Gespräche gescheitert
Fusion von Morphosys und British Biotech vom Tisch

Die Verhandlungen des am Neuen Markt gelisteten Biotechnologie-Unternehmens Morphosys über eine Fusion mit dem Konkurrenten British Biotech sind gescheitert. Damit ist die Fusionswelle in der von hohem Geldbedarf geprägten Branche in Europa zunächst zum Stillstand gekommen.

Reuters MARTINSRIED/LONDON. Die Verhandlungen mit Morphosys seien beendet worden, sagte British Biotech-Chef Elliot Goldstein am Mittwoch in London. Die im Auswahlindex Nemax-50 des Neuen Marktes gelistete Morphosys erklärte zugleich, anders als erwartet, werde bis Jahresende kein strategischer Partner mehr präsentiert.

Die Morphosys-Aktie brach um fast ein Drittel ein. Mehrere Analystenhäuser stuften das Papier zurück. Morphosys stehe vor dem Problem, sich Geld zu beschaffen, sagten Experten. Falls dies nicht gelinge, werde das Unternehmen seine liquiden Mittel wohl bis Mitte 2003 verbraucht haben. Eine Morphosys-Sprecherin sagte, die Liquidität sei durch das Scheitern nicht gefährdet.

Analysten hatten die Gespräche zwischen Morphosys und British Biotech begrüßt, weil sich Morphosys damit dringend benötigtes Geld für eigene Entwicklungsvorhaben hätte sichern können. Der britische Konkurrent verfügt Branchenkennern zufolge über Mittel von rund 80 Millionen Euro, hat aber keine Produkte in späteren Entwicklungsphasen. Morphosys hingegen hat einige aussichtsreiche Wirkstoff-Kandidaten in der Produkt-Pipeline.

Seit Jahresbeginn ist die europäische Biotechnologie-Branche von zahlreichen Zusammenschlüssen geprägt. So hatte die Schweizer Serono den Genom-Experten Genset übernommen und das US-Unternehmen Versicor die italienische Biosearch gekauft. Zudem war Rhein Biotech von Berna Biotech geschluckt worden.

"Das ist ein Problem für das Unternehmen, da die finanzielle Situation wieder unsicherer ist", sagte DZ Bank-Analyst Thomas Höger, der die Aktie auf "Reduzieren" von zuvor "Akkumulieren" zurückstufte. Morphosys müsse auf die Kostenbremse treten oder aber bald einen Partner präsentieren. Andernfalls drohe die Liquidität Mitte 2003 aufgezehrt zu sein.

"Mitte nächsten Jahres dürfte Morphosys aus heutiger Sicht das Geld ausgehen", sagte auch Sabine Eberhardt von Merck Finck. Es sei enttäuschend, dass Morphosys nach dem Scheitern der Gespräche mit British Biotech nun auch keine Chance mehr sehe, 2002 noch einen strategischen Investor zu finden. Im Dezember hatte sich noch Schering an Morphosys beteiligt und für zehn Prozent der Aktien knapp 24 Millionen Euro gezahlt.

"Es laufen immer Verhandlungen mit potenziellen Partnern", sagte die Morphosys-Sprecherin. Möglicherweise werde Morphosys seine Zahlen für das dritte Quartal schon kommende Woche veröffentlichen und dann Fragen zur weiteren Strategie beantworten. In finanzielle Bedrängnis gerate Morphosys durch das Scheitern der Verhandlungen nicht. Der Cash-Bestand zum Jahresende werde voraussichtlich bei 15 Millionen Euro liegen. Ende 2001 habe er lediglich 12,1 Millionen Euro betragen. Morphosys hatte im ersten Halbjahr 2002 den Fehlbetrag mit 8,4 Millionen Euro mehr als verdreifacht.

Die Morphosys-Aktie gehörte zu den größten Verlierern im Nemax-50 an und notierte am frühen Abend mit 11,35 Euro noch rund 30 Prozent im Minus.

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