Gespräche über EU-Betritt
Türkischer Präsident in Berlin

Zweieinhalb Wochen vor dem Erweiterungsgipfel der Europäischen Union in Kopenhagen traf Sezer am Dienstagabend zu einem Arbeitsbesuch in Berlin ein.

HB/dpa BERLIN. An diesem Mittwoch kommt er mit Bundespräsident Johannes Rau und Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) zusammen. Sezer forderte die EU vor seinem Abflug in Ankara erneut auf, bei dem Gipfel Mitte Dezember einen Termin für die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen zu benennen.

Dafür werde er in Berlin um Unterstützung nachsuchen, sagte der Präsident. Er unterstrich die "gewichtige Stellung", die "unser Freund Deutschland" in der EU innehabe. Bei den Gesprächen Sezers in Berlin soll es auch um die Situation in der Türkei nach den Wahlen von Anfang des Monats gehen, die die islamisch-konservative Partei AKP gewonnen hatte. Auch die neue AKP-Regierung fordert in der EU- Beitrittsfrage einen klaren Zeitplan.

Der Präsident des Europäischen Parlaments, Pat Cox, appellierte am Dienstag an die Regierungen der EU-Länder, der Türkei beim Kopenhagener Gipfel eine klare Beitrittsperspektive zu eröffnen. Er setze dabei "auf eine positive deutsche Führungsrolle", sagte Cox in Berlin. "Die ganze EU hat ein starkes Interesse an einer klaren strategischen Aussage zur Türkei."

Die Türkei ist das einzige von 13 EU-Kandidatenländern, mit dem noch nicht verhandelt wird. Sezer hatte beim Nato-Gipfel in Prag die Aufnahme von Verhandlungen über den EU-Beitritt Anfang kommenden Jahres verlangt. Schröder hatte der Türkei Hoffnungen gemacht, dass sie in Kopenhagen ein "starkes Signal" in dieser Frage erhalten werde. CDU und CSU sprachen sich am Wochenende strikt gegen einen EU- Beitritt des Landes aus.

Die Türkei ist seit Ende 1999 Beitrittskandidat. Über die Aufnahme konkreter Verhandlungen sind sich die EU-Mitgliedsstaaten trotz des deutlichen Reformkurses in Ankara noch nicht einig. Eine Abstimmung im Europäischen Parlament in der vorigen Woche hatte allerdings eine deutliche Mehrheit für die Beibehaltung der Beitrittsperspektive für die Türkei ergeben.

Die Beziehungen der EU beziehungsweise ihrer Vorläufer mit der Türkei gehen fast 40 Jahre zurück: Im September 1963 wurde mit Ankara ein Assoziierungsabkommen unterzeichnet, das Ende 1964 in Kraft trat.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%