Gespräche und Internet billiger
EU-Minister einigen sich auf Öffnung der Telefon-Ortsnetze

Die EU kurbelt die Konkurrenz im Telefon- Ortsnetz an und verbilligt damit Gespräche und das Internet-Surfen in Europa.

dpa LUXEMBURG. Die Fachminister der Europäischen Union einigten sich am Dienstag in Luxemburg auf eine baldige Öffnung der "letzten Meile" im Telefonnetz bis zum Kunden. Dabei geht es um das - vielfach noch in der Hand der ehemaligen Monopolunternehmen liegende - Anschlussstück der Festnetz-Telefone an das Leitungsnetz.

Mit der Grundsatzeinigung werden die EU-Länder verpflichtet, die Ortsnetze bis zum Jahresende zu öffnen. Mehr Konkurrenz gibt es dann bereits vom kommenden Jahr an. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Siegmar Mosdorf, sprach von einen wichtigen Schritt Europas hin zu einer digitalen Wirtschaft. Auch der Bürger werde von mehr Wettbewerb in den Ortsnetzen profitieren: "Wir werden Preisdividenden bei den Kunden haben."

Das Europaparlament wird sich voraussichtlich noch im Oktober mit dem Thema befassen. Eine endgültige Entscheidung der EU-Minister wird dann für Dezember erwartet. Lokale und regionale Telefonnetze sind in Europa vielfach noch in der Hand von Staatskonzernen oder früheren Branchenmonopolisten. Ortsnetze sind deshalb oft noch nicht voll liberalisiert. Die Ortsnetz-Preise sind für das Internet von zentraler Bedeutung, da sich die Nutzer meist über lokale Nummern ihres Anbieters einwählen.

Mosdorf sagte, in Deutschland sei die Öffnung der Ortsnetze schon 1998 beschlossen worden. "Wir sind schon sehr weit." Andere EU-Länder hätten es schwerer, die neuen EU-Regeln zu befolgen. Deutschland drängte laut EU-Diplomaten bei Detailformulierungen darauf, dass neuen Anbietern vom bisherigen Betreiber nicht unter allen Umständen der Zugang zum Telefonkunden gewährt werden müsse.

Die Öffnung der "letzten Meile" wurde vergleichsweise schnell auf den Weg gebracht. EU-Industriekommissar Erkki Liikanen legte seinen Vorschlag im Juli vor, nachdem die EU-Staats- und Regierungschefs bei ihrem Gipfel in Lissabon im März die Richtung vorgegeben hatten. Dem finnischen Kommissar sind die hohen Preise für Ortsgespräche in der Union schon seit längerem ein Dorn im Auge.

Von der Neuregelung sollen wichtige Impulse auf Industrie und das Internet ausgehen. Geöffnet sind die Ortsnetze laut EU-Kommission bereits in Österreich, Dänemark, Finnland, Italien, Deutschland und den Niederlanden. Frankreich, Spanien, Irland und Großbritannien planen Regelungen für Januar 2001. Zu den anderen EU-Ländern gab es keine Angaben.

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