Gespräche über Partnerschaft im Emissionsgeschäft
Investmentbanken umwerben die Deutsche Postbank

Die Investmentbanken haben erkannt, dass sie ohne Zugang zu Privatkunden im lukrativen Geschäft mit Börsengängen zurückfallen werden. Von dieser Erkenntnis profitieren Institute wie die Postbank.

HB FRANKFURT. Das Geschäft mit Aktienemissionen steht in Deutschland vor einem tief greifenden Wandel: Ausländische Investmentbanken, die sich bisher vor allem auf institutionelle Investoren konzentriert haben, versuchen hier zu Lande, durch Kooperationen mit Direktbrokern und Filialbanken auch im Massengeschäft mit Privatanlegern Fuß zu fassen. Zu den umworbenen Kandidaten zählt die Deutsche Postbank, die in Verhandlungen mit mehreren Investmentbanken steht. Nach Informationen des "Handelsblatts" laufen zudem Sondierungen zwischen verschiedenen Emissionshäusern und Direktbrokern.

Die Postbank ist nach Einschätzung von Branchenkennern mit ihren zehn Millionen Kunden für eine Investmentbank ohne Basis im Massensegment ein besonders attraktiver Partner. Das Institut will nach seiner Beteiligung am bevorstehenden Börsengang der Mutter Deutsche Post verstärkt in das Geschäft mit Aktien-Emissionen einsteigen. "Wir werden uns um weitere Mandate bemühen", sagte Vorstandschef Wulf von Schimmelmann dem "Handelsblatt".

Derzeit verhandele die Postbank über eine Partnerschaft im Emissionsgeschäft. "Ich kann mir vorstellen, dass wir mit einem signifikanten Spieler eine Vereinbarung treffen werden. Die Gespräche sind relativ weit. Ein Abschluss ist noch in diesem Jahr möglich", so von Schimmelmann. Namen nannte er nicht. Nach Informationen des "Handelsblatts" verhandelt die Postbank unter anderem mit Credit Suisse First Boston (CSFB). Die Investmentbank ist bei Börseneinführungen derzeit Nummer fünf in Europa und Nummer elf in Deutschland. CSFB wollte die Kontakte zur Postbank auf Anfrage nicht bestätigen. Vorstandsmitglied Gerhard Heinrich hatte kürzlich erklärt, sein Haus verhandele mit einer Privatkundenbank.

Die Postbank wäre in einer Kooperation mit einer Investmentbank für die Platzierung bei inländischen Privatkunden verantwortlich, sollte der Partner Konsortialführer bei einer Emission sein, erläuterte von Schimmelmann. Sie könnte sich aber an Börsengängen beteiligen, die von anderen Häusern geführt würden.



Auch die Commerzbank hat Interesse

Dem Vernehmen nach gibt es mehrere Interessenten für eine Zusammenarbeit. Dazu zählt auch die Commerzbank, die sich nach eigenen Angaben eine Kooperation im Vertrieb von Kapitalanlageprodukten vorstellen kann. Für die Postbank selbst geht es darum, ihre Kundenbasis besser auszuschöpfen und den Depotinhabern ihres in den nächsten Tagen startenden Direktbrokers Postbank Easytrade Zugang zu Neuemissionen zu verschaffen. Die angestrebte Ausdehnung ins Emissionsgeschäft ist Teil der Neuausrichtung des Instituts.

Die Investmentbanken wollen durch Kooperationen mit Direktbrokern und starken Privatkundeninstituten ihre Platzierungsbasis verbreitern und neue Absatzkanäle für Kapitalmarktprodukte erschließen. Die Zeit drängt, denn in der Branche ist unstrittig: Wer eine Spitzenposition in Europa erobern will, muss eine starke Position in Deutschland haben. Experten rechnen hier zu Lande für die nächsten Jahre mit einem Emissionsvolumen von jeweils 30 bis 50 Mrd. Euro.

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