Gespräche mit Produktionsgesellschaften
Brainpool-Chef greift nach den Sternen

Jörg Grabosch will mit einer neuen Show Fernsehgeschichte schreiben: Die Sendung, in der der Sieger eine einwöchige Reise ins All gewinnen kann, soll auch im Internet vermarktet werden. Analyse: Nullsummenspiele mit Wüstenscheichs

dpa-AFX BREMEN. Der Chef des Kölner Medien-Unternehmens Brainpool Jörg Grabotsch will Fernsehgeschichte schreiben: Erstmals sollen in mehreren Ländern Fernsehshow-Kandidaten ermittelt werden, denen als Gewinn am Ende eine einwöchige Reise zur Internationalen Raumstation winkt und dazu noch eine Million DM. Auch für die beteiligten Produktionsgesellschaften soll es sich lohnen: Pro Land sei damit ein Umsatz von rund 100 Mill. DM zu erzielen, schwärmte er am Dienstag im Gespräch mit dpa-AFX. Ein Konzept, das die bisherigen Grenzen des Gewerbes sprengt.

Im Zentrum des globalen Vermarktungskonzeptes steht space TV, die 100-prozentige Tochter von Brainpool. Für Brainpool selbst wäre ein Erfolg des Projektes auch ein finanzieller Quantensprung. Das am Neuen Markt notierte Unternehmen plant für 2001 einen Umsatz von rund 150 Mill. DM. In dieser Zahl ist das Projekt "Space Commander" indessen noch nicht enthalten. "Wenn alles klappt, dann ist eine Company wie Endemol, die rund eine Milliarde Umsatz macht, nicht mehr so weit weg", sagt Grabosch.



Vermarktung der Show in fünf Ländern

In fünf europäischen Ländern will Grabosch das Konzept vermarkten: in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Spanien und Italien. Auf insgesamt 120 Prime-Time-Shows sollen die Zuschauer in jedem Land die Auswahl ihres Kandidaten mitverfolgen können, angefangen vom den Fragespielen zur Allgemeinbildung über die physischen Beschleunigungs-Tests in der Zentrifuge bis zum Nachweis der "sozialen Intelligenz", über die ein auf engem Raum mit anderen Astronauten lebender Sieger verfügen muss.

Grabosch sieht vielfältige Vermarktungs-Chancen nicht nur im Fernsehen, sondern auch im Internet, oder als Content für die neuen UMTS-Handys, als Buch oder als Song. "Wenn man das nicht vermarkten kann, versteht man sein Geschäft nicht", sagt er. Selbst einen späteren Export des Konzepts nach Asien oder Südamerika hält er für realistisch.



Space TV hat bereits eine Fluganzahlung geleistet

Von dem jüngsten Absturz der EM.TV-Aktie am Neuen Markt lässt sich Grabosch nicht bange machen. Dass er sich ebenso wie der Münchener Konkurrent überheben könnte, glaubt er nicht. "EM.TV versucht, am Ende der Wertschöpfungskette Gewinne einzukaufen. Wir haben einen Rohstoff, eine Idee, und das platzieren wir jetzt mit einem kleinen finanziellen Risiko am Markt." Space TV habe eine Anzahlung von 7,5 Mill. $ für die sieben Flüge geleistet. Selbst wenn sich die ursprüngliche Idee nicht verwirklichen ließe, dürfte es kein Problem sein, reiche Scheichs zu finden, die ihm die Flüge wieder abkauften. Weitere Zahlungen seien erst mit dem Voranschreiten des Projektes zu leisten.

Grabosch befindet sich nach eigenen Worten derzeit im Gespräch mit interessierten Produktionsgesellschaften. Konkrete Vereinbarungen seien jedoch noch nicht getroffen. Wer in diesem Zusammenhang Anteile an space TV erwerben wolle, der sei willkommen. Auch einen Börsengang der Tochter schließt Grabosch nicht aus. Derzeit bestehe jedoch keine Notwendigkeit, sich weitere finanzielle Mittel am Aktienmarkt zu beschaffen.

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