Geste zu Gunsten von Mahmud Abbas
Israel verzichtet auf Vergeltung für Selbstmordanschlag

Israel wird nach dem jüngsten Selbstmordanschlag eines Palästinensers in Israel keinen militärischen Vergeltungsschlag unternehmen. Dies verlautete am Freitagmorgen nach einem Treffen von Verteidigungsminister Schaul Mofas mit der Armeeführung.

HB/dpa TEL AVIV. Wie der Armeesender berichtete, habe sich die Regierung in einer Geste zu Gunsten des neuen palästinensischen Ministerpräsidenten Mahmud Abbas zu militärischer Zurückhaltung entschlossen. Israel wolle Abbas und seinem neuen Sicherheitsminister Mohammed Dachlan bei deren angekündigten Kampf gegen die Gewalt palästinensischer Extremisten nicht in den Rücken fallen, hieß es.

Bei dem Anschlag vor dem Bahnhof der Stadt Kfar Saba waren am Donnerstagmorgen der Attentäter und ein aus Russland stammender Wachmann getötet worden. Zwölf weitere Israelis wurden bei dem vierten Selbstmordanschlag in Israel in diesem Jahr verletzt. Zu der Tat bekannten sich sowohl die Al-Aksa-Brigaden, der bewaffnete Arm der Fatah-Bewegung von PLO-Chef Jassir Arafat, als auch die militante "Volksfront zur Befreiung Palästinas" (PFLP).

Abbas wird voraussichtlich Anfang nächster Woche vom Parlament in Ramallah offiziell als erster Premier der Palästinenser bestätigt werden. Er hat bereits vor Wochen zu erkennen gegeben, dass er die Wiederherstellung von Ordnung und Gerechtigkeit in den Autonomiegebieten für seine vordringlichste Aufgabe halte. Palästinensische Extremisten haben bereits ihren Widerstand gegen alle Versuche angekündigt, sie zu entwaffnen.

Israelische Politiker hielten sich am Donnerstag mit Reaktionen zum Ausgang des Machtkampfs zwischen Abbas und Palästinenserpräsident Arafat zurück. Der frühere Außenminister Schimon Peres und der amtierende Innenminister Josef Paritzki von der bürgerlichen Schinui-Partei forderten jedoch die sofortige Aufnahme von Verhandlungen mit den Palästinensern.

Vertreter der radikalen israelischen Rechten, die fast komplett in der Regierung Scharon sitzt, kündigten jedoch Proteste gegen die Aufnahme von Verhandlungen an. Die USA wollen bereits in wenigen Tagen ihren mit der EU, Russland und den Vereinten Nationen entwickelten Friedensplan veröffentlichen, der den Palästinensern einen unabhängigen Staat innerhalb von drei Jahren verspricht.

Ein Sprecher der ultrarechten Partei "Nationale Union" sagte der Tageszeitung "Haaretz" vom Freitag, man wolle jetzt versuchen, die US-amerikanische Rechte und führende Vertreter der christlichen Rechten hinter sich zu bringen. Diesen wiederum werden enge Kontakte zu US-Präsident George W. Bush nachgesagt.

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