Gespräche gehen weiter
Noch keine Einigung über Deckung von Terrorschäden

Die Bundesregierung und die deutsche Versicherungswirtschaft sind weiter uneins, ob und in welcher Größenordnung sie gemeinsam Terrorrisiken für Industrieunternehmen absichern. Das Bundesfinanzministerium und der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) bestätigten am Donnerstag jedoch auf Anfrage, dass sie die Gespräche Anfang nächsten Jahres fortführen wollten.

Reuters BERLIN. Die Bundesregierung sei gegebenenfalls bereit, Schadensrisiken durch Anschläge mit zu übernehmen. Dies sollte jedoch nur für eine Übergangszeit gelten, sagte ein Sprecher des Ministeriums.

Dass bislang keine Einigung zwischen Regierung und Versicherungswirtschaft erzielt wurde, könnte für eine Reihe von Industriekunden der Versicherungen erhebliche Probleme mit sich bringen. Ein GDV-Sprecher sagte: "Es kann sein, dass der eine oder andere (Industriekunde) ohne Terrordeckung dasteht". Hintergrund ist, dass im Industriegeschäft eine Großzahl von Versicherungsverträgen, in denen die Abdeckung von Terrorschäden bislang automatisch enthalten war, zum Jahresende auslaufen. Sofern die Kunden mit ihren Versicherungen keine gesonderte Vereinbarungen für Anschlagsschäden getroffen hätten, seien sie nun ohne entsprechenden Schutz, hieß es.

Sprecher von Finanzministerium und GDV bestätigten, dass die Gespräche bislang ergebnislos geblieben seien. Derzeit lasse sich noch nicht sagen, ob sich eine gemeinsame Lösung finden lasse, sagte der Sprecher des Ministeriums. Klar sei, dass Handlungsbedarf bestehe. Grundsätzlich sei die Regierung bereit, an einer Übergangslösung mitzuarbeiten. Erinnert wurde in diesem Zusammenhang an die Übernahme von Terror-Haftungsrisiken bei Fluglinien durch die europäischen Regierungen. Ziel müsse aber sein, letztlich und auf längere Sicht auch für solche Risiken eine privatwirtschaftlichen Absicherung zu erreichen.

Ein GDV-Sprecher erklärte, bei den Gesprächen der Versicherungswirtschaft mit der Regierung sei Stillschweigen vereinbart worden. Er könne nur bestätigen, dass die Gespräche bislang ohne Ergebnis geblieben seien und Anfang des Jahres fortgeführt würden. Zur Frage eines Zeitdrucks bei den Verhandlungen hieß es in der Branche, das Problem hätten eher die Industriekunden der Versicherer. Komme es zwischen Staat und Branche nicht zu einer Einigung, wie Terrorrisiken für Produktionsanlagen gemeinsam getragen werden könnten, werde es zu Einzelvereinbarungen zwischen Versicherern und Kunden mit deutlich niedrigeren Deckungsgrenzen kommen.

Die "Financial Times Deutschland" hatte berichtet, die Positionen der Gesprächspartner hätten zuletzt noch sehr weit auseinander gelegen. Das gelte insbesondere in Hinblick auf die Größenordnung der Risiken, die beide Seiten bereit zu tragen seien. Ein von den Versicherern angebotenes Modell von deutlich über einer Milliarde Euro Deckung durch die Branche sei eher kühl aufgenommen worden. Probleme könnten sich für Unternehmen wegen der derzeit offenen Fragen des Versicherungsschutzes für Anschlagsfolgen ergeben. Viele Banken und Investoren verknüpften Finanzierungen beispielsweise mit der Forderung nach vollständigem Versicherungsschutz für beliehene Anlagen oder Gebäude.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%