"Gespräche im Hintergrund"
Wella-Vorzugsaktionäre sind verstimmt

Unter den Vorzugsaktionären der Wella macht sich offenbar Unmut über das Kaufangebot des US-Konsumgüterriesen Procter & Gamble (P&G) breit. Grund ist der erhebliche Preisunterschied zu der Offerte für die stimmberechtigten Stammaktien: Während P&G je Stamm 92,25 Euro zahlt, sind es für die Vorzüge gerade einmal 61,50 Euro.

Reuters FRANKFURT. "Dieses Angebot ist keine faire Behandlung der Minderheitsaktionäre", sagte ein großer Wella-Aktionär Reuters. Es gebe dazu bereits zwischen einigen Vorzugsaktionären "Gespräche im Hintergrund".

Procter & Gamble hatte jüngst in einem überraschenden Schritt die Stammaktien der Wella-Gründerfamilien und damit fast 78 Prozent der Stimmrechte erworben. Zugleich bot der US-Gigant den außen stehenden Vorzugsaktionären die Übernahme ihrer Papiere an - allerdings zu dem deutlichen geringeren Kurs. In der kommenden Woche dürfte Experten zufolge das offizielle Übernahmeangebot gemäß deutschem Wertpapiergesetz folgen.

Und so wurde in den vergangenen Tage an der Börse bereits darauf spekuliert, dass P&G das Angebot für die Vorzugsaktionäre noch nachbessern könnte. Die Papiere schlossen am Montag bei 64 Euro und damit 4 Prozent über dem Angebot von P&G. "Das ist das Ergebnis von Spekulationen, die darauf setzen, dass die Vorzugsaktionäre doch noch eine andere Entscheidung erzwingen können", hieß es am Markt.

In P&G-nahen Kreisen wird aber geschätzt, dass diese Rechnung nicht aufgehen dürfte: "Jeder, der auf einen höheren Preis hofft, wird enttäuscht werden", hieß es. "Ich habe keine Signale, dass P&G die Offerte anhebt." Auch Wella hatte bereits mitgeteilt, das Angebot von P&G stehe im Einklang mit dem deutschen Wertpapierübernahmegesetz.

Sollten einige Vorzugsaktionäre den Verkauf ihrer Anteile an P&G verweigern, so würden sie damit auf eine bestimmte Strategie setzen: "Es könnte eine Verzögerung (der Übernahme) von ein oder zwei Jahren geben und dann kann Procter & Gamble nicht die volle Integration und die Synergien realisieren", hieß es bei dem Wella-Großaktionär. Die Vorzugsaktionäre könnten eine Reihe von Beschwerden etwa gegen die Bewertung ihrer Papiere oder aber über die Behandlung von Minderheitsaktionären im Zeichen der Corporate Governance anstreben.

Auch wenn die Vorzugsaktionäre die Übernahme von Wella nicht aufhalten würden, könnten sie P&G immerhin das Leben schwer machen, sagen Analysten. "Es gibt einige sehr kluge Aktionäre, die das Gesetz sehr gut kennen, und die den Prozess aufhalten könnten", sagte Oliver Luckenbach von Dresdner Kleinwort Wasserstein. "Es müsste im Interesse von P&G sein, die Minderheitsaktionäre aus dem Unternehmen zu bekommen ("Squeeze Out") und vielleicht müssen sie dann einige Euro mehr bezahlen."

Einige Aktienexperten verwiesen auch darauf, dass die Stammaktien im Preis lediglich 20 Prozent über den Vorzügen lagen, als sie vor etwa zehn Jahren erstmals Investoren angeboten wurden. Nun sei die Differenz des P&G-Angebots erheblich höher, hieß es. "Die Frage ist, was der innere Wert eines Stimmrechts ist", sagte Analyst Luckenbach.

Der entscheidende Faktor im Streit um die Bewertung der Wella-Vorzüge wird jedoch sein, wieviel Wert Procter & Gamble darauf legt, 100 Prozent an Wella zu erwerben, nachdem der Konzern mit der 78-prozentigen Stimmmehrheit der Familienaktionäre im Grunde bereits das Sagen bei dem Darmstädter Haarpflege-Konzern hat. Wie es in den P&G-Kreisen hieß, sieht man bei dem Konzern den möglichen Widerstand einiger Vorzugsaktionäre verhältnismäßig gelassen: "Das Geschäft ist durch. Sie (P&G) haben die Mehrheit", hieß es.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%