtsrat hatte das Vertrauen in seine Fähigkeiten verloren."

Kritische Stimmen über Khosla sind im Silicon Valley kaum zu hören. "Das liegt daran, weil ihn jeder kennt und alle Unternehmen in irgendeiner Weise miteinander verflochten sind", sagt ein Gründer, der lieber nicht genannt sein möchte. "Khosla kann schon eigensinnig sein", setzt er hinzu.

Doch der Eigensinn ist auch das, was den Erfolg des Kapitalgebers ausmachte. Denn spätestens, wenn alle von einem neuen Trend reden, ist es für Khosla Zeit, dieses Gebiet zu verlassen und sich nach neuen Technologien umzusehen. Welche das sein könnten, darüber sprach Handelsblatt Netzwert mit Khosla in San Francisco.



Herr Khosla, wie hat sich die Welt für Sie seit 1999 verändert?



Das Geld sitzt längst nicht mehr so locker - das ist wohl die größte Veränderung. Junge Firmen bemühen sich, mit weniger Geld zu gleichen Ergebnissen zu gelangen - was freilich auch heißt, das alles viel langsamer geht. Es erhöht aber auch die Chance, dass sie ein wirklich profitables Geschäft aufbauen.



Wenn Firmen sich langsamer entwickeln, bremst das auch den Wachstumsmotor Silicon Valley?



Nein. Innovation geschieht dort, wo innovative Leute sind und es eine Infrastruktur gibt, die das unterstützt. In beiden Aspekten ist das Silicon Valley immer noch der beste Platz.



Die Höhe des Wagniskapitals ist deutlich geschrumpft. Was hat sich sonst noch geändert?



Das Kaliber der Teams ist höher. Die Geschäftsmodelle bemühen sich um größere Wirtschaftlichkeit, und man muss jetzt wirklich innovative Ideen haben, um überhaupt Geld zu bekommen. Genauso wie die Exzesse der Vergangenheit ein Grund waren, dass wir jetzt niedrigere Renditen haben, sorgt die Extra-Sorgfalt heute dafür, dass wir in drei Jahren wieder bessere Renditen haben werden. In fünf Jahren wird das Silicon Valley gesünder und lebendiger sein denn je - das steht für mich außer Frage.



Was sind die Trends, die dazu führen?



Wenn wir ein Gebiet für sehr attraktiv halten, reden wir da nicht drüber. Zum Beispiel reden jetzt alle über Sicherheitstechnologien - ich wette, dass die Rendite durchschnittlich sein wird.



Geheimniskrämerei ist also Ihr Erfolgsgeheimnis?



Nein, das würde ich nicht sagen. Wir investieren in Technologien, noch bevor klar ist, dass sie Erfolg versprechend sind. Wenn wir Glück haben, können wir drei Jahre später rückblickend sagen: Ich mochte dieses Gebiet schon immer. So funktioniert der Prozess.



In der Technologiebranche sieht es so aus, als ob Riesen wie AOL und Microsoft immer stärker werden. Gibt es noch Platz für Startups?



Absolut. Den Spruch "Alles ist schon weg, es gibt keinen Platz für Neues"gab es ja schon immer. Aber genau hier ist Innovation gefragt.



Was sind denn nun die Technologien der Zukunft?



Es ist wirklich schwer, das vorauszusagen. Aber jedes große Problem der Industrie ist eine große Chance für Innovationen und neue Technologien. Software ist ein klassisches Beispiel. Investitionen in Software waren bisher nicht wirklich ökonomisch. Wer für eine Million Dollar Software kauft, gibt fünf Millionen aus, um sie zum Laufen zu bekommen und in Stand zu halten. Das ist ein ziemlich schlechtes Modell. Wer dieses Problem löst, hat ein gutes Geschäftsmodell.



Was sind andere Gebiete, in denen Sie Innovationen voraussehen?



Ein weiteres Grundproblem ist, dass die heutigen Technologien im Allgemeinen zu unflexibel sind. Web-Services sind ja schon der erste Versuch, Software flexibler zu machen. Davon werden wir noch viel mehr sehen.



Was war Ihre größte Fehleinschätzung eines technologischen Trends?



Ich hätte schon früh erkennen sollen, dass es für die von Cisco hergestellten Router so einen großen Markt gibt. Es war so offensichtlich, aber ich habe es nicht erkannt. Ich kam ja von Sun und unser Slogan war: "Das Netzwerk ist der Computer" - leider habe ich daran nicht mehr gedacht. Das war ziemlich dumm, ich mache viele Fehler.



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