Gespräche mit Großaktionären – Entscheidung noch im Dezember erwartet
Compaq sucht nach Alternativen zur HP-Fusion

Es wirkte wie ein Versuch, die Moral der Leute zu stärken: Nach der Entscheidung der Packard-Stiftung, der Fusion der Computerkonzerne Hewlett-Packard (HP) Co. und Compaq Computer Corp. nicht zuzustimmen, schickte Compaq-Chef Michael Capellas am Wochenende eine E-Mail an seine Mitarbeiter. Der Tenor: Er stehe weiter zu der 25 Mrd. $ teuren Fusion, aber "behält eine pragmatische Sicht auf das eigene Geschäft und einen klaren Fokus auf die Zukunft". Mit anderen Worten: Der Konzern sucht nach Alternativen für eine Zukunft ohne HP.

WSJ/HB NEW YORK. su Capellas hat es vor allem auf große Firmenkunden abgesehen, ein Segment, in dem der Konzern aus dem texanischen Houston noch Nachholbedarf hat. "Ob als Teil eines neuen HP-Konzerns oder als eigenständiges Unternehmen", Compaq werde sich auf die Steigerung seiner Umsätze durch Paketangebote für Hardware, Software und Dienstleistungen konzentrieren, heißt es in dem Rundschreiben.

Die Chancen für die Fusion mit HP sind Ende vergangener Woche deutlich gesunken, nachdem sich der größte Anteilseigner von HP, die David and Lucile dagegen ausgesprochen hat. Auch die Nachkommen von HP-Gründer Bill Hewlett sind gegen die Fusion. Gemeinsam halten die Erben einen Anteil von etwa 18 %. Mindestens zwei Drittel der institutionellen Anteilseigner müssten nach Analystenschätzungen nun die Fusion unterstützen, um die Gründerfamilien zu überstimmen.

Die Manager des Konzerns aus Palo Alto versuchen derzeit, in persönlichen Gesprächen Großaktionäre vom Wert der Fusion mit Compaq zu überzeugen. Ihr Argument: Die Stiftung ist eine risikoscheue Organisation, die ihre Spendenzusagen erfüllen und dafür ihr Kapital schützen muss. Stiftungspräsident Richard Schlosberg III. stützte dieses Argument sogar selbst: "Unser spezielles Risikoprofil mag nicht mit dem anderer Aktionäre übereinstimmen."

Bei Compaq erwartet man nun, dass noch in diesem Monat eine Entscheidung getroffen wird. Keiner der Beteiligten wolle einen endlosen Kampf, sagte Compaqs Aufsichtsratsmitglied Thomas Perkins. "Wenn sich das über Monate hinzieht, ist es für keines der Unternehmen gut."

Aus dem Konzern heißt es inzwischen, Compaq werde möglicherweise eine Probeabstimmung der HP-Anteilseigner fordern. Wenn HP nicht genug Stimmen für die Fusion vorweisen könne, werde Compaq nicht bis zum für März erwarteten Votum stillhalten, sondern aus dem Geschäft aussteigen. HP könnte dann die für den Fall des Scheiterns vereinbarte Vertragsstrafe von 675 Mill. $ fordern.

Die Compaq-Manager sind sich vor allem nicht mehr sicher, ob ihre Interessen noch mit denen der HP-Chefin Carleton Fiorina übereinstimmen. Compaq-Aufsichtsrat Perkins glaubt, der Konzern ist ins "Kreuzfeuer geraten" zwischen den Gründerfamilien und Fiorina, die ihre Karriere bei HP an die Fusion mit Compaq geknüpft hat.

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