Gespräche werden bereits geführt
Siemens sucht Partner für Handy-Geschäft

Der Technologie-Konzern Siemens sucht nach den Worten von Vorstandsmitglied Volker Jung einen Partner für sein Handy-Geschäft. Siemens führe mit mehreren Herstellern Gespräche über eine Zusammenarbeit, sagte der im Siemens-Vorstand für die derzeit Verluste schreibenden Kommunikationssparten zuständige Jung in einem am Dienstag vorab veröffentlichten Interview mit der "Financial Times Deutschland" (FTD).

Reuters MÜNCHEN. Bevorzugte Partner nannte Jung nicht, deutete aber Gespräche mit einem japanischen Konzern an: "Ein Joint Venture mit einer japanischen Firma hält meist länger als mit einem US-Unternehmen. Aber dafür braucht man auch länger, um sich zu einigen und es abzuschließen", sagte er der Zeitung.

Über Verhandlungen des Münchener Konzerns mit anderen Handy-Herstellern, um sich in dem von einer Abschwächung der Nachfrage gekennzeichneten Markt zusammenzutun, war bereits in der Vergangenheit spekuliert worden. Medienberichten zufolge hatte Siemens mit dem US-Hersteller Motorola Gespräche geführt, diese dann aber abgebrochen. Als möglicher Partner war auch der japanische Konzern Toshiba ins Gespräch gebracht worden, mit dem Siemens bereits bei der Entwicklung von Handys für die dritte Mobilfunk-Generation kooperiert.

Die Mobilfunksparte von Siemens war in den vergangenen Quartalen in die Verlustzone gerutscht, will aber mit rigorosen Sparmaßnahmen wieder in die schwarzen Zahlen kommen. So sollen allein in diesem Geschäftsbereich 4600 Stellen abgebaut werden.

"Bei Telefonen sehe ich Handlungsbedarf", sagte Jung der "FTD". "Es braucht ein bestimmtes Volumen, um eine gewisse Profitabilität zu erreichen. Ohne Partner ist das auf Dauer nur für (den Weltmarktführer) Nokia möglich. Wir führen daher Gespräche mit mehreren Herstellern über eine Zusammenarbeit." Es habe bereits Partner gegeben, mit denen sich Siemens eine Kooperation hätte vorstellen können, erläuterte Jung weiter. "Unterschiedliche Auffassungen über Anteile an einem Joint Venture oder die Verwendung des Marken-Namens haben uns dann aber die Gespräche erst einmal beenden lassen."

Siemens war im dritten Quartal 2001 nach den Daten des Brancheninstituts Gartner mit einem Marktanteil von 7,2 % auf Platz fünf der weltweit größten Handy-Konzerne abgerutscht. Siemens hatte immer wieder das Ziel formuliert, in die Gruppe der führenden drei Anbieter in diesem Markt aufsteigen zu wollen. Der japanische Konzern Toshiba wäre mit einem Marktanteil von unter einem Prozent dafür zu klein. Andere japanische Hersteller unter den zehn führenden sind Panasonic auf Rang sechs mit einem Marktanteil von 5,1 %, NEC (3,9 %) und Mitsubishi (2,6 %). Mit NEC kooperiert Siemens bei der Entwicklung mobiler Infrastruktur. Gemeinsam sind sie an einem Pilotprojekt für den neuen Standard UMTS auf der Insel Isle of Man beteiligt.

Nach dem Boomjahr 2000 muss der Handymarkt im laufenden Jahr wohl den ersten Absatzrückgang in der Geschichte der Branche hinnehmen. Experten rechnen mit unter 400 Mill. produzierten Mobiltelefonen, nach 408 Mill. im vergangenen Jahr. Zu Jahresanfang waren die Branchenvertreter noch von zweistelligen Wachstumsraten ausgegangen. Allerdings mehren sich in den letzten Wochen die Anzeichen für eine Erholung der Nachfrage schon zum Weihnachtsgeschäft. Für das laufende Jahr erwarten Branchenkenner wieder eine Steigerung des Handy-Absatzes auf 420 bis 450 Mill. Handys.

Außer mit einem Handy-Hersteller sei auch eine Partnerschaft mit einem Produzenten von Kleinstcomputern, den so genannten Personal Digital Assistants (PDA) denkbar, zitiert die "FTD" den Siemens-Vorstand. Auf diesem Gebiet arbeitet der Münchener Konzern bereits mit der japanischen Casio bei der Entwicklung von PDAs mit integriertem GSM-Modul zusammen.

Die Siemens-Aktien fielen am Dienstag in einem insgesamt schwächeren Marktumfeld um 2,27 % auf 66,75 Euro.

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