Gespräche mit Großaktionären gescheitert
Bosch findet Buderus zu teuer

Bosch hat Pläne begraben, den Heizungsbauer Buderus zu übernehmen. Ein zu hoher Preis sowie strategische Gründe führten zum Abbruch der Gespräche. Jetzt sucht Bosch nach anderen Kaufoptionen in Europa. Doch Buderus-Chef Lüders kann nicht aufatmen. Sein Konzern bleibt ein Übernahmeobjekt.

brb/jkn STUTTGART/FRANKFURT. Der Heizungsbauer Buderus AG bleibt vorerst eigenständig. Die Stuttgarter Bosch-Gruppe hat sich von Plänen verabschiedet, das Wetzlarer Unternehmen zu kaufen. Die Sondierungsgespräche mit den Aktionären von Buderus hätten zu keinem Ergebnis geführt, teilte Bosch gestern mit. Damit wurde den Spekulationen um eine baldige Buderus-Übernahme ein jähes Ende bereitet. Entsprechend reagierte der Aktienkurs von Buderus. Das Papier brach um zeitweise über 13 % ein und stand am späten Nachmittag noch mit 6 % im Minus.

Wie aus Bankkreisen zu hören ist, sind die Gespräche vor allem am Preis gescheitert. Sowohl der Mannheimer Baukonzern Bilfinger Berger AG (Buderus-Anteil 28,5 %) und die Commerzbank AG (10,5 %) als auch mehrere Fonds hätten aktuelle Kurse plus Prämie gefordert, wird berichtet. Bei Tageskursen von rund 31 Euro war dies für das Stuttgarter Stiftungsunternehmen offenbar zu viel.

Bosch verhandelt seit einem Dreivierteljahr über den Einstieg bei Buderus. Das Unternehmen galt als hervorragende Ergänzung für die Bosch-Tochter Junkers, die Sparte Thermotechnik wäre damit zum Weltmarktführer aufgestiegen.

Doch der überraschend schnelle Abbruch der Gespräche deutet darauf hin, dass unterschiedliche Preisvorstellungen nicht alleine den Ausschlag gegeben haben. Offensichtlich hat das Bosch-Management die Übernahmepläne auch aus strategischen Erwägungen ad acta gelegt. So heißt es in Stuttgart, dass die Heizungstechnik-Tochter Junkers auch ohne Buderus wachsen könne. Man werde in Europa weiter zukaufen.

Ein wichtiges Ziel von Bosch ist auch die Expansion in Südamerika und Asien. Hier hätte eine Buderus - Übernahme kaum genützt. Auch deshalb - so ist in Bankkreisen zu hören - habe sich Bosch schwer damit getan, eine hohe Prämie für die Buderus-Papiere zu zahlen.

Zudem hätten die Stuttgarter nach dem neuen Übernahmegesetz allen Buderus-Aktionären ein Kaufangebot machen müssen, sobald sie eine Beteiligung von 30 % erreicht hätten. Doch das Bosch-Management muss das Geld zusammenhalten. Mit Sorge beobachtet Bosch - Chef Hermann Scholl die weltweit rückläufige Autokonjunktur. Sie dürfte schon 2001 die Erträge in der Kfz-Sparte gedrückt haben, die zwei Drittel des Umsatzes bringt.

Das Buderus-Management fühlt sich nun in seiner Einschätzung bestätigt, dass ein Zusammengehen mit Bosch zu wenig Synergien bringen würde. Das Scheitern der Gespräche werde keine negativen Auswirkungen auf das Unternehmen haben, hieß es. "Wir werden uns jetzt wieder voll auf unsere Wachstumsstrategie konzentrieren", sagte ein Firmensprecher.

Auch Michael Benedikt von der Bank Julius Bär beunruhigt der Schritt von Bosch nicht. "Fundamental hat sich nichts geändert. Wir sind zuversichtlich, dass Buderus alleine seinen Weg machen und die Nummer eins in Europa werden wird", sagte der Analyst. Angesichts dessen sei die heftige Kursreaktion übertrieben. "Was wir gesehen haben, ist das Platzen der Spekulationsblase. Die guten Aussichten für Buderus haben sich nicht geändert", erklärte Benedikt.

Zurücklehnen kann sich Buderus-Chef Uwe Lüders aber nicht. Buderus bleibt ein Übernahmeobjekt, zumal Großaktionär Bilfinger sein Paket offiziell als eine reine Finanzbeteiligung eingestuft hat. Zudem muss der neue Buderus-Lenker beweisen, dass er den versprochenen Wachstumskurs auch tatsächlich realisieren kann. Lüders will den Umsatz des Heizungsbauers in den kommenden Jahren um durchschnittlich 10 % pro Jahr steigern.

Die Spekulationen um den Einstieg von Bosch hatten den Kurs der Buderus-Aktie seit September vergangenen Jahres kräftig in die Höhe getrieben. Damals waren die Gespräche zwischen dem Management beider Unternehmen über eine Beteiligung von Bosch an Buderus gescheitert. Daraufhin machten bald Gerüchte über eine feindliche Übernahme die Runde. Dagegen betonte ein Firmensprecher gestern: "Eine feindliche Übernahme hatte Bosch nicht vor".

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