Gespräche beendet
China sieht Fortschritte im Atom-Streit mit Nordkorea

China sieht auch nach dem angeblichen Eingeständnis Nordkoreas, Atomwaffen zu besitzen, Fortschritte bei den Gesprächen zwischen den USA und dem kommunistischen Land. "Alle teilnehmenden Parteien betrachten die Gespräche in Peking als guten Anfang eines Weges, der zur Regelung der nordkoreanischen Atomfrage führt", sagte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums am Freitag in Peking.

Reuters PEKING. China hatte an den auf drei Tage angesetzten Verhandlungen teilgenommen. Dabei soll US- und japanischen Regierungskreisen zufolge Nordkorea erklärt haben, es besitze bereits Atomwaffen. US-Präsident George W. Bush bezeichnete die Erklärung als Teil des nordkoreanischen Spiels mit Erpressungen. Südkorea reagierte entsetzt und warnte vor schlimmen Folgen für seine Wirtschaft.

Die Unterhändler der beiden Staaten hätten verabredet, im Streit um das Atomprogramm Nordkoreas die diplomatischen Kanäle offen zu halten, sagte der Sprecher des chinesischen Ministeriums, ohne auf die Berichte zu den Atomwaffen einzugehen. Die USA hatten die Gespräche in Peking am Vorabend einen Tag früher als geplant für beendet erklärt. US-Außenminister Colin Powell sagte, die USA hätten keine ihrer Handlungsmöglichkeiten vom Tisch genommen. Diese Formulierung schließt eine militärische Reaktion ein.

Experten: Chinas Reaktion entscheidend

Als Alternative zu einem Militäreinsatz könne Bush versuchen, den verarmten Staat mit finanziellen Zusagen zu einer Kehrtwende zu bewegen, sagten Experten. Viel mehr Möglichkeiten habe er nicht. Entscheidend sei daher, wie China auf die Aussicht reagiere, dass sein nordkoreanischer Verbündeter mit Atombomben drohe. "Sind sie bereit, deswegen Druck auszuüben", fragte Marcus Noland vom Institute for International Economics in Washington. "Sind sie bereit, ein nukleares Nordkorea mit allem, was das bedeutet, als Besorgnis erregend genug zu betrachten, um die Schrauben anzuziehen?"

Die meisten Experten gehen wie die USA davon aus, dass Nordkorea tatsächlich wenigstens eine oder zwei atomare Waffen entwickelt hat. Die dazugehörigen Trägersysteme hätten aber eine geringe Reichweite und die Leitsysteme seien ungenau. Nordkorea habe in den vergangenen Wochen wiederholt darauf hingewiesen, dass es ein Abschreckungsmittel brauche, um eine Irak-ähnliche Entwicklung des Konflikts zu verhindern, sagt der australische Nordkorea-Experte James Cotton. "Wenn sie die Absicht haben, ein abschreckendes Mittel einzusetzen, würde (die Erklärung) gut dazu passen. Dass sie es gesagt haben, heißt aber noch nicht, dass es wahr ist."

Während der dreiseitigen Gespräche in Peking soll der nordkoreanische Unterhändler Li Gun US-Sonderbotschafter James Kelly beim Mittagessen am Donnerstag an die Seite genommen und sinngemäß gesagt haben: "Wir haben Atomwaffen ... Es liegt an euch, ob wir sie vorführen oder abtreten." Dies berichtete die US-Zeitung "Washington Post" auf ihrer Website. US-Regierungskreise bestätigten den Inhalt des Gesprächs, wiesen jedoch Spekulationen zurück, Nordkorea habe mit einem Test gedroht. "Sie haben das Wort Test nie benutzt", hieß es. Bush bezichtigte Nordkorea, die USA erpressen zu wollen. "Nordkorea hat mich darin bestärkt, dass wir zusammenkommen müssen. ... Wir werden uns nicht bedrohen lassen", sagte er dem US-Fernsehsender NBC.

Südkorea und Japan sollten von Kelly am Freitag und Samstag über die Gespräche informiert werden. Südkorea bewertete die Entwicklung als "ausgesprochen schlechte Nachricht für die Wirtschaft". Seit dem Ende des Korea-Krieges von 1950 bis 1953 herrscht lediglich ein Waffenstillstand zwischen den beiden Koreas und die USA haben Truppen in Südkorea stationiert. Eine politische Annäherung wurde im vergangenen Jahr durch den Streit um das Atomprogramm des kommunistischen Nordens gestoppt. Die Gespräche in Peking waren der erste Anlauf der USA und Nordkoreas, den Konflikt zu lösen.

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