Gespräche in frühem Stadium
Warner Music verhandelt erneut mit Emi

Das Karussell bei den Fusionsgesprächen großer Musikkonzerne dreht sich weiter: Der britische Plattenriese Emi hat wieder einmal Verhandlungen über einen Zusammenschluss mit Warner Music begonnen. Damit ist eine Phase exklusiver Verhandlungen zwischen Warner und der Bertelsmann-Tochter BMG über eine Zusammenlegung beendet. Ein schwerer Schlag für BMG: Das Unternehmen machte im ersten Halbjahr 2003 hohe Verluste.

LONDON. Dem Chef der Emi-Plattensparte, Alain Levy, waren bis zum Wochenende durch die exklusiven Gespräche von Warner und BMG die Hände gebunden. Nun sei man wieder in "Diskussionen" mit Warner. Die Gespräche seien "in einem sehr frühen Stadium" und nicht exklusiv. Offiziell wurden die Verhandlungen mit BMG damit noch nicht für endgültig beendet erklärt.

Bei einer Fusion von Emi und Warner Music sollen lediglich die Plattensparten vereinigt werden, also die Musikmarken, die Künstler aufbauen und CD?s vermarkten. Das sind die Bereiche, die am stärksten unter Internetpiraterie und Kaufzurückhaltung der Konsumenten leiden. Emi könnte seine Position auf dem US-Markt stärken, Warner in Europa zulegen.

Nicht bestätigen wollte Emi, dass der Konzern rund 1,5 Mrd. $ für Warner Recorded Music bieten wolle. Rund 1 Mrd. $ in bar, der Rest in Aktien. Emi hat Stars wie Robbie Williams, die Rolling Stones und Norah Jones unter Vertrag und würde für die Macht im neuen Konzern rund ein Viertel seines Aktienkapitals an den US-Riesen abgeben.

Ob Emi in dem Fusionspoker bessere Karten als BMG hat, scheint jedoch fraglich. Wie aus Emi-Kreisen zu hören ist, will der Londoner Konzern auf jeden Fall die Kontrolle in einem fusionierten Unternehmen haben. Diese Vorgabe könnte zum Problem werden, denn im Poker mit BMG hat Warner auf die Managementverantwortung gepocht.

Emi und Warner Music hatten bereits vor drei Jahren eine Fusion vereinbart, die aber an den Kartellbehörden in Brüssel scheiterte. Eine Ehe Emi/BMG wurde ebenfalls untersagt. Die Firmen spekulieren nun, dass eine neue Fusionsrunde angesichts einer anhaltenden Branchenkrise eher genehmigt wird. Egal, ob Emi oder BMG mit Warner fusioniert: Es würde das zweitgrößte Musikunternehmen der Welt hinter Marktführer Universal Music entstehen.

Levy und Emi-Chairman Eric Ni-coli sind anscheinend bereit, einen hohen Preis zu zahlen, um BMG auszustechen. Bis zuletzt hatte Levy versucht, die deutsch-amerikanischen Gespräche mit einer Gegenofferte zu stoppen. Allerdings sehen Beobachter in London keineswegs eine schnelle Einigung. Das neue Angebot könnte auch nur eine Finte von Warner-Chairman Dick Parsons sein. Er setze Emi bewusst ein, um Bertelsmann unter Druck zu setzen, heißt es.

Der Warner-Musikverlag müsste bei einer Fusion allerdings verkauft werden, sagen Marktkenner. Ein Zusammenschluss der marktbeherrschenden Musikverlage von Emi und Warner würde nicht genehmigt werden. "Die Verlage sind so was wie die Immobilientöchter einer Musikfirma", erläutert ein deutscher Top-Manager der Branche gegenüber dem Handelsblatt. Sie seien hoch profitabel und zukunftssicher. Außerdem seien sie die Gewinner das digitalen Zeitalters: Als Rechteinhaber verdienten sie automatisch und ohne Investitionen beim Online-Verkauf von Klingeltönen oder Musikfiles über Musikplattformen, an TV- oder Radioausstrahlungen: Die Rechte am Weihnachtssong "White Christmas" etwa setzen Branchenkenner mit dem Besitz eines Grundstück an der Madison Avenue in New York gleich. Analysten in London bewerten den Musikverlag von Emi mit 145 Pence pro Aktie - der Emi-Kurs lag gestern bei 155 Pence. Für Warner-Chappell, den Musikverlag von Warner, sollen die Kaufpreisforderungen bei rund 1,5 Mrd. $ liegen.

Das Sparpotenzial einer Fusion der Tonträgerfirmen schätzen Experten auf 200 bis 300 Mill. $. Doch was die Betriebswirtschaftler vorrechnen, kann schnell Makulatur werden: "Oft müssen Künstler oder Manager in Schlüsselpositionen mit sehr viel Geld zum Bleiben bewegt werden", erläutert der deutsche Musikmanager, der in der Vergangenheit mit Fusionen in der Branche vertraut war. "Das Kapital der Unternehmen sind die Menschen."

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