Gespräche gehen Dienstag weiter
Heiße Phase im Ringen um Kirch

Die Endlos-Auseinandersetzung um die Zukunft der angeschlagenen Kirch-Gruppe geht am Dienstag in die nächste Runde. Beobachter in München erwarten, dass sich Investoren und Banken jetzt bald auf ein Konzept einigen.

jojo MÜNCHEN. Im zähen Ringen um das Medienimperium von Leo Kirch zeichnet sich jetzt eine Lösung ab. Insider erwarten, dass die bei Kirch Media engagierten Investoren heute zumindest die Grundzüge eines Sanierungskonzepts vorlegen werden. Über die Oster-Feiertage haben sich die Anteilseigner offenbar intensiv über ihre künftige Rolle unterhalten. In der Kirch Media KGaA hat Unternehmensgründer Leo Kirch sein Kerngeschäft gebündelt, den Film- und Sportrechtehandel.

Der australische Medienzar Rupert Murdoch soll in den jüngsten Rettungsbemühungen die Führung übernommen haben, hieß es gestern in München. Bankenkreise bestätigten, dass Murdoch in Los Angeles die großen US-Filmstudios mit an den Verhandlungstisch bringen will, deren Rechnungen Kirch kaum bezahlen kann.

Über seinen britischen Pay-TV-Sender BSkyB ist Murdoch auch an Kirchs Bezahlfernsehen Premiere beteiligt. Im Herbst kann BSkyB bei Premiere aussteigen und dafür von Kirch die Zahlung von 1,7 Mrd. ? verlangen. Diese Forderung gibt Murdoch eine mächtige Verhandlungsposition.

Ob Banken und Investoren tatsächlich eine Lösung für die weit verzweigte Kirch-Gruppe finden werden, ist allerdings noch immer völlig offen. Banker in München halten es weiter für möglich, dass der Medienkonzern Konkurs anmelden muss. Bereits in den nächsten Tagen braucht die Kirch-Gruppe einen Überbrückungskredit in dreistelliger Millionenhöhe, um zu überleben. "Es wird eng für Kirch", hieß es gestern in Verhandlungskreisen. Viel Zeit bleibt den Verhandlungsführern ohnehin nicht mehr: Noch in diesem Monat wird ein Kredit der Dresdner Bank über 460 Mill. ? fällig. Das Institut hatte den Kredit bereits zwei Mal verlängert, zunächst im Dezember, dann nochmals im Januar. Ende April kann auch der Axel Springer Verlag auf die Zahlung von 767 Mill. ? pochen. Anfang Januar hatte das Verlagshaus eine Option zur Rückgabe seines 11,5 %-Anteils an der Pro Sieben Sat 1 Media AG ausgeübt, die Ende des Monats fällig wird. Kirch bestreitet, dass die Option gültig ist. Es gibt allerdings auch Anzeichen, dass die Hamburger auf die Auszahlung verzichten und dafür den Anteil an der Sender-Gruppe auf mehr als 25 % ausbauen. Darüber hinaus hat Kirch offenbar auch laufend fällige Verpflichtungen gegenüber den großen amerikanischen Filmstudios.

Die letzten Gespräche zwischen Banken und Investoren am vergangenen Donnerstag endeten ohne Ergebnis. Die Institute - Hypo Vereinsbank, Bayerische Landesbank, Commerzbank und DZ Bank - forderten von den Investoren abermals ein tragfähiges Konzept, bevor sie weiteres Geld zuschießen.

Zu den Anteilseignern gehören neben Murdoch unter anderem die Unternehmen Fininvest und Mediaset des italienischen Ministerpräsidenten Berlusconi sowie die Investment-Bank Lehman Brothers und der saudische Prinz Al Waleed. Bislang hieß es, die Investoren wollten die Mehrheit übernehmen. Wer die unternehmerische Führung übernehmen, soll war aber noch nicht geklärt. Die Banken hatten zuletzt bemängelt, dass sie alleine das Risiko einer Sanierung getragen hätten. Firmengründer Leo Kirch wird wahrscheinlich aus dem Unternehmen ausscheiden.

Gegen eine Machtübernahme durch die Firmen von Silvio Berlusconi stemmt sich inzwischen allerdings der Bundeskanzler. "Es ist nicht unproblematisch, wenn ein Ministerpräsident eines mit uns befreundeten Landes ausgerechnet im deutschen Medienbereich Einfluss hätte", sagte Bundeskanzler Schröder dem "Spiegel".

Die Kirch-Gruppe selbst ist offenbar äußerst optimistisch, die Turbulenzen unbeschadet zu überstehen: Auf ihrer Internet-Seite bietet die Firma nach wie vor zahlreiche Jobs an. Fraglich ist allerdings, ob sich in diesen Tagen tatsächlich wie gesucht ein neuer Kreditoren-/Debitorenbuchhalter für das undurchsichtige Firmengeflecht findet.

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